Politik hofft weiter auf Umdenken nach Aus für Ardo-Werk
Nach dem angekündigten Aus für das Werk des Iglo-Zulieferers Ardo in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich im kommenden Jahr hofft die Politik weiterhin auf ein Umdenken beim Unternehmen. Als möglicher Ausweg soll ein an die belgische Eigentümerfamilie übermittelter Brief dienen. Ardo selbst kündigte zuletzt an, an den Schließungsplänen für Ende August 2027 festzuhalten und erteilte Unterstützungsangeboten und weiteren Gesprächen darüber eine Absage.
Zwischen Politik und Unternehmensvertretern gab es bisher zwei Treffen, das jüngste ging am Mittwoch in Szene. Vorgeschlagen wurden Ardo u.a. auch die Möglichkeiten eines Pachtmodells oder der Übernahme der Produktionslinie, skizzierte Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP). Es gehe darum, sich Zeit für die Herstellung einer Ersatzstruktur zu verschaffen, hielt Pernkopf auf APA-Anfrage fest. “Erste Händler steigen schon von Ardo aus, weitere müssen folgen. Österreich lässt sich das nicht gefallen, denn es geht um die Versorgungssicherheit mit heimischem Gemüse.”
Ähnliches ließ am Donnerstag auch Lorenz Mayr, der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, im Ö1-“Morgenjournal” des ORF verlauten. “Es gibt seit gestern einen Brief an die Eigentümerfamilie und wir hoffen, dass hier noch Gespräche stattfinden können für ein, zwei Jahre Betreibung des Werkes, damit wir uns hier für die Zukunft des österreichischen Tiefkühlgemüses rüsten können.” Mehr als 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses werden Mayr zufolge im Werk in Groß-Enzersdorf produziert. Ersatz könne “nicht in der Schnelle” gefunden werden. Man sehe hier auch, “wie verletzbar wir hier in Österreich sind”. Ein zweites Tiefkühlgemüse-Unternehmen in Groß-Enzersdorf – Schneider’s Gemüseland, das etwa bereits seit zehn Jahren mit Spar kooperiert – kann einen Ardo-Totalausfall nicht komplett kompensieren, ein Ausbau würde laut Branchenkennern wohl länger dauern, hieß es im Ö1-“Morgenjournal”.
Unternehmen wollte sich nicht weiter äußern
Ardo habe sich beim Treffen am Mittwoch nicht kompromissbereit gezeigt, war eine weitere Conclusio seitens der Politik, auch von einer “Kriegserklärung” war zu hören. Vom Unternehmen selbst hieß es, dass die strukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen durch die von Land und Bund unterbreiteten Unterstützungsangebote “nicht behoben werden” könnten. Auch die Möglichkeit eines Verkaufs des Werkes sei geprüft und verworfen worden. Ardo will sich nun eigenen Angaben zufolge lieber auf die Errichtung eines Sozialplans für die 190 von der Schließung betroffenen Beschäftigten konzentrieren. Am Donnerstag wollte sich das Unternehmen auf APA-Anfrage nicht weiter äußern.
Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September angekündigt, den Standort 2027 zuzusperren. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Nötige Investitionen von mehr als 100 Mio. Euro für die Modernisierung seien für einen “relativ kleinen heimischen Markt” zu hoch, wurden die Pläne begründet. Die Anlagen sollen an andere bestehende Standorte verlagert werden. Das Unternehmen hat 2025 in Niederösterreich seinen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.
SPÖ, NEOS und Grüne mit weiteren Lösungsansätzen
Seitens der SPÖ Niederösterreich wurden am Donnerstag die Forderungen nach einem umfassenden Sozialplan und nach der Prüfung der Einrichtung einer Arbeitsstiftung unterstrichen. “Heimisches Gemüse darf nicht aus unseren Regalen verschwinden – und gute Arbeit nicht aus unserer Region”, betonten Landesparteichef und Landesrat Sven Hergovich und Klubobmann Rene Zonschits in einer gemeinsamen Aussendung. Gespräche mit den Eigentümern müssten unbedingt fortgesetzt werden. Aus Sicht der niederösterreichischen NEOS muss das Land mögliche Investoren aktiv an einen Tisch holen und klären, welche Unterstützung für eine Fortführung der Produktion möglich ist. “Hoffnung rettet keine Jobs – ein Plan B schon”, hielt die Landesparteivorsitzende Indra Collini fest.
“Es kann nicht sein, dass ein einzelner Konzern darüber entscheidet, ob unsere Bäuerinnen und Bauern ihre Ernte künftig noch verkaufen können”, konstatierte Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen. Die Politik müsse jetzt handeln, auch die großen Supermarktketten seien in der Verantwortung, gefragt seien “konkrete Zusagen des Handels”.