Sängerin Anja Silja wird für ihr Lebenswerk geehrt

26.08.2026 • 09:19 Uhr
Sängerin Anja Silja wird für ihr Lebenswerk geehrt

Die 86-jährige Sopranistin Anja Silja wird am 8. September bei der Verleihung der Österreichischen Musiktheaterpreise in der Votivkirche den Preis für das Lebenswerk erhalten. “Anja Silja hat Rollen nicht ausgelegt, sie hat sie sich angeeignet – mit einer Direktheit, die dem Musiktheater ihrer Generation oft fremd war. Wo andere Werktreue suchten, suchte sie den Zugriff auf die Figur, ihre Widersprüche, ihre Abgründe”, begründete Preis-Initiator Karl-Michael Ebner die Wahl.

Die Berlinerin wurde bereits als Kind von ihrem Großvater Egon van Rijn in Gesang unterrichtet und gab mit zehn Jahren ihr erstes Konzert. 1956 debütierte sie am Staatstheater Braunschweig als Rosina im “Barbier von Sevilla”, mit 19 Jahren sang sie in Wien und Aix-en-Provence bereits die Königin der Nacht. Den internationalen Durchbruch verdankte sie ihrem Bayreuth-Debüt 1960 als Senta im “Fliegenden Holländer” – eine Rolle, mit der die damals Zwanzigjährige, bis dahin ohne nennenswerte Bühnenerfahrung, für Aufsehen sorgte. Es begann eine enge künstlerische Verbindung mit Wieland Wagner, der sie bis zu seinem Tod 1966 in zentralen Partien besetzte: als Elsa im “Lohengrin”, als Venus und Elisabeth im “Tannhäuser”, als Eva in den “Meistersingern” sowie als Freia im “Rheingold”. Bis 1967 gehörte sie zu den prägenden Stimmen des Grünen Hügels.

Dramatische Stimme, breites Repertoire

Mit dem frühen Tod Wieland Wagners 1966 zog sie sich vom Wagner-Fach zurück und sorgte – etwa als Micaela in “Carmen”, als Königin der Nacht in der “Zauberflöte” oder als Leonore im “Troubadour” – – mit ihrer hellen, dramatischen Stimme und ihrer Bühnenpräsenz weiter für Furore. Ihr Repertoire wies außergewöhnliche stilistische Breite auf: Als Marie und Lulu in den Opern Alban Bergs, als Salome und als Küsterin in Janáčeks “Jenůfa” gehörte sie zu den gefragtesten Charakterdarstellerinnen ihrer Zeit und sang an der Metropolitan Opera New York, der Covent Garden Oper London, der Pariser Oper, der Wiener Staatsoper oder bei den Festspielen von Glyndebourne. Zu ihrer “Lebensrolle” wurde die Emilia Marty aus Janaceks “Sache Makropoulos”, die sie mehr als hundert Mal sang. Auch als Regisseurin trat sie in Erscheinung.

Den Großen Preis der Jury wird, wie bereits bekannt gegeben wurde, der ehemalige Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, entgegennehmen. Bei den zum 14. Mal verliehenen Auszeichnungen gehen für 15 Kategorien aus Oper, Operette und Musical drei Häuser ex aequo mit je acht Nominierungen als Favoriten ins Rennen, nämlich Staatsoper, Volksoper und die Salzburger Festspiele.

(S E R V I C E – )