Schülerdemos gegen mündliche Matura-Pflicht

26.01.2022 • 15:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Rund 300 Schülerinnen und Schüler haben am Mittwochvormittag am Wiener Stephansplatz gegen die Wiedereinführung der verpflichtenden mündlichen Matura demonstriert. Die SPÖ-nahe Aktion kritischer SchülerInnen (AKS) hatte zu „Großstreiks“ aufgerufen, neben Wien gab es auch kleine Kundgebungen in einigen Landeshauptstädten. Die von der VP-nahen Schülerunion dominierte Bundesschülervertretung lehnt die Proteste ab, ist aber ebenfalls für eine freiwillige mündliche Reifeprüfung.

In Linz waren am Vormittag rund 250 Schülerinnen und Schüler auf der Straße. In der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck versammelten sich am frühen Nachmittag rund 100 Schüler zu einer Demo am Landhausplatz, sagte ein Polizeisprecher zur APA. In Salzburg waren zur gleichen Zeit etwa 80 Demonstranten am Mozartplatz, in Bregenz protestierten mittags 45 bis 50 Personen gegen die verpflichtende mündliche Matura. Zwischenfälle gab es jeweils keine, sogar die Maskenpflicht wurde fast durchgehend eingehalten.

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl ist es an den Schulen nach Angaben von AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins und ihrem BMHS-Pendant Franz Reithuber kaum zu auffälligen Absenzen gekommen. „Die DirektorInnen der höheren Schulen Österreichs sind froh über die Reife eines weit überwiegenden Teils der MaturantInnen: Die meisten Jugendlichen vertrauen auf ihre eigene Leistungsfähigkeit und nützen die Unterrichtszeit intensiv für die Maturavorbereitung: Sie schreiben mehrstündige Schularbeiten als Vorbereitung auf die Klausuren, finalisieren ihre vorwissenschaftlichen Arbeiten bzw. Diplomarbeiten und arbeiten auf möglichst gute Noten in allen Fächern hin“, hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme.

Wer in den vergangenen beiden Jahren nicht mündlich antreten wollte, bekam in dem betreffenden Fach die Note der Abschlussklasse ins Maturazeugnis. Begründet wurde dies mit den coronabedingt langen Phasen des Distance Learning in diesen Schuljahren. Für heuer gibt es zwar ebenfalls diverse Erleichterungen bei schriftlicher und mündlicher Prüfung – allerdings müssen beide Prüfungsteile wieder verpflichtend absolviert werden.

Die AKS verlangt allerdings nicht nur eine freiwillige mündliche Matura: Falls Maturantinnen oder Maturanten das wollen, soll auch die schriftliche Prüfung entfallen können und im Maturazeugnis die Durchschnittsnoten der letzten beiden Schuljahre stehen. Auf Transparenten der Jugendlichen waren am Mittwoch Sprüche zu lesen wie „Deine Matura fickt meine Gesundheit“, „Polaschek schau, wegen dir machen wir blau“ oder „Oberstufe reicht – Matura abschaffen jetzt“. Im Anschluss zogen die Demonstrantinnen und Demonstranten unter lauten „Polaschek muss weg“-Rufen zum Bildungsministerium am Minoritenplatz.

Unterstützung bekam die AKS bei der Demo in Wien neben anderen linken Jugendorganisationen auch vom stellvertretenden SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried. Die SPÖ will auch im Nationalrat einen entsprechenden Antrag stellen, kündigte Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler in einer Aussendung an. Angesichts der Tatsache, dass der heurige Maturajahrgang seit zwei Jahren mit einem „pandemischen Dauerausnahmezustand“ sowie „katastrophalem Management des Bildungsministeriums“ konfrontiert sei, könne man noch nicht zum Normalbetrieb zurückkehren.

Begründet wurden die Forderungen nach einer freiwilligen mündlichen Matura von der Wiener AKS-Landesvorsitzenden Anna Blume unter anderem mit der steigenden Zahl an Depressionen bei Jugendlichen. Außerdem hätten die Schülerinnen und Schüler in den vergangene beiden Jahren aufgrund des Distance Learnings so viel Stoff verpasst, dass es kaum noch aufzuholen sei.