Sieg gegen Tunesien hinterlässt bei Rangnick Fragezeichen

02.06.2026 • 12:48 Uhr

Wirkliche Freude ist bei Ralf Rangnick am Montag nach dem 1:0 gegen Tunesien im Wiener Happel-Stadion nicht aufgekommen. Österreichs Fußball-Teamchef muss sich nach der siegreichen Generalprobe mit dem WM-Aus von Christoph Baumgartner und weiteren Personalfragen auseinandersetzen, die eigentlich schon erledigt schienen. Doch während nicht alle für die Anfangself beim WM-Auftakt gegen Jordanien vorgesehenen Spieler überzeugten, zeigten Kicker aus der zweiten Reihe auf.

Von den eingewechselten Akteuren hob Rangnick Kevin Danso und Marco Friedl, aber vor allem Carney Chukwuemeka und Paul Wanner hervor. “Was die beiden gespielt haben, war nicht so schlecht”, erklärte der Deutsche. “Das heutige Spiel hat schon noch ein paar Karten neu gemischt.”

Rangnick schickte eine Mannschaft aufs Feld, die wohl – abgesehen vom kurzfristigen Baumgartner-Ausfall – in weiten Teilen als Einserformation gegen Jordanien vorgesehen war. Die Leistung dieser Auswahl ließ jedoch zu wünschen übrig. “In der ersten Hälfte haben wir nicht so gespielt, wie wir es normalerweise können. Vor allem das Passspiel im letzten Drittel war nicht sauber genug. Manchmal haben wir falsche Entscheidungen getroffen, und wir hatten auch bei den Aluminiumtreffern der Tunesier das nötige Glück”, sagte Rangnick.

Zufriedenheit mit Leistung in zweiter Hälfte

Nach fünf Auswechslungen zur Pause wurde es besser – trotz der Roten Karte für Konrad Laimer (37.), die laut ÖFB-Angaben keine Sperre für die WM nach sich zieht. “Die zweite Hälfte war umso besser. Wir waren mit einem Mann weniger dem zweiten oder dritten Tor näher als Tunesien dem Ausgleich”, betonte Rangnick.

Für Laimers Ausschluss wegen Torraubs hatte der 67-Jährige Verständnis. “Wenn es streng nach dem Regelwerk geht, kann man dafür Rot zeigen.” Die numerische Schwächung könnte im Hinblick auf die WM Positives bewirken, so Rangnick. “Für mich ist entscheidend, dass Konni (Anm.: Laimer) nicht gesperrt ist. Ansonsten ist es ganz gut, dass wir auf so eine Probe gestellt wurden.”

Schließlich könnte man auch bei der WM in Unterzahl geraten. “Deshalb war es ein richtig guter Test, auch was das Dagegenhalten und die Resilienz betrifft”, meinte Rangnick. Einen weiteren Test wird es nicht geben, weil das in Kalifornien geplant gewesene Spiel gegen Guatemala abgesagt wurde. “Aber ich bin nach wie vor froh, dass es nicht stattfindet. Wir haben heute einen gewissen Preis dafür (Anm.: für das Spiel gegen Tunesien) zahlen müssen”, meinte Rangnick.

Nachnominierung für Baumgartner offen

Baumgartner verspürte beim Aufwärmen einen Stich im Adduktoren-Oberschenkelbereich. “Bei ihm sieht es leider nicht gut aus”, berichtete der Teamchef bereits unmittelbar nach der Partie. Die Befürchtungen sollten sich bewahrheiten, am Dienstagvormittag gab es Gewissheit: strukturelle Muskelverletzung im rechten Oberschenkel, keine Chance auf eine WM-Teilnahme. Über eine mögliche Nachnominierung will der ÖFB “zu gegebener Zeit” informieren. Theoretisch hat Rangnick dafür bis 24 Stunden vor dem Jordanien-Spiel – dieses steigt am 16. Juni (17. Juni, 6.00 Uhr MESZ) in Santa Clara – Zeit.

Entwarnung gab es immerhin bei David Alaba. Der ÖFB-Kapitän war zur Pause in der Kabine geblieben. “Er hat muskulär etwas gespürt. Ich hoffe, dass es nur eine Verhärtung ist”, sagte Rangnick. Eine MRT-Untersuchung ergab keine Muskelverletzung, Alaba kann am Donnerstag mit dem Team nach Nordamerika abheben.

Tormannfrage bereits geklärt

Auch die Frage nach dem WM-Einsergoalie scheint schon vor dem Abflug geklärt. “Alexander Schlager hat es richtig gut gemacht. Man kann davon ausgehen, dass er gegen Jordanien im Tor stehen wird, wenn nichts Außergewöhnliches passiert und alle gesund bleiben”, erklärte Rangnick. Ansonsten ist nach der Tunesien-Partie noch einiges offen, wie der Deutsche verdeutlichte. “Es gibt weniger Fixposten als noch vor dem Spiel, weil in der zweiten Hälfte einige richtig aufgezeigt haben. Da haben wir super verteidigt, hatten richtig gute Balleroberungen und Umschaltmomente.”

Der Kampf um die Startplätze gegen Jordanien erhielt also eine neue Dynamik, entschieden wird er in den Trainingseinheiten in Goleta bei Santa Barbara. Vor dem Abflug in Wien-Schwechat standen für die Mannschaft noch zwei freie Tage auf dem Programm.