Staatspreis-Verleihung: Autor Clemens J. Setz wird geehrt

Der aus Graz stammende und in Wien lebende Schriftsteller Clemens J. Setz (43) wird am Mittwoch mit dem Großen Österreichischen Staatspreis 2026 ausgezeichnet. Er ist mit 30.000 Euro dotiert und damit die höchste künstlerische Auszeichnung der Republik. Für Kulturminister Andreas Babler (SPÖ), der die Urkunde überreichen wird, zählt Setz “zu den bedeutendsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur”. Literaturkritiker Sebastian Fasthuber wird die Laudatio halten.
Zu den offiziellen Begründungen seiner Auszeichnung lässt Setz in einem aktuellen Interview mit der “Kleinen Zeitung” etwas Distanz erkennen. Laut dem Kunstsenat, der den Preisträger vorschlägt, erweitert er seit eineinhalb Jahrzehnten “als Dichter der literarischen Avantgarde wie kaum ein anderer den deutschen Sprachraum”. Für Avantgarde sei er “doch etwas zu angepasst”, lässt Setz wissen. “Sein Werk ist durchzogen von einer tiefen Empathie für das Andere, deren Wahrnehmung sich nicht mit dem vermeintlich Normalen deckt”, befand Babler und würdigte das Abgründige seiner Poesie. “Die Labels ‘Abgrund’ und ‘Empathie’ sind sicher nicht falsch, allerdings bin ich kein besonders strahlendes Beispiel für diese Kombination”, kommentierte der Autor.
Gedanken “Über die Zukunft des Schreibens”
Wer seine jüngsten Bücher kennt, muss dieser demonstrativen Bescheidenheit freilich widersprechen. Im Erzählband “Mein Leben als Noiseband”, aus dem er am 29. Oktober im Literaturhaus Graz und am 2. November im Literaturhaus Salzburg liest, verwendet Setz Sprache als Hebel an den Bruchlinien unseres Lebens, wo sie den Spalt zwischen der Oberfläche und dem Darunterliegenden so erweitert, dass er in ihn hineinleuchten kann. Nie ist vorauszusehen, was dabei zum Vorschein kommt. In einem neuen Gesprächsbuch macht er sich viele Gedanken “Über die Zukunft des Schreibens” im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, und am 24. November erscheint unter dem Titel “Die Fortführung der Poesie mit anderen Mitteln” eine Sammlung von publizierten und noch unveröffentlichten Essays. Dichtung als Reflexion auf der Höhe der Zeit also.
Clemens J. Setz wurde am 15. November 1982 in Graz geboren. Er studierte zunächst Mathematik und Germanistik auf Lehramt, brach das Studium aber später zugunsten seiner literarischen Karriere ab. Sein erster Roman “Söhne und Planeten” erschien 2007 im Residenz Verlag, 2008 erhielt er im Rahmen des Bachmann-Preises den Ernst-Willner-Preis. Für den 2009 erschienenen Roman “Die Frequenzen” bekam er im Jahr darauf den Bremer Literaturpreis.
Preisgelder als Lebensunterhalt
Mit “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes” wechselte Setz 2011 zum Suhrkamp Verlag und erhielt für den Roman den Hauptpreis der Leipziger Buchmesse, später den Kleist-Preis. Es folgten gefeierte Romane wie “Indigo” (2012), “Die Stunde zwischen Frau und Gitarre” (2015) oder “Bot: Gespräche ohne Autor” (2018). 2021 wurde ihm der Georg-Büchner-Preis zugesprochen. Für seinen Roman “Monde vor der Landung” erhielt er 2023 den Österreichischen Buchpreis. “Preise waren lange die Art, wie ich mein Leben finanziert habe”, bekannte er in der “Kleinen Zeitung”.
Der Große Österreichische Staatspreis wird jährlich in Rotation auf den Gebieten Architektur, Musik, Bildende Kunst oder Literatur vergeben. Setz wird neben seiner Auszeichnung auch in den Kunstsenat aufgenommen. Das Gremium setzt sich aus bis zu 21 Trägerinnen und Trägern des Großen Österreichischen Staatspreises zusammen, die diese Tätigkeit ehrenamtlich und auf Lebenszeit ausüben.
(S E R V I C E – Clemens J. Setz: “Mein Leben als Noiseband”, Suhrkamp Verlag, 384 Seiten, 26,80 Euro, ISBN: 978-3-518-43311-9; Clemens J. Setz: “Die Zukunft des Schreibens”, edition a, 128 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-99001-973-3)