“Theater im Alsergrund” wird zum “Löblich”: Start am 11.9.

26.08.2026 • 06:00 Uhr
"Theater im Alsergrund" wird zum "Löblich": Start am 11.9.

Mit einem Korkenknall verabschiedete sich das “Theater im Alsergrund” zu Silvester 2025. Nach 30 Jahren Kabarettnachwuchsförderung fiel der Vorhang ein letztes Mal. Das Licht ist aber nie ganz ausgegangen. Seit Februar im Softmodus geöffnet, soll das Haus als “Löblich Theater am Alsergrund” wieder in vollem Glanz erscheinen. Am 11. September lädt man zur “Eröffnungssause”. Danach stehen Kabarett, Comedy, Impro-Theater, Musik, Literatur und “Extravaganza” auf dem Spielplan.

Zwischen 1993 und 1995 in der Löblichgasse in einem umgebauten Kohlenkeller etabliert, galt das Theater im Alsergrund von Anfang an der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler. Geführt wurde es bis 2010 von Gründer Andreas Hutter, später vom Kabarettduo Buchgraber & Brandl und schließlich von Michael und Cornelia Auernigg. Jetzt heißt es Manege frei für Christina Berzaczy und Martin Moped (bürgerlich: Martin Strecha-Derkics). Nach der Schließung wurden in der Wiener Kabarettszene zahlreiche Rufe laut, das Haus als Spielstätte zu erhalten. Moped hatte den Ruf gehört, sich aber nicht getraut, ihm alleine zu folgen. In der Szene wurde man aktiv: Ein Telefonat, ein Treffen, und die Sache war mit “Chrissi” ausgemacht. “Wir wurden verkuppelt”, erklärt sie augenzwinkernd.

Kabarett und Kleinkunst im Keller

Petrolblau und Orange passen gut zusammen. Schon wieder ein Punkt, in dem sich Berzaczy und Moped einig sind. “Es ist fast schon erstaunlich, wie oft das der Fall ist”, beschreibt Moped beim APA-Baustellenbesuch die Zusammenarbeit mit seiner Geschäftspartnerin schmunzelnd. Die Farben machen sich im Löblich-Logo auf der Broschüre jedenfalls gut. Der Prozess der Wiedereröffnung hat mit der Frage “Was wollen wir neu machen?” begonnen. Da gibt es zwei Ebenen: die bauliche und die inhaltliche. Das Theater habe an sich schon viel Großartiges zu bieten, das weiterverwendet werden könne. Das Fundament, nämlich die Bühne, bleibt schon mal erhalten. Neu sind die Fenster, die den Kellerraum vom Gehsteig aus mit Licht fluten. Dadurch wird der Raum auch tagsüber nutzbar. Im Vorbeigehen wird man ganz ungezwungen ein paar Eindrücke vom Treiben da unten erhaschen und das Interesse neuer Gäste wecken können.

Inhaltlich soll der Kern, die Kabarettnachwuchsförderung, beibehalten werden. “Das ist eine zentrale Kulturform Wiens, die die Stadt seit langem beeinflusst”, unterstreicht Moped die Entscheidung. Neu ist die Aufmerksamkeit für die Kleinkunst. Besonders Christina Berzaczy ist es als Impro-Künstlerin und Obfrau ein Anliegen, dem Verein “Vienna Improv” ein Haus zu geben. “Das Publikum soll nicht nur passiv sein”, fügt sie hinzu. Ein hybrides Programm, das aber keinesfalls als “beliebiges Allerlei” verstanden werden soll, mahnt Moped: “Es wird geschärfte Inhalte aus vielen Sparten geben.”

Ein Gewächshaus für Positives

“Kunst und Kultur sind wahnsinnig wichtig”, beteuert Berzaczy die Bedeutung von Unterhaltung und Kabarett in Krisenzeiten. Allen voran die Leistbarkeit von Kulturvorstellungen ist dabei eine wichtige Thematik. “Wir wollen einen leistbaren Raum für Menschen schaffen, die es sich vielleicht nicht leisten können, in die Staatsoper zu gehen.” – “Leistbar, aber nicht billig”, ergänzt Moped. Das Löblich soll nach außen offen sein, ohne künstlerische Qualität zu opfern. “Wir wollen ein Gewächshaus für Positives sein.” Die finanzielle Unterstützung von der MA 7 und dem Bezirk Alsergrund schätzt die neue Theaterführung hoch. “Es ist gar nicht selbstverständlich, dass man in Zeiten wie diesen fürs Theater, vor allem fürs Kabarett, Förderungen bekommt”, meint Christina Berzaczy. Unterstützung kommt aber nicht nur in Form von Geld. Das Duo wird nicht müde, die unglaubliche Hilfsbereitschaft aus Freundes- und Arbeitskreisen zu betonen.

Die eigene Bühnenerfahrung bietet jede Menge Vorteile. Als Theatermacherin ist Berzaczy in vielen künstlerischen Szenen tätig. Martin Moped ist nicht nur als Teil des Duos Gebrüder Moped mit Satire und Kabarett vertraut. Das ergibt viele Kontakte, aber auch die Möglichkeit, im Notfall schnell selbst vor die Scheinwerfer treten zu können, falls es mal nicht wie geplant läuft. Ein Plus für ihre Künstlerinnen und Künstler sehen die zwei auch in ihrem Anspruch, gute Gastgebende sein zu wollen. Dazu gehört ein anständiger Backstagebereich, dessen Gestaltung und Ausstattung Berzaczy ein besonderes Anliegen ist. Das Löblich soll ein “Safe-Space-Theater” werden. Unisex-Toiletten und provisorisch gegenderte Beschilderungen sind ein erster Schritt dorthin.

Vier-Uhr-Tee, Kinderprogramm und ein Proberaum für alle

Was das Publikum angeht, besteht die Hoffnung darin, alle Altersgruppen anzulocken. Um die Weihnachts- und Osterzeit wird der Versuch, ein Kinderprogramm zu implementieren, gestartet. Man habe unterschiedliche Acts geplant und schaue, was funktioniert. Hinter dem “Vier-Uhr-Tee” steckt die Idee, einzelne Theaterbesuche ins Vorabendprogramm zu verschieben. Im Hinterkopf haben die zwei dabei vor allem Familien, die ihre Kinder so vor Schlafenszeit noch mitnehmen könnten, oder Arbeitende, die an ihren wenigen freien Tagen nicht zwischen Kultur oder Entspannung entscheiden sollen. Neben dem maximal 80 Plätze bietenden Zuschauerraum, der Lounge, dem Backstagebereich und der Bar – natürlich in petrolblau und orange gehalten – verfügt das Löblich zusätzlich über einen Proberaum, der auch günstig vermietet werden soll. Der dazugehörige Tanzboden liegt momentan noch in einer Kiste verpackt vor der Bühne.

Noch haben die Bauarbeiten das Löblich fest im Griff. Derzeit beherrschen noch Maler und Handwerker die Szene. Spätestens ab 11. September soll sich das ändern. Das Bühnenklavier steht jedenfalls schon bereit. Und seit Montag ist auch der neue Bühnenvorhang montiert.

(Von Caterina Schiliro/APA)

(S E R V I C E – )