Viele Tote bei russischem Luftangriff an Putins Geburtstag

07.10.2026 • 18:07 Uhr

Bei einem der schwersten russischen Raketen- und Drohnenangriffe sind in der Ukraine am Mittwoch mehr als 24 Menschen getötet worden. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj feuerte Russland insgesamt 70 Raketen, darunter viele ballistische Flugkörper, sowie zahlreiche Drohnen ab. Ein Hauptziel sei die ukrainische Energieinfrastruktur gewesen. Selenskyj nannte den Angriff ein “Geburtstagsgeschenk für Putin”. Kremlchef Wladimir Putin wurde am Mittwoch 74 Jahre alt.

“Dies war einer der abscheulichsten Angriffe”, erklärte Selenskyj über den Kurznachrichtendienst Telegram. “Die Russen wollten schmerzhaft und demonstrativ zuschlagen.” Putins Geburtstag fällt zusammen mit dem 20. Todestag der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja, die 2006 in Moskau ermordet wurde.

Wegen der Schäden leitete das Energieministerium in fünf Regionen Notabschaltungen des Stromnetzes ein. Besonders schwer getroffen wurde die nördliche Stadt Pryluky. Dort schlug eine russische Rakete in ein fünfstöckiges Wohngebäude ein. Mindestens 18 Menschen, darunter vier Kinder, kamen dabei ums Leben, wie der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Tschaus, mitteilte. Rund 55 Menschen wurden verletzt. Unter den Trümmern des Hauses würden noch Verschüttete vermutet.

Sechs weitere Todesopfer waren Selenskyj zufolge in Kiew, Oleksandrija und Krementschuk zu beklagen. Aus Krementschuk wurden 34 Verletzte nach einem russischen Drohnenangriff gemeldet. In der zentralen Oblast Kirowohrad starben zwei Menschen bei einem Angriff auf einen nicht näher beschriebenen Betrieb, wie die Behörden mitteilten. Drei Menschen seien dabei verletzt worden. Zudem wurden Industrieanlagen in Dnipro und die Verkehrsinfrastruktur in Saporischschja beschädigt.

Viele Explosionen in Kiew

In den frühen Morgenstunden waren in Kiew viele Explosionen zu hören, wie das Portal “Kyiv Independent” berichtete. “Die Raketen schlagen eine nach der anderen ein. Soweit ich zählen kann, sind es mindestens zehn bis zwölf Explosionen. In der Innenstadt ist es ziemlich laut”, sagte ein Reporter. Viele Einwohner Kiews suchten in den tief gelegenen U-Bahn-Stationen der Hauptstadt Schutz.

Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete morgens von mindestens zwei Toten. Sie seien in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden worden. Zwei weitere Menschen seien dort lebend geborgen worden. Im Stadtbezirk Obolon seien Gebäude getroffen worden, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podil seien Lagerhallen getroffen wurden. Solche Angaben werden bewusst vage gehalten.

Ukraine: Abfangquote steigt

Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, sie habe gut 80 Prozent der 46 von Russland eingesetzten düsengetriebenen Drohnen abgefangen. Dies stellt eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den vergangenen Wochen dar, in denen die Abfangquote im Schnitt bei 50 bis 60 Prozent lag. Russland setzt seit dem Sommer verstärkt diese schnellen Drohnen ein, um die ukrainische Luftabwehr zu überwinden. Selenskyj betonte, dass ballistische Raketen weiterhin die größte Bedrohung darstellten. Er dringe täglich auf die Bereitstellung weiterer Patriot-Luftabwehrsysteme, um das Leben der Menschen zu schützen.

Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem “massiven Schlag” mit Präzisionswaffen gegen Rüstungsbetriebe. Ziel seien unter anderem Standorte des Rüstungsunternehmens Fire Point gewesen, das Marschflugkörper und Drohnen herstellt. Selenskyj erklärte wiederum, ukrainische Truppen hätten in den vergangenen 24 Stunden vier Ziele in Russland angegriffen. Dazu gehörten zwei Anlagen der Ölindustrie sowie ein Truppenübungsplatz in den Regionen Perm, Samara und Astrachan. Er veröffentlichte auf X ein Video eines Öltankers auf dem Schwarzen Meer vor Sotschi, der am Vortag in Brand geraten worden war. Selenskyj hatte angekündigt, die Ukraine werde als Reaktion auf die Angriffe auf ihre zivile Infrastruktur russische Energieanlagen ins Visier nehmen.