Trinkwasserversorgung erste Priorität bei Knappheit

Die österreichische Bevölkerung erwartet Vorrang für die Trinkwasserversorgung im Falle einer Wasserknappheit. Das geht aus einer am Mittwoch vorgestellten repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketmind im Auftrag der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) mit 1.000 Befragten hervor. Die Wasserversorgung ist für 78 Prozent der Befragten die oberste Priorität, klar vor der Landwirtschaft (15 Prozent) und der Industrie (sechs Prozent).
Laut Verena Priemer von Marketmind rechnet die Bevölkerung langfristig mit einer Verschlechterung bei der Verfügbarkeit von Trinkwasser. Gleichzeitig gehen 77 Prozent der Befragten davon aus, dass der Wasserverbrauch in den nächsten zehn Jahren steigen wird. Die Österreicherinnen und Österreicher erwarten laut Priemer rasche Umsetzung von Maßnahmen zum Wassermanagement. Demnach sprechen sich 84 Prozent der Befragten für eine verpflichtende Installation von Grundwasserzählern bei den Entnahmestellen aus, um den Verbrauch genauer zu ermitteln.
ÖVGW-Vizepräsident Nikolaus Sauer sieht sich durch die Ergebnisse der Studie bestärkt und besteht auf die rasche Umsetzung des im Regierungsprogramm angekündigten Wasserentnahmeregisters. Man könne sich “keine großzügigen Übergangsfristen”, wie sie laut Sauer im Entwurf von Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) zu finden sind, leisten. “Wir sind schon zu lange im Blindflug. Auch für großzügige Ausnahmen ist kein Platz. Jede Entnahme muss über Wasserzähler dokumentiert und nachweisbar kontrolliert werden”, so Sauer.
SPÖ-Herr: “Das muss gesetzlich eindeutig geregelt sein”
Auch das Wasserrechtsgesetz sei laut ÖVGW nicht mehr zeitgemäß. Das aktuelle Gesetz sehe keine Priorisierung der Trinkwasserversorgung im Knappheitsfall vor. Es brauche eine rechtliche Absicherung zur Vorrangstellung des Trinkwassers vor anderen Wassernutzungen, so Sauer. Darüber hinaus fordert die ÖVGW eine Erhöhung der Finanzierung der Trinkwasserversorgung auf 150 Millionen Euro im Jahr sowie zusätzliche Bundesmittel zur Klimawandelanpassung.
In einer Aussendung stellte sich SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr hinter die Forderungen der ÖVGW: “Wenn Wasser knapp wird, muss Trinkwasser Vorrang haben. Das muss gesetzlich eindeutig geregelt sein und darf nicht von Einzelinteressen abhängen.” Darüber hinaus pocht Herr auf die rasche Umsetzung des Wasserentnahmeregisters, damit transparent wird, wo und wie viel Wasser von großen Verbrauchern entnommen wird: “Für einen Haushalt ist ein Wasserzähler völlig normal. Das sollte es auch für große Verbraucher wie Unternehmen sein.”