Lebenserhaltende Versorgung nach gescheiterter Hinrichtung

01.10.2026 • 22:12 Uhr

Nach einer gescheiterten Hinrichtung im US-Staat Tennessee erhält die zum Tode verurteilte Christa Pike am Donnerstag in einem Krankenhaus in Nashville lebenserhaltende medizinische Versorgung. Ihren Anwälten zufolge überlebte die 50-Jährige am Mittwochabend zwei Versuche, sie mit der Giftspritze hinzurichten. “Christa ist im Moment am Leben”, sagte einer ihrer Anwälte, Randall Spivey, am Donnerstag. Man habe jedoch keine Einschätzung zu ihrer Prognose.

Der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte alle für dieses Jahr geplanten Hinrichtungen aus und ordnete eine unabhängige Untersuchung an. “Niemand wollte, dass das passiert, was letzte Nacht passiert ist”, sagte der Republikaner. “Es ist eine Tragödie und es beunruhigt mich zutiefst, dass das in diesem Staat passiert ist. Die Menschen haben etwas Besseres verdient, und wir werden dafür sorgen, dass das geschieht.”

Es war der erste Versuch des US-Staates seit 200 Jahren, ein Todesurteil an einer Frau zu vollstrecken. Die Frau war vor über 30 Jahren als 18-Jährige wegen des Mordes an einer Mitschülerin verurteilt worden. Erst im Mai musste in Tennessee die Hinrichtung eines Mannes abgebrochen werden, weil keine geeignete Vene für die Giftspritze gefunden werden konnte.

Frau erhielt zwei Spritzen mit Pentobarbital

Journalisten, die den Hinrichtungsversuch miterlebten, berichteten, dass die Frau laut geatmet, gekeucht und geschnarcht habe. Den Anwälten zufolge wurden ihr zwei Spritzen mit dem Barbiturat Pentobarbital verabreicht, was ihr laut einem Gerichtsantrag “unnötige Qualen” bereitete, sie aber nicht tötete. Tennessee hatte 2024 auf ein Protokoll mit nur diesem Medikament umgestellt.

Die Gefängnisbehörde teilte mit, die Hinrichtung sei abgebrochen und Pike in einem Krankenwagen abtransportiert worden. Eine Sprecherin der Behörde lehnte es am Donnerstag jedoch ab, Fragen zu Pikes Zustand zu beantworten.

Nur wenige Stunden zuvor hatte der Oberste Gerichtshof einen in letzter Minute erlassenen Aufschub der Hinrichtung durch eine untergeordnete Instanz aufgehoben. Gouverneur Lee hatte ein Gnadengesuch der Frau am Montag abgelehnt. Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, bezeichnete das “verlängerte physische und mentale Leid” als “abscheulich und grausam” und forderte die USA auf, dem Beispiel der meisten Länder zu folgen und die Todesstrafe abzuschaffen.

Anwälte verweisen auf Kindheitstrauma

Die Frau war im Jänner 1995 im Alter von 18 Jahren an der Ermordung einer 19-jährigen Mitschülerin in Knoxville beteiligt. Zusammen mit ihrem damaligen 17-jährigen Freund und einer dritten Person lockte sie das Opfer den Ermittlungen zufolge in ein Waldgebiet, wo es gefoltert und getötet wurde. Die Frau gestand die Tat und wurde 1996 zum Tode verurteilt. Ihr Freund erhielt eine lebenslange Haftstrafe.

Die Grausamkeit der Tat, bei der die Täter dem Opfer unter anderem ein Pentagramm in die Brust ritzten, erregte damals großes Aufsehen. Anwälte und Menschenrechtler hatten die geplante Hinrichtung scharf kritisiert und auf die schwere Kindheit der Verurteilten, sexuellen Missbrauch und psychische Erkrankungen verwiesen.

Auch in einem Gnadengesuch zur Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange Freiheitsstrafe hatten die Anwälte auf schwere Kindheitstraumata sowie mutmaßlichen Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft hingewiesen, was die Impulskontrolle der Frau beeinträchtigt habe. Sie wurde laut der Strafvollzugsbehörde außerdem 2001 nach einem Angriff auf eine Mitinsassin wegen versuchten Mordes verurteilt.

Hinrichtungen von Frauen sind in den USA äußerst selten. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 wurden landesweit 1.683 Menschen hingerichtet, darunter 18 Frauen.