Verkehrsbranche sieht Zukunft düster
Die heimische Verkehrsbranche schätzt ihre Lage derzeit düster ein. “Alle Indikatoren sind negativ, massiv negativ”, sagte der zuständige Bundesspartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Alexander Klacska, am Montag mit Blick auf Nachfrage, Geschäftslage, Auftragsbestand und Preiserwartungen. “Der lange Schatten des Iran-Krieges hat auch auf die Verkehrsbranche ihren Niederschlag gefunden – die Nachfrage ist zu gering.”
Die Einschätzung der Betriebe ist laut Konjunkturtest für das zweite Quartal 2026 sowohl für die vergangenen drei Monate als auch für die kommenden sechs Monate negativ. “Tief ins Minus gerutscht ist die Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten”, betonte Klacska in einer Pressekonferenz. Zu Jahresbeginn sei die Branche, die etwa 40.000 Betriebe mit rund 220.000 Beschäftigten umfasst, hier noch positiv gestimmt gewesen.
Mangel an Nachfrage und Arbeitskräften
Als stärkste Einschränkung der Geschäftstätigkeit nannten in einer Umfrage unter 173 heimischen Unternehmen 30 Prozent die unzureichende Nachfrage. Am zweithäufigsten wurden Arbeitskräftemangel und sonstige Gründe genannt.
“Bei der Beschäftigung sehen wir einen deutlichen Knick nach unten in den letzten drei Monaten”, berichtete der Branchenvertreter. Das wirklich Besorgniserregende sei, dass auch die offenen Stellen nach oben gingen. Es sei ein Problem, am Arbeitsmarkt Arbeitnehmer zu finden. “Wir reiten auf eine Pensionierungswelle zu, die immer größer wird.”
Schlecht sieht es den Angaben zufolge auch betreffend Auftragsbestand aus. “Nur mehr zwei Drittel der Unternehmen geben an, ausreichend Bestand in den Büchern zu haben, das heißt ein Drittel kämpft massiv”, erklärte der WKÖ-Branchenobmann. Aus den Nachbarländern komme starker Wettbewerbsdruck.
“Energiepreisschock” als Preistreiber
Die Erwartungen an die Preisgestaltung seien “getrieben durch die Energiepreise” und zeige “ganz deutlich den Energiepreisschock”. Die Transportpreise liegen den Angaben zufolge “deutlich über den Vorjahreswerten”. Der Appell des Branchensprechers an die Politik: “Man muss sehr darauf achten, dass wir in Österreich nicht weiter in diese Lohn-Preis-Kosten-Spirale hineinkommen und noch weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.”
Der RWI/ISL Containerumschlag-Index, der den globalen Containerumschlag abbildet, habe im April einen weiteren Rückgang gezeigt. Die im Zuge des Iran-Krieges gesperrte Straße von Hormuz, einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten, verschärft laut Wirtschaftskammer die Belastungen für den Welthandel. Die Lieferketten gerieten immer stärker unter Druck – die Transportkosten gingen in die Höhe und wichtige Hafenregionen büßten deutlich an Dynamik ein.
Auch beim Nordrange-Index, der den Containerumschlag in den europäischen Nordseehäfen Le Havre, Zeebrugge, Antwerpen, Rotterdam, Bremen/Bremerhaven und Hamburg abbildet und damit Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung im nördlichen Euroraum und in Deutschland gibt, zeige Belastungen durch den Iran-Krieg. Doch die gebremste Entwicklung reicht weiter zurück: “Der Warenaustausch zwischen Europa und dem Rest der Welt leidet unter den geopolitischen Entwicklungen seit 2020”, so Klacska.
Transportpreise deutlich höher
Einer Timocom-Umfrage unter 270 Fachleuten aus Speditionen, Transportunternehmen sowie Produktion und Handel zufolge leidet die Branche unter knappem Laderaum, fehlenden Lkw-Verfügbarkeiten, Fahrermangel sowie steigenden Kosten für Diesel, Maut und Betrieb. Die Transportpreise seien gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen.
Die Lkw-Fahrleistung auf Autobahnen und Schnellstraßen habe sich in der mehrjährigen Betrachtung bis Mitte 2025 rückläufig entwickelt – seit Juli 2025 habe sie geringfügig zugenommen, berichtete die neue Geschäftsführerin der WKÖ-Bundessparte Transport und Verkehr, Barbara Adametz-Schneller.
Bahn und Schifffahrt im Hintertreffen
Auf der Schiene seien 2025 mit 96,2 Millionen Tonnen um 1,8 Prozent mehr Güter befördert worden als 2024, verwies die Kammer auf Zahlen der Statistik Austria. “Da ist weiterhin ein leichter Aufwärtstrend seit 2023 zu bemerken, wir sind aber noch immer nicht auf dem Aufkommen von 2021 und 2022”, relativierte die Branchenvertreterin. “Wir in Österreich brauchen ein klares ‘Commitment’ zu Güterverkehr auf der Schiene”, ergänzte Klacska. “Über die vergangenen Jahre sind die Bedingungen auf der Schiene schlechter geworden – die Infrastruktur ist der limitierende Faktor.” Es solle nicht nur der Personenverkehr ausgebaut werden.
Auf der Donau wurden im abgelaufenen Jahr Güter im Volumen von 5,8 Millionen Tonnen befördert und damit um 11,6 Prozent weniger als 2024 und so wenig wie noch nie. “Da sieht es nicht rosig aus”, so Adametz-Schneller. Der Einbruch sei vor allem auf weniger grenzüberschreitenden Empfang und Transitverkehr zurückzuführen. Das Volumen gehöre zuerst einmal stabilisiert und dann ausgebaut, um dorthin zurückzukommen, wo es schon einmal war, forderte Klacska. “Da muss man in die Gänge kommen – Investitionen in die Donau sind die billigsten Investitionen.”
Positiv sei das Jahr 2025 für den Flughafen Wien gewesen – mit 2,6 Prozent mehr Passagieren als im Jahr davor. Heuer sind es anders aus – die Zahl der Fluggäste ging zwischen Jänner und Mai um 2,5 Prozent zurück. “Seit April verzeichnet der Flughafen deutliche Rückgänge”, sagte Adametz-Schneller. Dazu beigetragen hätten “die Reduktion des Low-Cost-Carrier- Angebots und natürlich der Iran-Krieg”. Im abgelaufenen Jahr legte auch das Frachtvolumen noch um 5,3 Prozent auf 313.763 Tonnen zu, heuer gibt es bis Mai ein leichtes Minus von 0,8 Prozent.
Hohe Flugabgabe und zu rascher Erneuerbaren-Ausbau
“Der Flughafen Wien ist für den Standort Wien wichtig”, betonte Klacska und forderte im Namen der Branche eine Abschaffung der Flugabgabe – oder zumindest eine substanzielle Senkung von 12 auf 8 Euro pro Passagier. “Die Paketabgabe ist genauso sinnlos wie die Flugabgabe”, meinte er. Im aktuellen Doppelbudget der Regierung sind 60 Mio. Euro für die Luftfahrtbranche vorgesehen, also 30 Mio. Euro pro Jahr. Die Flugabgabe habe dem Finanzminister 2025 etwa 170 Mio. Euro eingebracht, sagte Adametz-Schneller zur APA.
Ein Dorn im Auge sind der Branchenvertretung auch die gegenüber der EU ehrgeizigeren Ziele der Regierung hinsichtlich des Ausbaus erneuerbarer Energie. “Der Entwurf, der vorliegt, ist kein ‘Gold-Plating’ (das Übererfüllen von EU-Anforderungen in nationalen Gesetzen, Anm.) mehr, das ist schon ‘Platin-mit-Diamant-Plating'”, monierte Klacska. Wenn das umgesetzt werde, würden die Auswirkungen auf die Energiepreise des Iran-Krieges “um ein Vielfaches übertroffen”. “Künstlich hochgetriebene” Energiepreise seien abzulehnen. Österreich überschieße die EU-Ziele betreffend CO2-Reduktion für den Verkehrssektor bei weitem. “Es fokussiert sich alles auf das Thema elektrisch”, kritisierte der Branchensprecher.