Weitere Ermittlungen nach Mord an Erntehelfern in Süditalien

04.06.2026 • 10:50 Uhr

Nach dem Tod von vier landwirtschaftlichen Arbeitern, die in einem Kleinbus an einer Tankstelle in der Provinz Cosenza in der süditalienischen Region Kalabrien am Montag bei lebendigem Leib verbrannten, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Untersucht werden Verbindungen zwischen Gruppen von Pakistanern, die ihre Landsleute auf den süditalienischen Feldern ausbeuten.

Zwei Männer pakistanischer Herkunft wurden wegen des Mordes an den vier ausländischen Feldarbeitern festgenommen. Die Tat ereignete sich laut Ermittlern an einer Tankstelle in der Ortschaft Amendolara. Die Opfer sollen in dem Fahrzeug eingeschlossen worden sein, bevor es vorsätzlich in Brand gesetzt wurde. Videoaufnahmen und Spuren deuten darauf hin, dass die Personen versuchten, aus dem brennenden Wagen zu entkommen, jedoch an den verschlossenen Türen scheiterten. Eine Flucht soll zuvor gezielt verhindert worden sein.

Afghane unter Polizeischutz

Vier Menschen starben in den Flammen: ein 29-jähriger Pakistani sowie drei Afghanen im Alter von 19, 27 und 28 Jahren. Die Männer waren erst vor Kurzem in Italien eingetroffen und hatten, wie die beiden Festgenommenen, eine gültige Aufenthaltsgenehmigung in Italien. Die Opfer hatten zuvor in der Landwirtschaft gearbeitet, unter anderem bei der Ernte von Erdbeeren in der Gegend Metaponto, und waren nach Angaben der Ermittler auf dem Rückweg von der Arbeit. Ein fünfter Insasse, ein 35-jähriger Afghane, überlebte schwer verletzt. Er konnte sich aus dem brennenden Fahrzeug befreien und wurde anschließend unter Polizeischutz gestellt. Auch eine weitere Person aus dem Umfeld des Vorfalls wurde in die Schutzmaßnahmen aufgenommen.

Die Ermittler prüfen mögliche Hintergründe wie Lohnstreitigkeiten und Ausbeutung. Ein Zeuge berichtete von Konflikten um ausstehende Zahlungen und Drohungen im Vorfeld der Tat. Zudem wird untersucht, wem das Fahrzeug gehörte und ob weitere Beteiligte oder Auftraggeber existieren.

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni verurteilte die Tat als “Barbarei” und forderte vollständige Aufklärung. Auch die Polizei sprach von einer extrem brutalen Vorgehensweise. Die Identifizierung der Verdächtigen erfolgte nach Angaben der Polizei innerhalb weniger Stunden unter anderem durch Überwachungskameras und Zeugenaussagen. Beide Beschuldigten gelten als bisher unbescholten. Die Staatsanwaltschaft prüft weiterhin alle möglichen Motive und Verbindungen, darunter auch weitere Verstrickungen in kriminellen Netzwerken im Bereich der landwirtschaftlichen Ausbeutung.