Weltstrafgericht-Chefankläger Khan könnte entlassen werden

Die Vertragsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofes entscheiden am Freitag in New York über die Entlassung von Chefankläger Karim Khan, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden. Der britische Jurist weist alle Vorwürfe entschieden zurück. Die seit zwei Jahren schwelende Affäre belastet das Gericht mit Sitz in Den Haag schwer, das unter großem politischen Druck vor allem der USA steht.
Khan war im Juni wegen des Verdachts der Übergriffe gegen eine Mitarbeiterin suspendiert worden. In einem Interview mit CNN hatte die Frau zuletzt die Anschuldigungen wiederholt. Khan war seit 2021 Chefankläger und hatte unter anderem einen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wegen mutmaßlicher Verbrechen im Gaza-Krieg beantragt.
Verteidiger: “Kein Fehlverhalten”
Zunächst hatte eine Kommission der UNO die Vorwürfe untersucht und sie nach Medienberichten bestätigt. Doch Richter des Gerichtshofes stellten nach Darstellung von Khans Verteidiger fest, dass “kein Fehlverhalten oder eine Pflichtverletzung” nachgewiesen worden sei. In einer Sondersitzung in New York müssen nun die Delegierten der 125 Vertragsstaaten entscheiden, ob Khan entlassen wird. Die Sitzung ist nicht öffentlich.
Vor dem Hintergrund dieser Affäre hatte die US-Regierung kürzlich ihre Attacken gegen das Gericht noch verstärkt. Die USA verhängten bereits Sanktionen gegen Richter und Mitarbeiter. Die USA und Israel gehören dem Gericht nicht an.