Wohnungsbau 2025 erneut eingebrochen

06.11.2026 • 15:28 Uhr

Der Wohnungsbau in Österreich hat 2025 einen Tiefststand erreicht, wie die Statistik Austria am Freitag anhand vorläufiger Daten bekanntgab. Demnach brach die Zahl der Fertigstellungen gegenüber dem Jahr davor um 12,3 Prozent auf bundesweit 48.597 Wohnungen ein. 34.217 Wohnungen davon wurden den Angaben zufolge in neuen Gebäuden errichtet – ein Minus von 20 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Weitere 14.380 Wohnungen seien im Zuge von An-, Auf- und Umbautätigkeiten entstanden.

“Im Jahr 2025 war der Wohnungsbau in Österreich zum zweiten Mal in Folge stark rückläufig – insbesondere die Fertigstellungen im Neubau sind erneut um ein Fünftel zurückgegangen und lagen mit 34.217 neuen Wohnungen 2025 auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2011”, berichtete Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk.

Die Fertigstellungen folgten damit zeitversetzt dem Trend bei den Baubewilligungen. “Hier sehen wir seit 2021 Rückgänge im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr, weshalb wir auch in den kommenden Jahren mit sinkenden Zahlen bei den Fertigstellungen rechnen müssen”, erklärte Lenk.

Tiefststand bei Neubauwohnungen

Der Rückgang der Fertigstellungen ist laut Statistik Austria vor allem auf das Minus bei den baufertiggestellten Wohnungen in neuen Gebäuden zurückzuführen. Mit den 34.217 fertiggestellten Wohnungen sei der bisherige Tiefstand von 36.578 Wohnungen in neuen Gebäuden aus dem Jahr 2011 um weitere 2.361 Wohnungen unterschritten worden.

Nach Bundesländern betrachtet gab es die meisten Fertigstellungen – inklusive An-, Auf- und Umbautätigkeiten in bestehenden Gebäuden – in Wien (11.081 Wohnungen). Nahezu jede vierte neu fertiggestellte Wohnung Österreichs entfiel auf die Bundeshauptstadt. Dahinter rangierten Oberösterreich mit 9.102 Wohnungen und Niederösterreich mit 7.753 Wohnungen. Mehr als die Hälfte aller Wohnungen wurden in diesen drei Bundesländern geschaffen.

Das Schlusslicht bildeten 2025 das Burgenland mit 1.971 Baufertigstellungen sowie Kärnten mit 2.458 Wohnungen.

Kaum Kleinwohnungen

Die im Jahr 2025 fertiggestellten Wohnungen verfügten im bundesweiten Schnitt über 5,2 Wohnräume je Wohnung. Dabei wiesen 44,1 Prozent der Wohnungen drei bis fünf Wohnräume auf, weitere 32,6 Prozent sechs oder mehr Wohnräume. Wohnungen mit nur einem Wohnraum machten nur 4 Prozent aller Fertigstellungen aus, Einheiten mit zwei Wohnräumen 19,3 Prozent.

Die Statistik Austria definiert eine Wohnung als baulich abgeschlossene Nutzungseinheit zu Wohnzwecken mit eigenem Zugang und eigener Postanschrift und zählt dazu beispielsweise auch Einfamilienhäuser.

Viele Räume in NÖ, OÖ und dem Burgenland

Die höchsten durchschnittlichen Wohnraumzahlen wiesen Niederösterreich (mit 6,6 Wohnräumen je Wohnung), Oberösterreich (6,4) und das Burgenland (6,3) aus. Die geringste Größe hatten die in Wien fertiggestellten Wohnungen mit durchschnittlich drei Wohnräumen. Auch Vorarlberg (mit 4,4 Wohnräumen je Einheit) und Kärnten (mit 4,9) lagen unter dem österreichweiten Schnitt.

Die höchste Fertigstellungsrate entfiel im abgelaufenen Jahr mit 6,6 bzw. 6,5 Wohnungen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf Tirol und das Burgenland. Dahinter folgte Vorarlberg mit 6,1 Wohnungen. Am niedrigsten war die Rate in der Steiermark und in Kärnten mit jeweils 4,3 Wohnungen. Auch Niederösterreich lag den Statistikern zufolge mit 4,5 Einheiten unter dem österreichweiten Schnitt von 5,3 Wohnungen pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Kontinuierlich sinkende Baubewilligungen seit 2021

Die Fertigstellungszahlen im Wohnbau folgten weiterhin mit zeitlicher Verzögerung dem Trend bei den Baubewilligungen, teilte die Statistik Austria am Freitag weiters mit. 2025 sank die Zahl der Bewilligungen im Vergleich zum Jahr davor um 7,1 Prozent.

Die Zahl der Baubewilligungen sei “seit 2021 gegenüber dem jeweiligen Vorjahr kontinuierlich zurückgegangen”. Deutliche Rückgänge seien insbesondere in den Jahren 2022 mit minus 17,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 2023 mit minus 30,4 Prozent verzeichnet worden. 2024 habe sich diese Entwicklung mit einem Rückgang von 8,4 Prozent zwar etwas abgeschwächt, das Niveau sei jedoch weiterhin unter jenem der Vorjahre geblieben.

Lage am Wohnungsmarkt verschärft sich

Der Rückgang bei Baubewilligungen verschärfe die Lage am Wohnungsmarkt, kritisierte der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Freitag in einer Aussendung. Diese Entwicklung sei “besonders besorgniserregend”. Denn damit sei auch in den kommenden Jahren mit niedrigen Fertigstellungszahlen zu rechnen, bemängelt Fachverbandsobmann Roman Oberndorfer.

“Die aktuellen Zahlen bestätigen unsere wiederholten Warnungen. Österreich baut zu wenig Wohnraum”, so der Branchensprecher. “Die Investitionen bleiben aus, während der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter zunimmt.” Ohne rasches Gegensteuern werde sich die Situation für Wohnungssuchende immer weiter verschärfen”, ist Oberndorfer überzeugt.

Der Branchensprecher der Immobilienwirtschaft forderte “endlich Rahmenbedingungen, die Investitionen in Neubau und Sanierung wieder ermöglichen”. Dazu zählten leichtere Finanzierungen für den gewerblichen Wohnbau, eine wirksame Sanierungsoffensive und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen.