WWF kämpft im Mittelmeer gegen Geisternetze

Verlorene oder absichtlich achtlos entsorgte Fischereiausrüstungen im Meer sind ein immer größeres Problem. Die Umweltschutzorganisation WWF weitet daher ihre Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus. Bei der Initiative konnten bisher bereits vier Tonnen alte Fischereiausrüstung geborgen werden, wie die Organisation am Montag mitteilte. Gefordert wird nun eine Ausweitung von Meeresschutzgebieten.
Das Mittelmeer ist stark von Verschmutzung durch Plastikmüll betroffen: Rund 500.000 Tonnen gelangen jährlich ins Meer, wie der WWF mitteilte. Besonders tückisch sind sogenannte Geisternetze. “Es gibt kaum einen Kilometer Küste im Mittelmeer, an dem wir keine Geisternetze finden. Sie treiben im Meer herum oder verhaken sich an Felsen und Riffen und fischen wahllos weiter. Schildkröten, Haie, Delfine und zahlreiche weitere Arten verenden darin qualvoll, daher ist es dringend nötig, sie restlos aus dem Meer zu bergen”, sagte WWF-Meeresexperte Axel Hein.
Geisternetze sind jedoch nicht nur für die Tierwelt ein Problem, sie können auch für die Menschen unangenehme Folgen haben. Mit der Zeit lösen sie sich auf und zersetzen sich zu Mikroplastik, das über die Nahrungskette wieder aufgenommen werden kann.
Forderung nach Verdreifachung von Schutzgebieten
Um diese Art der Verschmutzung nicht entstehen zu lassen und den Druck durch die intensive Fischerei auf die Meeresökosysteme zu verringern, fordert der WWF die Verdreifachung von Schutzgebieten im Mittelmeer. Derzeit stehen nur etwa zehn Prozent unter Schutz. Besonders die obere Adria solle als “Hotspot der Artenvielfalt” dringend besser geschützt werden. Die Region leidet zudem stark unter dem Tourismus und der Überfischung.
Um der Problematik entgegenzuwirken, hat WWF Österreich gemeinsam mit dem WWF Adria und Partnerorganisationen in Kroatien bereits vier Tonnen Geisternetze geborgen. Darunter befanden sich auch drei Tonnen besonders gefährliche Kiemennetze und eine Tonne Reusen, eine trichterförmige, stationäre Falle zum Fisch- und Meerestierfang. Eine neue Spezialausbildung für Taucherinnen und Taucher soll die Bergungskapazität nun zusätzlich erweitern. Dabei geht es um den Umgang mit Spezialausrüstung sowie Notfallszenarien in Tiefen von bis zu 40 Metern. Ziel der Umweltorganisation sei, bis zum Ende des Jahres noch zumindest acht Tonnen Geisternetze aus dem Meer zu entfernen.
Zusätzlich setzt der WWF auf präventive Angebote für lokale Fischer. “Wir ermöglichen es Fischerinnen und Fischern, ihre alten Netze gebührenfrei abzugeben, um zu verhindern, dass sie diese im Meer entsorgen. Zudem können sie uns melden, wenn sie ihre Netze unabsichtlich verlieren. Wir spüren sie dann wieder auf”, sagte Hein.
Österreicher essen etwa acht Kilogramm Fisch pro Jahr
Die Österreicherinnen und Österreicher essen durchschnittlich pro Jahr etwa acht Kilogramm Fisch. Rund 95 Prozent der Fische werden importiert. “Durch den Konsum von Fisch und Meeresfrüchten trägt Österreich trotz seiner Binnenlage erheblich zur Verschmutzung des Mittelmeers bei. Hinzu kommen zahlreiche Belastungen durch den Tourismus. Umso wichtiger ist es, gemeinsam Lösungen für den Schutz der Meere voranzutreiben”, sagte Hein.