Zehn Jahre Haft für alkoholisieren Wiener Posträuber

07.09.2026 • 11:57 Uhr
Zehn Jahre Haft für alkoholisieren Wiener Posträuber

Ein 60-Jähriger, der am 9. Juni 2026 mit 1,7 Promille Alkohol im Blut eine Postfiliale in Wien-Döbling überfallen und 2.800 Euro erbeutet hatte, ist am Montag am Landesgericht wegen schweren Raubes zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Weit war der Täter mit dem Plastiksackerl, in dem vorwiegend Münzen klimperten, nicht gekommen. Als er den Tatort verlassen wollte, sprang ihn ein Kunde von hinten an, rang ihn zu Boden und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei in Schach.

“Es war bescheuert”, sah der Angeklagte nun vor einem Schöffensenat ein. Der Plan, sich mit einem Raubüberfall aus seiner finanziellen Malaise zu befreien, sei “generell zum Scheitern verurteilt” gewesen: “Ich hab’ in der Früh schon eine Flasche Wodka getrunken g’habt. Beim Hinfahren bin ich mit dem Rad gestürzt. Ich bin da (in die Postfiliale, Anm.) waschlnass rein.”

“Hab’ nix mehr zu essen g’habt”

Der 60-Jährige – ein gelernter Koch – war nach eigener Aussage aufgrund von sieben Vorstrafen und nach zwei überstandenen Schlaganfällen am Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar: “Ich hab’ jede Woche minimum zehn Bewerbungen abg’schickt und nicht einmal eine Antwort kriegt.” Am Schluss sei seine Lage “ein Desaster” gewesen, verwies der Mann auf einen Schuldenstand von 80.000 Euro, den drohenden Verlust seiner Wohnung und den Umstand, “dass ich nix mehr zu essen g’habt hab’.”

Er hatte aber offenbar noch genug Geld, um sich eine täuschend echt aussehende Schreckschusspistole und eine Faschingsmaske zu kaufen. Damit marschierte er in die nächstgelegene Postfiliale (“Die vor meiner Haustüre”), zog die Waffe und bedrohte zwei Angestellte und mehrere Kunden, wobei er mehrfach repetierte. Eine Angestellte erstarrte wie zur Salzsäule und war aufgrund des Schreckens nicht mehr handlungsfähig, wie ein Video vom Überfall belegte, das im Rahmen der Verhandlung abgespielt wurde. Sie erlitt in weiterer Folge eine Panikattacke, die psychischen Folgen des Erlebten machen ihr bis heute zu schaffen.

Räuber ließ sich auch noch Tresor öffnen

Das Bildmaterial war durchaus verstörend. Minutenlang fuchtelte der Maskierte mit seiner Schusswaffe herum und zielte immer wieder auf die Post-Mitarbeiter, um seiner Forderung nach Barem Nachdruck zu verleihen. Da sich in den beiden Kassenladen fast nur Münzen befanden und er offenbar mehr an Beute erwartet hatte, ließ er sich auch noch einen Tresor öffnen, wurde aber neuerlich enttäuscht. Auch dort lagen nicht haufenweise die erhofften Banknotenbündel herum.

Die Staatsanwältin betonte, die Tat sei “akribisch geplant” gewesen. Das belegten handschriftliche Notizen, auf denen der 60-Jährige Punkt für Punkt den genauen Tatablauf skizziert hatte und die nach seiner Festnahme in seiner Wohnung sichergestellt wurden. Die Verteidigerin des 60-Jährigen bat abschließend das Gericht um Milde: “Er hat keinen Ausweg mehr gesehen. Er war von der ersten Sekunde an geständig.”

Bei einer Strafdrohung von fünf bis 15 Jahren hielt der Senat eine zehnjährige Freiheitsstrafe für tat- und schuldangemessen. Dagegen meldete der 60-Jährige Berufung gegen die Strafhöhe an. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.