Politik

Joe Biden, der ungeliebte Präsident

03.03.2024 • 19:14 Uhr
US-Präsident Joe Biden<span class="copyright">AP Photo/Andrew Harnik</span>
US-Präsident Joe BidenAP Photo/Andrew Harnik

Joe Bidens fortgeschrittenes Alter ist für viele US-Wähler ein Problem. Doch der bald 82-jährige Präsident packt auch bei zentralen Problemen nicht an.

„Amerika“, sagte Nikki Haley in der NBC-Sendung Meet The Press, „will weder Joe Biden noch Donald Trump.“ Es will zwar auch nicht Haley, aber die frühere Gouverneurin von South Carolina denkt langfristig. 2028 kann sie antreten, idealerweise, nachdem Trump gegen Biden verloren hat — unter dem Motto, „Ich habs euch ja gesagt.“

Bidens Alter, 82 wird er im November, wächst sich zum Problem aus. Laut einer Umfrage der New York Times glauben 47 Prozent der Amerikaner, der Amtsinhaber sei definitiv zu alt, um ein effektiver Präsident zu sein, weitere 26 Prozent stimmen dieser Aussage großteils zu. Trump hingegen wird von nur 21 Prozent der Wähler für auf alle Fälle zu alt gehalten, gefolgt von 21 Prozent, die der Aussage zumindest zuneigen.

Die Konsequenzen liegen dabei für viele Wähler auf der Hand. 45 Prozent der Demokraten denken, dass Biden nicht noch einmal antreten sollte. „Er ist inkompetent. Er kämpft sichtlich damit, seine Pflichten zu erfüllen. Er ist klar an einem Punkt, wo er zu alt ist für den Job“, zitiert die Times einen demokratischen Wähler. „Aber er ist trotzdem ein bisschen besser als Trump.“

Kein großer Vertrauensbeweis. Aber Bidens Problem ist nicht nur das Alter, sondern wie deutlich es bei seinen immer seltener werdenden Auftritte zu erkennen ist. Wenn der Präsident im Fernsehen erscheint, wirkt er tatterig, vergesslich oder hoffnungslos altmodisch. Trump ist nicht wesentlich jünger, aber sein Eindruck ist energetischer.

Auch die großen Streitpunkte packt Biden nicht an. Im Gaza-Krieg, der jeden Abend grausame Bilder auf die amerikanischen Bildschirme bringt, laviert er; er scheint beide Seiten bedienen zu wollen und lässt sich von Israels Premier Benjamin Netanyahu vorführen. Die Militärhilfe für die Ukraine bekommt er nur scheibchenweise durch den Kongress, und in der Vergangenheit häufig nur, weil er die Unterstützung namhafter Republikaner wie Mitch McConnell hat —seinerseits ebenfalls ein Gerontokrat.

Noch hilfloser wirkt er in der Flüchtlingskrise, die Millionen von Menschen in die Städte gebracht hat. Dass dies überhaupt sein Problem ist, scheint er erst vor ein paar Wochen erkannt zu haben. Auch Trump hat bislang eher Sprüche als Taten geboten — als er letztlich einen Medientermin vor dem Grenzzaun veranstaltete, winkte er den Immigranten freundlich zu —, aber das hilft Biden nicht. Und unglücklicherweise ist auch Bidens Vizepräsidentin Kamala Harris beim Wahlvolk nicht beliebt.

Bei den Demokraten scheint die Devise zu gelten: Augen zu und durch. Die Comedy Show Saturday Night Life parodierte mehrere führende Politiker, die versichern, dass ihr Präsident dynamisch und agil sei. Aber leider nur hinter verschlossenen Türen. In Wirklichkeit will nur keiner den Königsmörder machen. Aber wenn der König von sich aus abtritt, dürfte sich die Erleichterung in Wellen ausbreiten wie damals, als Moses das Rote Meer teilte.