Standing Ovations von allen Landtagsparteien zum Abschied von Daniel Allgäuer

Parteiübergreifend wurde zum Abschied Allgäuers dessen Fähigkeit als Brückenbauer und seine Handschlagqualität hervorgehoben.
Es kommt wahrlich nicht alle Tage vor, dass ein Regierungsmitglied der FPÖ mit Standing Ovations ausnahmslos aller Abgeordneten von allen Fraktionen verabschiedet wird. Nachdem Daniel Allgäuer seinen letzten Beitrag am Rednerpult im Landtag beendet hatte, war genau dies der Fall.

Der Landesrat für Sicherheit und Energie trat am Donnerstag in einer bemerkenswerten Verabschiedung von der politischen Bühne, die der Landwirt vor 26 Jahren erstmals als freiheitlicher Kammerrat betrat und seit 15 Jahren erst als Abgeordneter und später als Klubobmann im Landtag prägte, ehe 2024 der Einzug in die Landesregierung erfolgte.


Ausnahmslos alle Klubobleute lobten die Arbeit und insbesondere die charakterliche Art des 61-Jährigen, der aus gesundheitlichen und familiären Gründen sein Amt mit der Juli-Doppellandtagssitzung niederlegte. ÖVP-Klubobfrau Veronika Marte hob die “wertschätzende, positive Zusammenarbeit” mit Allgäuer hervor, der designierte FPÖ-Klubobmann Manfred Vogt lobte ihn für seine Besonnenheit, seinen Pragmatismus und seinen Hausverstand. “Er war nie jemand, der auf laute Schlagzeilen oder schnelle Effekte gesetzt hat. Stattdessen hat er Sachfragen ruhig analysiert, unterschiedliche Standpunkte angehört und Entscheidungen mit Augenmaß getroffen.” Zum Abschied beschenkte Vogt seinen scheidenden Parteikollegen mit einer Fotocollage aus seiner politischen Laufbahn.

Während sich Grüne und Freiheitliche im Landesparlament normalerweise bei jeder Gelegenheit in die Haare kriegen, wählte Grünen-Klubobmann Daniel Zadra ebenfalls sehr versöhnliche Worte. “Daniels Ausscheiden ist schwerer Verlust, ein Aderlass für die schwarz-blaue Landeregierung”, erklärte sein Namensvetter. Auch wenn man nicht immer einer Meinung gewesen sei, über all die Jahre sei eine Vertrauensbasis entstanden, so Zadra, der die “Auseinandersetzungen auf Augenhöhe” und Allgäuers Einsatz für die Windkraft hervorhob. Mit einem Augenzwinkern wünschte der Grünen-Klubobmann alles Gute “für den nächsten Lebensabschnitt als Erntehelfer” und übergab dem scheidenden Landesrat ein Grillpaket, gefüllt unter anderem mit Paprikas: “Sie sind wunderbar angenehm, aber jede 25. brennt so richtig.”

“Dir steht das Verbindende näher als das Trennende”, richtete SPÖ-Klubobmann Mario Leiter persönliche Worte an Allgäuer und bekundete: “Wir werden dich vermissen in diesem Haus.” Allgäuer habe immer alle Fraktionen “auf die Reise mitgenommen” und stets transparent Politik betrieben. Zum Abschied gab es vom Sozialdemokraten einen “guten Roten”, eine Flasche Rotwein.

“Lange, bevor ich im Landtag angelobt wurde, haben meine Kolleginnen und Kollegen berichtet, dass es im Landtag neben so vielen Meinungsverschiedenheiten einen in der FPÖ gibt, den sie vorbehaltlos respektieren”, umschrieb Neos-Klubobfrau Claudia Gamon den inzwischen sichtlich emotionalen Alt-Landesrat und lobte dessen “Tugenden, die in vielen Belangen aus der Mode gekommen sind.” Für den Nachfolger liege die Latte hoch, so Gamon.

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Landestatthalter Christof Bitschi (FPÖ) betonten Allgäuers Rolle als Brückenbauer in der Regierungsbildung. Wallner gab Einblick in Allgäuers Rolle in erfolgreichen Energieverhandlungen im Bund: “Du warst dort in einer absolut schwierigen Situation . Es hätte passieren können, dass man die Netzsteigerungskosten im Osten uns im Westen anhängt. Das hat Widerstand und klare Argumentation gebraucht.”

Bitschi schilderte, wie er 2018 im Hause Allgäuer auf einen Kaffee zu Gast war: “Damals ging es darum, wer Parteiobmann wird. Für mich war klar, Daniel wird Obmann und ich bin der junge Wilde. Nach anderthalb Kaffees war der neue Plan klar. Daniel hat gesagt: ‘Das machst du’.” In Anspielung auf die Rückenbeschwerden Allgäuers meinte der Landesstatthalter, die neuen Traktorsitze in der heimischen Landwirtschaft seien “nachweislich angenehmer als die Bürostühle im Landhaus.” Und auch Landtagspräsident Harald Sonderegger (ÖVP) schloss sich den Lobeshymnen an und hob hervor, wie Allgäuer stets die Frage in den Mittelpunkt gerückt habe, “ob eine politische Entscheidung tatsächlich den Menschen dient.”

Damit Allgäuer selbst noch einige Abschiedsworte am Rednerpult aussprechen durfte, war aus Formalitätsgründen ein Landtagsbeschluss nötig – nach seinem Rücktritt ist er formal Landesrat a.d. – doch wenig überraschend erhielt er das Rederecht einstimmig. Allgäuer bedankte sich bei den Vorrednern, bei seiner Familie, seinem Büroteam und den Mitarbeitern in der Landesverwaltung. Er umriss seine Arbeit in seinen politischen Feldern Sicherheit, Integration und Energie als Landesrat, wobei er den einstimmigen Landtagsbeschluss für die Energieautonomie+ 2030 als “Highlight” bezeichnete.

Allgäuers Nachfolger, der vorherige FPÖ-Klubobmann Markus Klien, wurde im Anschluss mit 26 von 36 Stimmen in die Landesregierung gewählt. Dessen Erbe als Klubobmann übernimmt Manfred Vogt.


(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)