Politik

Dorfbürgermeister mit sachlichem Stil und KI-Affinität: So tickt der neue FPÖ-Klubobmann

24.07.2026 • 16:08 Uhr
Dorfbürgermeister mit  sachlichem Stil und KI-Affinität: So tickt der neue FPÖ-Klubobmann
Manfred Vogt beim Brunnen vor dem Übersaxner Dorfhaus. Hier liegt das Gemeindeamt, in dem er seit 2022 das Sagen hat. Stiplovsek

Im Zuge der Personalrochade nach Daniel Allgäuers Rücktritt übernahm Manfred Vogt das Amt als FPÖ-Klubobmann. Der NEUE erzählt er, welche Vorhaben er im neuen Amt vorantreiben will und warum sich für ihn ein Kreis schließt.

Manfred Vogt steht auf dem Dorfplatz in Übersaxen und deutet auf verschiedene Gebäude: “Hier ist das Dorfhaus, da sind Kindergarten und Volksschule untergebracht. Nebenan ist der Dorfsaal, und gegenüber ist das Gasthaus Krone. Im Mai sind dort neue Pächter eingezogen, da haben 40 Freiwillige bei einer Entrümpelungsaktion geholfen. Daran merkt man, das Miteinander in unserem Dorf wird großgeschrieben.”

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Manfred Vogt im Gespräch mit der NEUE auf der Übersaxner “Festwiese”. Stiplovsek

Auch einen Bankomat mit eigenem Häuschen hat die Gemeinde, ein wenig dahinter liegt die “Festwiese”, geeignet für Feierlichkeiten aller Art. “Beim Blasmusikfest waren rund 2500 Besucher hier. Der Landwirt, der nebenan wohnt, parkt für solche Anlässe extra seine Fahrzeuge um, damit wir Platz für das Festzelt haben”, erklärt der 37-Jährige, der seit 2022 Bürgermeister der 640-Seelen-Gemeinde auf den Hängen über dem Rheintal ist. Das Dorfzentrum ist übersichtlich, auch die Kirche und der eigene Supermarkt sind in fußläufiger Nähe. Während Vogt der NEUE “seine” Gemeinde zeigt, fahren oder spazieren immer wieder Bürgerinnen und Bürger vorbei. Man grüßt sich, man kennt sich beim Namen, es ist eine beinahe klischeehafte Dorfidylle.

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Während in anderen Kleingemeinden wichtige Elemente der dörflichen Infrastruktur fehlen, ist Übersaxen vergleichseweise gut ausgestattet. Einzig die Bankfiliale schloss vor einigen Jahren, dafür gibt es jetzt dieses Häuschen mit Bankomat. Stiplovsek

Ein ganz anderes Parkett wartet rund 30 Kilometer Luftlinie in Richtung Norden. Im Landtag in Bregenz, wo Vogt seit 2024 als Abgeordneter vertreten ist, erwartet ihn eine neue Aufgabe. Durch die freiheitliche Personalrochade Anfang Juli bekam der Übersaxner Bürgermeister die Agenden als FPÖ-Klubobmann übertragen. Doch wer steckt hinter dem bislang noch recht unbekannten, aufstrebenden Politiker in den Reihen der Regierungspartei?

Elektroniker, Bürgermeister, Familienvater

Manfred Vogt kam am 8. August 1988 in Feldkirch zur Welt und lebte bis auf eine sechsmonatige Unterbrechung stets in Übersaxen. “Ich war schon immer eine politisch interessierte Person. Ich sehe mich als jemanden, der gerne mitgestaltet, der auch bereit ist, Verantwortung zu tragen und an Lösungen mitzuarbeiten. Das war die Gründe, warum ich in Übersaxen zuerst meine eigene Liste gegründet habe und dann im Jahr 2022 Bürgermeister geworden bin”, erklärt er seinen politischen Werdegang. Der ausgebildete Elektroniker arbeitete bei Bachmann Electronics und Zumtobel, zuletzt als Projektleiter in der IT. Berufsbegleitend studierte der zweifache Familienvater – Vogts Kinder sind zwei und vier Jahre alt – Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Vorarlberg in Dornbirn.

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Seit 2024 ist Vogt für die FPÖ im Landtag. Steurer

Den Schritt ins Landesparlament vor gut zwei Jahren erklärt der 37-Jährige so: “Der Landtag ist vom Informationsfluss und vom Netzwerk her ein spannender Ergänzungsjob. Das ergänzt sich gut mit dem Bürgermeisterjob. Man profitiert wissensmäßig jeweils vom anderen Amt” Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von künstlicher Intelligenz (KI), einer der Hauptschwerpunkte in Vogts bisheriger Landtagsarbeit. “Wir haben die richtigen Pflöcke gesetzt, damit die Verwaltung in Zukunft KI sicher handhaben kann und sie im täglichen Ablauf Prozesse erleichtert und zur Reduktion von Bürokratie beiträgt”, berichtet er von seiner politischen Arbeit, in der er auch stark von seinem beruflichen Hintergrund profitiert.

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Der Bürgermeister berichtet, wie KI ihm bereits jetzt im Gemeindeamt hilft. Stiplovsek

Gleichermaßen erleichtert KI bereits jetzt auch die Arbeit in der Übersaxner Gemeindestube: “Ein Budgetvoranschlag kann damit super bearbeitet werden. Auch in der Protokollierung der Gemeindevertretungssitzungen hilft uns KI.” Wichtig sei aber, sich stets an Leitlinien zu halten: “Es ist wichtig, dass den Mitarbeitern die grundlegenden Regeln bekannt sind. Namen und persönliche Daten dürfen nie in die KI rein. Aber sobald diese Daten anonymisiert sind, kann man etwa Excel-Tabellen super mit KI bearbeiten. Das unterstützt uns in der täglichen Arbeit ungemein.”

Ein Kreis schließt sich

Ausgerechnet der zurückgetretene Landesrat Daniel Allgäuer hat durch seinen Rücktritt den Aufstieg Vogts in die neue Position als FPÖ-Klubobmann ermöglicht. Einst spielte er eine große Rolle, dass der Übersaxner den Freiheitlichen beigetreten ist. “Im Jahr 2012 traf ich Daniel Allgäuer auf dem Bezirksmusikfest und habe lange mit ihm gesprochen. Nach diesem Gespräch bin ich beigetreten.” Schon davor sei er “eher konservativ eingestellt gewesen”, erklärt Vogt, für den sich nun symbolisch ein Kreis schließt.

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Vogt überreichte Allgäuer zum Abschied im Landtag eine Pinnwand mit Fotos. Vor 14 Jahren war der Landesrat a.D. maßgeblich daran beteiligt, dass der Übersaxner ein Freiheitlicher wurde. Hartinger

Im Mai habe man dann erste Gespräche geführt, als Allgäuer intern seine Rücktrittsabsicht aus gesundheitlichen Gründen äußerte. Für ihn rückte Markus Klien auf die Regierungsbank nach, wodurch wiederum die Position des Klubobmanns vakant wurde. Nachdem Vogt gefragt wurde, ob er Kliens Nachfolge antreten wolle, habe er ein wenig Bedenkzeit gebraucht, sich dann aber doch zügig entschieden, das Amt anzunehmen. Seine Schwerpunkte, die neben der Digitalisierung der Verwaltung auch in der Kommunalpolitik und der Mobilität liegen, will der 37-Jährige weiter behalten. “Im kommunalpolitischen Bereich ist mir wichtig, dass wir die Gemeinden im Land finanziell zukunftsfit machen”, erläutert Vogt. Auch auf diesem Weg kommt ihm die Erfahrung als Bürgermeister zugute.

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Vogt blickt über “sein” Dorf und das Rheintal. Die finanzielle Lage der Gemeinden beschäftigt ihn in seiner politischen Arbeit sehr. Stiplovsek

Auf die Frage nach Gemeindezusammenlegungen antwortet er: “Studien zeigen, dass Fusionen nie auf Zwang basieren dürfen. Fusionen, die aus Freiwilligkeit passieren, sind sinnvoll und richtig. Aber man muss aufpassen, dass das Miteinander im Dorf nicht verliert.” Ob er eine Fusion Übersaxens mit einer Nachbargemeinde jemals ausschließen könne? “Jemals ist ein sehr weit entfernter Begriff. Derzeit ist es nicht denkbar. Aber es kann durchaus eine Zeit geben, in der es sinnvoll und richtig ist.”

Den “Vorarlberger Weg” der FPÖ weiterführen

Am Rednerpult zeichnet Vogt ein pragmatischer, sachlicher Stil aus, der ebenfalls Parallelen zu Allgäuers Auftreten als Politiker weckt und nicht an das Auftreten der FPÖ-Abgeordneten in anderen Landtagen oder im Nationalrat erinnert. Danach gefragt, spricht der neue Klubobmann vom “Vorarlberger Stil” und erklärt: “Dieser Zugang zu den Menschen ist mir wichtig. Es gibt immer das Thema die Emotionalität vor, aber mein Ziel ist schon, nüchtern, sachlich und kompakt zu bleiben.” Aber wie bei jedem leidenschaftlichen Politiker gibt es auch bei Vogt Themen, die “die Schlagzahl erhöhen”, wie er es selbst bezeichnet. “Das Bürgermeister-Bashing, das von Medien und politischer Konkurrenz betrieben wird. Es gibt so viele Beispiele davon, was Bürgermeister in ihrer Gemeinde leisten. Ich bin der Meinung, das gehört honoriert.”

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Seine sachorientierten Stil will der 37-Jährige beibehalten, betont er. Stiplovsek

In seiner Rolle als Klubobmann hofft Vogt, “die Jahre, die für die Freiheitlichen sehr erfolgreich waren, so weiterführen zu können.” Zudem erklärt er: “Es ist wichtig, dass wir unsere Kernthemen weiter vorantreiben und in Teilbereichen auch klare Kanten zeigen.” Als Prämisse für politische Vorhaben stellt er voran: “Es muss stets im Sinne der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sein.”

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)