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Hart auf dem Platz – großes Herz daheim

11.11.2022 • 10:07 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Navas hält den Strafraum sauber. <span class="copyright">Jaafar/AFP</span>
Navas hält den Strafraum sauber. Jaafar/AFP

Er hat keine Spielpraxis in der laufenden Saison und ist doch die Nummer eins in Costa Rica. Keylor Navas fährt mit seiner Mannschaft das dritte Mal als Goalie zu einer WM.

Erst am Mittwoch gelang seinem Team ein 2:0 Sieg im Testspiel gegen Nigeria. Keylor Navas musste in diesem Spiel noch passen und wird seinem Team nachreisen. Er, aber auch sein ganzes Team präsentieren sich vor der Weltmeisterschaft formstark. Der deutsche WM-Gruppengegner hat seit fünf Spielen keine Niederlage mehr einstecken müssen. Der Blick Richtung Katar: positiv gerichtet. Am 17. November will die Mannschaft noch eine finale Test-Partie gegen den Irak in Bagdad absolvieren. In diesem Spiel dürfte Keylor Navas wieder zwischen den Pfos­ten stehen. 107 Spiele bestritt er bereits für die Nationalmannschaft.

Im Strafraum kennt der Keeper kein Erbarmen. <span class="copyright">Scarff/AFP</span>
Im Strafraum kennt der Keeper kein Erbarmen. Scarff/AFP

Er war bereits 2014 in Brasilien und 2018 bei der WM in Russland mit dabei. Katar soll nun also sein drittes Welt-Turnier werden.
Seit September 2019 spielt der Keeper für Paris Saint-Germain. Für zehn Millionen Euro Ablöse kam er damals von Real Madrid. In drei Spielzeiten stand der Goalie 106 Mal zwischen den PSG-Pfosten. Nun, da Christophe Galtier allerdings Trainer in Paris ist und auf eine klare Nummer ein setzt, Gianluigi Donnarumma, wurde Navas zum Bankwärmer deklassiert.

Gerüchten zufolge sollte die ehemalige Nummer eins daher zum SSC Neapel wechseln – zum finalen Transfer kam es letztlich aber nicht. Offenbar konnten sich die Klubs nicht über die Aufteilung seines Gehalts einigen. „Nach einem Sommer voller Ungewissheit ist der Tag gekommen, den Vereinen zu danken, die sich für mich interessiert haben und meine Arbeit und meine Karriere wertschätzen. Es erfüllt mich mit Stolz, sich so geliebt zu fühlen, dass sie auf einen setzen. Es ist auch an der Zeit zu verkünden, dass ich in Paris weiter hart arbeiten werde, ohne den Glauben zu verlieren, dem Team so gut wie möglich zu helfen, ohne aufzugeben und wie immer jeden Tag mein Bestes zu geben“, teilte der Keeper nach dem geplatzten Deal auf Instagram mit.

Für ihn dürfte es die letzte Teilnahme an einem Großevent sein. <span class="copyright">Edme / AP</span>
Für ihn dürfte es die letzte Teilnahme an einem Großevent sein. Edme / AP

Ohne Spielpraxis zur WM

Nun also wird er ohne Spielzeit in dieser Saison eine Weltmeisterschaft bestreiten, und das als Stammspieler in der potenziell stärksten WM-Gruppe. Für ihn als Turnier-Routinier dürfte das aber kein Problem sein. Er wird in Costa Rica nach seiner überragenden Leistung bei der WM 2014 als Volksheld gefeiert. Kein Wunder, auf Vereinsebene sammelte er mit Real Madrid alle Titel, die ein Fußballer gewinnen kann. Drei Mal wurde er mit den „Königlichen“ gar Champions-League-Sieger in Folge.

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Und auch der Trainer Luis Fernando Suárez sieht den Torhüter als unangefochtene Nummer eins. Erst im September, als Navas es nicht in den Kader für die Freundschaftsspiele Costa Ricas schaffte, machte er deutlich, der Torwart, der das Team nach Katar geführt habe, sei „nicht absetzbar“. Viel mehr habe er seine Abwesenheit als Chance gesehen, andere Keeper für die Zukunft zu testen – schließlich dürfte die WM für ihn mit nun 35 Jahren die letzte sein. „Er hat keine Starallüren. Er geht nie weg und macht sein eigenes Ding oder macht Dinge anders als der Rest der Mannschaft. Nein, er ist konzentriert“, sagte Suarez. In einem Interview erzählte der Kicker einmal, er habe mit fünf Jahren entschieden, Torwart zu werden und bis zum heutigen Tage immer für diesen Traum gekämpft.

Kicker mit großem Herz

Auch wenn er als Fußballer wenig barmherzig ist, fokussiert, streng und verbissen: Im realen Leben hat der „Tico“ – so nennen sich die Einwohner Costa Ricas selbst – ein großes Herz. Er wohnt in einer großen Pariser Villa und hat viel Platz. Presseberichten zufolge hat er mitbekommen, dass ein gemeinnütziger Verein aus Barcelona nach Krakau gereist war, um dort Lebensmittel an Flüchtlinge zu verteilen.

Das gab ihm offenbar Anlass, selbst etwas in Paris tun zu wollen. Kurzerhand entschloss er sich, gemeinsam mit seiner Frau 30 ukrainische Geflüchtete bei sich aufzunehmen. Sie schlafen ihm Heimkino des Fußball-Stars. Offenbar kochte seine Frau Andrea Salas selbst für die Neuaufgenommenen. Und das war nicht das erste Mal, dass das Paar Initiative ergriff und Bedürftigen half: Zu Beginn der Corona-Pandemie riefen Navas und seine Frau die Aktion „Körbe der Hoffnung“ ins Leben, bei der Lebensmittel an 3700 besonders von Corona betroffene Familien gebracht wurden.

Im vergangenen Jahr war er noch Stamm-Keeper bei PSG. <span class="copyright">Poujoulat / AFP</span>
Im vergangenen Jahr war er noch Stamm-Keeper bei PSG. Poujoulat / AFP

Sein Engagement dürfte unter anderem mit seinem christlichen Glauben zusammenhängen. Wie er in diversen Interviews beschrieb, betet er regelmäßig und sucht in seiner Religion Unterstützung für schwierige Situationen.
Genau wie er in diesen Situationen auch auf Freunde und Familie baut. „Wie wir in Costa Rica sagen, ‚Gott darum bitten und mit dem Holzhammer arbeiten‘. Ich habe hart gearbeitet, aber immer zusammen mit dem Glauben. Deshalb beschreibt der Titel ‚Mann des Glaubens‘ ­perfekt mein ganzes Leben“, meint der Fußballer. Vor jedem Spiel fällt er im Stadion auf die Knie. Dafür sei er schon von vielen Menschen beschimpft worden. Das sei ihm aber egal, so der 35-Jährige. Dabei ist er damit nicht allein im ­Nationalteam. Viele Ticos sind gläubig.

Costa Ricas Chancen bei der WM

Costa Rica ist ein durchaus etablierter WM-Teilnehmer. Das Land verpasste seit der Jahrtausendwende nur die WM 2010 in Südafrika. In der starken Gruppe mit Spanien, Deutschland und Japan dürften die Gäste aus Südamerika aber dennoch zu kämpfen haben. Für Überraschungen ist das Team von Suárez aber immer zu haben. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Fußball-Fan noch an das packende WM-Eröffnungsspiel gegen Deutschland bei der WM 2006. Am Ende unterlagen die Costa Ricaner zwar mit 2:4 – für eine spannende Partie und Sorgen der Gastgeber bei Turnierstart sorgten sie aber ohne Zweifel.

Die Fans sind ganz offenbar auch in Stimmung für die Weltmeisterschaft und fiebern mit ihrem Team mit: Vor einem Monat hatte der Verband mit dem Ticketverkauf für die Partie gegen Nigeria gestartet. Am Mittwoch spielten sie dann vor ausverkauftem Haus, ein gebührender Abschied vor dem Abflug in Richtung Katar. Am Donnerstag dann ist die 57-köpfige Delegation nach Kuwait aufgebrochen.

Costa Rica hat sich übrigens als letzte der 32 Nationen für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Im Juni gewannen die Südamerikaner gegen Neuseeland und zogen damit in die Endrunde ein. Als erster Gegner wartet in Katar dann am 23. November Titelmitfavorit Spanien.

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