Hubert Nagel wollte es leider so

NEUE-Sportchef Hannes Mayer kommentiert die Vorwürfe von Hubert Nagel, die er an die NEUE ob der Berichterstattung über die Leistungen von Bernd Bösch richtete.
Hubert Nagel hat so viel für Austria Lustenau geleistet. Er führte die Grün-Weißen in den Profifußball und schließlich in die Bundesliga, die Austria war österreichweit eine Marke. Doch so gewieft Nagels Ideen lange waren, nach dem verpassten Aufstieg 2013 und Altachs Bundesliga-Aufstieg 2014 schlich sich nach und nach Stillstand bei den Grün-Weißen ein. Es folgten triste Spielzeiten. Nagel verlor nach fast 30 Jahren das Gespür für die Veränderungen im Fußball, was normal ist: Alles und jeder hat seine Zeit, neue Generationen haben neue Ideen. Lustenaus Strukturen waren veraltet, am Ende entschied immer alles der Klubboss. Nagel verabsäumte es in jener Phase, den Verein in neue Hände zu geben.
Er verlor auch das Gespür für die Stimmung im Verein. Über Jahre hinweg nahm er die Wiederwahl mit den Worten an, dass es seine letzte Amtszeit sei. Der Austria-Boss verkannte dabei, dass sich immer weniger über sein Bleiben freuten. Nun stimmt es schon, es traute sich lange niemand zu, Nagels Nachfolge anzutreten. Doch als es dann im Winter 2018/19 so weit war und Bernd Bösch mit seiner Reformgruppe in Absprache mit Nagel eine neue Ära bei der Austria beginnen wollten, sträubte sich der damals 67-Jährige. Er stellte sich erneut zur Wahl – und unterschätzte ein letztes Mal den Erneuerungswillen der Basis. Wahrscheinlich, weil er sich zu sehr in einer Echokammer mit vielen alten Wegbegleitern bewegte, und in dieser Blase die Meinung vorherrschte, dass es ohne ihn nicht ginge bei der Austria. Wobei es vielleicht auch umgekehrt war. Nagel wurde nur so knapp wiedergewählt, dass er tief gekränkt abtrat. Diesen unwürdigen Abschied hatte er sich selbst eingebrockt. Der Langzeitpräsident hätte sich verdient, mit minutenlangem, tosendem Applaus aus dem Amt verabschiedet zu werden und sogleich als Ehrenpräsident ernannt zu werden. Dafür hätte er aber loslassen müssen. Das hat er offensichtlich bis heute knapp sieben Jahre später nicht.
Seine hitzige Beschwerde über den Artikel zur Vergabe des NEUE-Ehrenpreises an Bernd Bösch samt Klageandrohung lässt kaum einen anderen Schluss zu. Hätte Nagel beanstandet, dass nur eine Wirtschaftsprognose, nicht aber der Kontostand zum Zeitpunkt seines Abschieds negativ war, wäre das ja noch nachvollziehbar gewesen; obwohl er nach seinem Abgang selbst davon sprach, die Austria nur unter Bedingungen schuldenfrei zu übergeben. Aber Bösch und dessen Vorstandsteam praktisch alle Leistungen abzusprechen ist kein nobler Zug. Nagel hat sich damit keinen Gefallen getan, seiner einstmals so geliebten Austria sowieso nicht. Schulden-Thematik hin oder her, das alles ist so lange her, eine Korrektur hätte man wenn schon viel eleganter mit einem launigen Interview lösen können.
So bleibt der Eindruck, dass der späte Hubert Nagel die eigenen Befindlichkeiten teils über das Wohl seiner Austria stellte und stellt. Damit schadet er sich selbst viel mehr als dass es eine unpräzise Formulierung könnte: Er macht es so vielen immer schwerer, sich an die guten Zeiten mit ihm zu erinnern.
Mich macht das alles betroffen, diese heutige Berichterstattung hat sich Hubert Nagel eigentlich nicht verdient. Aber wie schon 2019 vor der Jahreshauptversammlung wollte er es nicht anders.