Sport

Salzgeber: Erwartungen zurückschrauben

24.01.2026 • 22:29 Uhr
Salzgeber: Erwartungen zurückschrauben
Head-Rennsportleiter Rainer Salzgeber mit einer Einschätzung.

Head-Rennsportleiter Rainer Salzgeber in einem Gastbeitrag mit einer Einschätzung vor Beginn der Winterspiele. Auf die ÖSV-Alpinen sieht er schwierige Spiele zukommen.

Von Rainer Salzgeber
Der alljährliche Highlight-Jänner mit den Rennen in Adelboden, Wengen und jetzt als Kitzbühel als Krönung neigt sich dem Ende zu. Wir haben großartigen Sport bei herausragenden Veranstaltungen gesehen. Im Moment überragt die Leistung von Giovanni Franzoni. Erst gewinnt er in Wengen den Super-G und dann vereitelt er Marco Odermatt den ersten Sieg auf der Streif.
Natürlich richten sich ab sofort alle Blicke auf Olympia, mit den heutigen beiden Torläufen endet die Qualifikationsphase. In Österreich wurde viel über die Quotenplätze diskutiert. Wobei die einzig harte Entscheidung herrenseitig bei der Nominierung des Super-G-Kaders notwendig war. Da hat Österreich sechs Läufer unter den ersten 18 in der Disziplinenwertung. Lukas Feurstein hätte am Freitag die Chance gehabt, sich auf den letzten Drücker für Olympia zu qualifizieren. Er war auf dem Weg aufs Podest, sein Fehler im unteren Teil hat ihm Olympia gekostet. Denn der Super-G in Kitzbühel gleicht von der Charakteristik her dem Olympia-Super-G von Bormio schon sehr. Ein Podiumsplatz in Kitzbühel wäre darum höher einzuschätzen gewesen als der etwas zufällige Sieg von Marco Schwarz in Livigno, weil die Strecke absolut nichts mit dem zu tun hat, was in Bormio auf die Läufer wartet. Aber Lukas hat seine gute Fahrt nicht ins Ziel gebracht, also ist die Diskussion hinfällig.

Salzgeber: Erwartungen zurückschrauben
Lukas Feurstein hat in Kitzbühel die Chance auf Olympia vergeben. GEPA

Bitteres Saisonaus für Egger
Aus österreichischer Sicht müssen wir unsere Erwartungen zurückschrauben. Es werden nur wenige ÖSV-Athleten dabei sein, die um den Sieg mitkämpfen, speziell bei der Herren-Abfahrt wird es schwierig. Das gestrige Resultat fällt nicht vom Himmel. Auch damenseitig sind die österreichischen Hoffnungen rar gesät. Gerade deshalb tut der Saisonausfall von Magdalena Egger doppelt weh. Ich hätte sie nicht nur aus Vorarlberger und aus Head-Sicht gerne in Cortina gesehen – Mäggy hätte da wirklich ein Coup gelingen können. Auch auf diesem Wege wünsche ich ihr gute Besserung. Ja, die großen Favoriten bei den Spielen kommen dieses Mal aus den anderen Nationen. Ich bin wirklich gespannt, wie sich Franzoni schlägt, noch dazu, da es für ihn Spiele im eigenen Land sind. Odermatt wird sich strecken müssen, aus Head-Sicht hoffen wir in den Speed-Disziplinen nicht zuletzt auf Franjo von Allmen. Eine der ganz heißen Head-Aktien ist natürlich damenseitig Lindsey Vonn. Was sie mit ihren 41 Jahren leistet, macht mich fast sprachlos. Außerdem verbindet sie sehr viele positive Erinnerungen mit Cortina. Ihr traue ich alles zu.
Trotzdem dürfen wir keine zu großen Vergleiche zu den regulären Weltcuprennen machen. Die Bormio-Rennen finden Ende Dezember statt und große Teile der Strecke liegen da im Schatten, speziell der Zielhang. Das wird Mitte Februar völlig anders sein. Außerdem gehen ja auch Skiexoten an den Start, deswegen ist von einer nicht ganz so schwierigen Pistenpräparierung auszugehen. Die Athleten und wir als Ausrüster müssen auf uns zukommen lassen, was für Verhältnisse in Bormio herrschen.

ALPINE-ITA-SUPER G-WOMEN
Lindsey Vonn traut Salzgeber alles zu bei den Olympischen Spielen. APA

Eigenen Gesetze
Als Head freuen wir uns natürlich auch darauf, wie Sara Hector und Camille Rast im Riesentorlauf performen werden. Es ist eine wahre Freude, wie sich die beiden in die Saison gekämpft haben. Nach dem Saisonaus von Lara Gut-Behra­mi sah es für uns im Damen-Riesentorlauf erst nicht so gut aus, aber spätestens mit ihrem gestrigen Sieg in Spindlermühle ist Sara eine heiße Kandidatin auf den zweiten Olympiasieg im Riesentorlauf. Auf keinen Fall unerwähnt lassen möchte ich das kurzfristige Comeback von Frederica Brignone, sie ist in Kronplatz nach ihren so schweren Beinverletzungen auf Anhieb auf Rang sechs gefahren. Ich wäre nicht überrascht, wenn sie bei Olympia sogar noch schneller wäre.
Am Ende bleibt: Olympische Spiele haben ihre eigenen Gesetze. Es gewinnen längst nicht immer die Favoriten, in einem Rennen kann alles passieren. Ich wünsche euch schon jetzt viel Spaß beim Mitfiebern, ich werde mich natürlich von den Spielen melden.