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Der schwierige Weg zur ersten WM

25.04.2026 • 21:12 Uhr
Der schwierige Weg zur ersten WM
Die älteste Aufnahme von einem FIFA-Kongress. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1913. FIFA

Ein Vierteljahrhundert wurde für die Durchführung eines ersten Fußball-Weltturniers gekämpft. Die letztlich unaufhaltsame Idee setzte sich trotz vieler globalen Krisen durch.

Auftakt:
Die Geschichte der Fußball-WM in sechs Teilen

Die Geburtsstunde des Weltfußballs schlug am 21.5.1904, als in der Rue Saint-Honoré 229 in Paris die Fédération Internationale de Football Association, kurz ­FIFA, gegründet wurde. Die Initiatoren waren der französische Sportjournalist Robert Guérin, der auch zum ersten Präsidenten gewählt wurde, und der Niederländer Carl Anton Wilhelm Hirschmann, die beide an die völkerbindende Kraft dieses Sports glaubten. Schon bald nach der Gründung trugen sich die sieben Gründungsverbände Belgien, Dänemark, Frankreich, Niederlande, Spanien, Schweden und die Schweiz mit dem Gedanken, ein Weltturnier auszurichten. Eine solche Veranstaltung war nun ein Dauerthema, vor allem, als sich immer mehr Nationen anschlossen, unter anderem Österreich und Deutschland im Jahr 1905 und wenig später Italien, Schweden und südamerikanische Verbände.

Das größte Problem stellte dar, dass sich die britischen Verbände nicht zu einem Beitritt bewegen ließen. Schon die Einladung zur Gründungsversammlung war von ihnen nicht einmal beantwortet worden. So blieb auch eine 1906 vorgenommene provisorische Gruppeneinteilung für ein Weltturnier letztlich nur theoretisch, weil kein einziges Land Interesse bekundete und sich für eine Teilnahme meldete. Auch in der Folge kam man keinen Schritt weiter, ja die Arbeit der FIFA wurde von den Briten mit abwechselnden Beitritten und Austritten geradezu sabotiert.

Der schwierige Weg zur ersten WM
FIFA

Weltkrieg bremste

1913 kam schließlich etwas Bewegung in die Sache, als die FIFA-Mitgliedsverbände beschlossen, das olympische Fußballturnier 1916 in Berlin gleichzeitig auch als offizielle WM durchzuführen, was schließlich durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit der Absage der Olympischen Spiele obsolet wurde. Die FIFA wollte aber doch daran festhalten und das Turnier kurzerhand nach Südamerika verlegen. Da sich kein europäischer Verband zu einer Teilnahme durchringen konnte, fand das Turnier in Argentinien – zur Feier des 100-jährigen Unabhängigkeitsjubiläums – ohne Europäer statt und gilt heute als Geburtsstunde der Südamerika-Meisterschaft. Ers­ter Sieger des 1917 offiziell „Copa America“ genannten Championats wurde Uruguay.

Nach dem Krieg litt zwar ganz Europa stark unter dessen Folgen, dennoch traf sich die FIFA bereits 1920 in Brüssel wieder zu einem Kongress, auf dem die Idee einer WM neue Nahrung bekam. Entscheidend war dabei, dass mit dem französischen Sportmäzen Jules Rimet, dem Präsidenten des französischen Verbands, der vielleicht größte Befürworter einer WM zum FIFA-­Präsidenten gewählt wurde. Dass es bis zur Durchführung einer ersten Weltmeisterschaft schließlich noch zehn weitere Jahre dauern sollte, hatte einen anderen Grund: In den 1920er-Jahren setzte in einigen Ländern das Profitum ein, vor allem in Großbritannien, Österreich, Italien und der Tschechoslowakei. Somit prallten zwei Philosophien des Fußballsports aufeinander: Amateure gegen Profis. Häufig weigerten sich nämlich die reinen Amateurverbände, angeführt von Deutschland, gegen Profiteams anzutreten, sodass über Jahre keine Länderspiele zwischen ihnen ausgetragen wurden.

Der schwierige Weg zur ersten WM
Jules Rimet war ein großer Befürworter für eine Austragung einer Fußballweltmeisterschaft. FIFA

WM-Geburtsstunde

Unter diesen Vorzeichen sorgte auch die Teilnahme südamerikanischer Mannschaften an den Olympischen Spielen für Unstimmigkeiten, weil in Südamerika längst in gut organisierten Fußballligen Profispieler den Sport ausübten, und sich das mit dem olympischen Amateurgedanken langfristig nicht vereinbaren ließ. So entwickelte Jules Rimet zusammen mit Enrique Buero, einem reichen Rinderzüchter aus Montevideo, neue Pläne für ein Fußball-Weltturnier.

Schließlich wurde den Mitgliedern am 28. Mai 1928 auf dem FIFA-Kongress in Amsterdam die Idee, ab 1930 im Vierjahresrhythmus eine WM auszutragen, vorgelegt und sie erhielt große Zustimmung. Sogleich wurde eine Kommission gewählt, die sich um die Vorbereitung des Turniers kümmern sollte. Ihr gehörte neben Hugo Meisl (Österreich) und Henri Delaunay (Frankreich) auch DFB-Präsident Felix Linnemann an, obwohl sich Letzterer bei der Abstimmung über die WM der Stimme enthalten hatte, weil Deutschland dem Profitum noch immer kritisch gegenüberstand. Das große Problem, mit dem sich diese Kommission konfrontiert sah, war das Finden eines Austragungslandes. Deutschland hatte sofort abgesagt, wollte nicht gegen Profis antreten, in Österreich gab es noch kein geeignetes Stadion, und zudem erhielt der ÖFB seitens der Politik keine ausreichende Unterstützung, und Schweden bzw. Italien zögerten zu lange mit einer möglichen Bewerbung. Nach monatelangem Zuwarten suchte schließlich Uruguay um die Durchführung an, nicht zuletzt wegen der für 1930 vorgesehenen Feierlichkeiten zur 100-jährigen Unabhängigkeit von Spanien.
Die Austragung in Südamerika stellte die europäischen Verbände allerdings vor immense Kosten, allein schon wegen der hohen Ausgaben für die weite Schiffsreise nach Uruguay. Zudem konnte seitens des Veranstalters keine komplette Übernahme der Kosten für den Aufenthalt in Aussicht gestellt werden.

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Die Olympischen Spiele 1928. FIFA

Vier Europäer

Aufgrund solcher Rahmenbedingungen hielt sich die Begeisterung – auch vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre – bei den europäischen Verbänden deutlich in Grenzen. Schließlich bewarben sich zunächst lediglich Jugoslawien und Rumänien bei der FIFA um eine Teilnahme. Durch die Initiative Jules Rimets entschlossen sich dann mit Frankreich und Belgien doch noch zwei weitere europäische Länder zu einer Teilnahme und reisten im Juni 1930 nach Montevideo.

Von Otto Schwald