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Alleskönner, die den Fußball prägten

02.05.2026 • 21:47 Uhr
Alleskönner, die den Fußball prägten
Archiv Otto Schwald

Der Weltfußball wurde in den 1950er-Jahren immer mehr von Alleskönnern geprägt. Der Größte von allen betrat bei der WM 1958 die Weltbühne: Pelé.

Nicht nur in seiner Heimat gilt Juan Alberto Schiaffino als bester uruguayischer Spieler aller Zeiten. Als Teenager schloss er sich wie sein älterer Bruder Raúl dem Spitzenklub Peñarol Montevideo an und schaffte bereits in jungen Jahren den Durchbruch. Er wurde mit seinem Klub drei Mal Meister (1949, 1951, 1953) und erzielte in 227 Spielen insgesamt 88 Tore für Peñarol. Ende 1945 feierte der 20-Jährige sein Debüt in der Nationalmannschaft, und zwar neben seinem Bruder auf der halblinken Position. Seinen sportlichen Höhepunkt erlebte der Halbstürmer bei der WM 1950, als er insgesamt fünf Tore erzielte. Nach vier Treffern beim 8:0 in der Vorrunde gegen Bolivien schoss er im Finale gegen Brasilien das vielleicht wichtigste Tor seiner gesamten Karriere. Sein 1:1 nach etwa einer Stunde ließ nämlich die von den Brasilianern bis dahin souverän geführte Partie kippen, und mit dem 2:1 wurde eine ganze Nation in ein Trauertal gestürzt. Vier Jahre später agierte er bei der WM in der Schweiz erneut auf höchstem Level, scheiterte aber im Semifinale gegen Ungarn knapp mit 2:4 in der Verlängerung.

Sandor Kocsis war eine der schillerndsten Figuren im ungarischen Fußball und war neben Regisseur Ferenc Puskas der herausragende Akteur in der legendären ungarischen Nationalmannschaft, die die frühen 1950er-Jahre dominierte. Mit 17 Jahren zum Traditionsklub Ferencváros nach Budapest gekommen, holte er sich bereits zwei Jahre später den Meistertitel, wechselte 1950 aber zum Lokalrivalen Honved, mit dem er vier weitere Titel holte. Sein Debüt im Nationalteam gab der Stürmer 1948, als er beim 9:0 gegen Rumänien gleich zwei Tore beisteuerte. In 68 Länderspielen erzielte er schließlich unglaubliche 75 Treffer.
1952 wurde der Stürmer mit dem ungarischen „Wunderteam“ um Puskas, Hidekuti und Co. Olympiasieger in Helsinki und war dann auch beim historischen 6:3 im Wembleystadion dabei, dem ersten Sieg eines Kontinental-Teams in England. Als großer Favorit auf den WM-Titel wurde auch er 1954 entzaubert, nachdem er zuvor in fünf Spielen elf Tore erzielt hatte. 1956 floh er aus Ungarn und setzte seine Spielerkarriere in Spanien fort.

Alleskönner, die den Fußball prägten
Sándor Kocsis wurde bei der WM 1954 Torschützenkönig, den WM-Titel verpasste er. Archiv Otto Schwald

Wie ein Erdbeben

asilien-Spiele bei der WM 1958 in Schweden erlebten, glich einem fußballerischen Erdbeben. In einer an sich schon mit vielen Stars ge­spickten Mannschaft ragte mit Pelé ein 17-Jähriger heraus, dessen Auftreten in jeglicher Hinsicht begeisterte.
Sein Spiel war geprägt von einer spielerischen Leichtigkeit, einer unnachahmlichen, perfekten Ballbehandlung und einem schier unerschöpflichen Spielwitz, zu dem bei seiner ers­ten WM auch noch die jugendliche Unbekümmertheit kam. Mit all diesen Qualitäten war Edson Arantes do Nascimento, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, trotz seiner Jugend einer der Leistungsträger des neuen Weltmeisters. Zu dessen Titelgewinn trug er mit sechs Toren ganz wesentlich bei, unvergessen sein Hattrick gegen starke Franzosen im Semifinale. Es war der furiose Auftakt einer Karriere, in der er auf dem Höhepunkt seines Könnens zum komplettesten Offensivspieler reifte, den es je gab. Pelé war auf dem Feld alles, egal ob als Vollstrecker oder Regisseur.

Fortsetzung folgt

Von Otto Schwald