Sport

Seit die Tränen getrocknet sind, überwiegt der Stolz

02.05.2026 • 20:15 Uhr
Fanreportage
Der Blick auf das Cupfinale aus Fan-Sicht. Holzer

Für die zahlreich nach Klagenfurt gereisten SCRA-Anhängerschaft war das ÖfB-Cup-Finale ein Wechselbad der Gefühle. Ein Blick auf den historischen Tag aus Fan-Sicht.

FANREPORTAGE. Am Ende der 120 Spielminuten im ÖfB-Cup-Finale überwog die Enttäuschung auf der Nordtribüne im Klagenfurter Wörtherseestadion. Während sich der LASK mit 4:2 nach Verlängerung gegen den SCR Altach durchsetzen konnte und den ersten Titel seit mehr als sechs Jahrzehnten feierte, waren die über 5000 mitgereisten Altach-Anhänger sichtlich geknickt, aber keineswegs sauer auf die Mannschaft. Dass sich der SCRA auf dem Rasen teuer verkauft hatte, war jedem einzelnen mitgereisten Fan bewusst und so gab es statt Pfiffen oder Buhrufen ausschließlich Applaus und aufmunternde Worte für die mindestens genauso enttäuschten Spieler, Trainer und Betreuer.

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Nach Abpfiff gab es Applaus und Aufmunterung für die sichtlich enttäuschte Altacher Mannschaft. Holzer

Nach einer reibungslosen sechsstündigen Autofahrt in die Kärntner Landeshauptstadt bezog die SCRA-Fangruppe bestehend aus Thomas Holzer, Alexander Eberle, Nico Hauser und mir, Tobias Holzer, gegen Mittag das Hotel – zugegebenermaßen stellte sich die Suche nach einer Unterkunft im am langen ersten Maiwochenende völlig überbuchten Klagenfurt im Vorfeld als Herausforderung dar – und machte sich auf Richtung Innenstadt für ein Mittagessen.

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V.l.: Alexander Eberle, Tobias Holzer, Nico Hauser und Thomas Holzer. Eberle

Fündig wurden wir bei „Café-Imbiss Milas“, dessen Wirt laut eigener Aussage vor seinem Umzug nach Klagenfurt lange in Vorarlberg gelebt hatte und fußballerisch beim FC Götzis aktiv gewesen war.

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Der Betreiber des Café-Imbiss Milas erzählte von seiner Zeit in Vorarlberg. Holzer

Nach einer Stärkung ging es Richtung Wörtherseestadion, wo sich bereits eine große Zahl Altach-Fans, die per Sonderzug oder Bus angereist waren, tummelten. Für die Distanz, die der Dorfverein aus Vorarlberg in die Kärntner Landeshauptstadt zurücklegen musste, war die Kulisse vor dem Austragungsort des Endspiels wahrlich beeindruckend. Klar, der Gegner aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt war in der Überzahl anwesend, doch bezieht man Einwohnerverhältnis und Anreiseweg mit ein, muss man sich als SCR Altach nicht grämen.

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Die Altacher Choreo aus Sicht im Fanblock… Holzer
Seit die Tränen getrocknet sind, überwiegt der Stolz
… und aus der Sicht vom Spielfeldrand aus. Steurer

Dazu erwiesen sich alle LASK-Anhänger, die uns in der Stadt oder rund um das Stadion begegneten, als friedliche und freundliche Fußballfans, denen der Respekt vor der Leistung der Altacher Mannschaft in den vorherigen Cuprunden anzumerken war. Statt Provokationen gab es positive Unterhaltungen, was sicherlich auch hilft, dem Gegner den Pokalsieg trotz der eigenen Enttäuschung am Ende ein Stück weit zu vergönnen.

Seit die Tränen getrocknet sind, überwiegt der Stolz
Die LASK-Fans beeindruckten mit einer eigenen Choreografie. Holzer

Als Nadelöhr sollte sich der Stadioneinlass erweisen: Bei frühsommerlichen 20 Grad, die sich mangels eines Sonnenschutzes eher wie 35 Grad anfühlten, kam bei der sonst durchwegs euphorisierten SCRA-Anhängerschaft erstmals leichter Unmut über die gefühlt langsame Abwicklung des Einlasses auf. Dass nur zwei Ordner eine Vorprüfung der Eintrittskarten vornahmen, ehe es zum obligatorischen Sicherheits-Check und zum tatsächlichen Scan der Tickets kam, sorgte für Sprechchöre, in denen einige Fans ihren Unmut über die lange Wartezeit kundtaten.

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Der Einlass ins Wörtherseestadion erwies sich in der prallen Sonne als Nadelöhr. Holzer

Das Fußballspiel selbst lässt sich getrost als Wechselbad der Gefühle zusammenfassen. Nach einer spektakulären Choreografie im Unterrang mit Blockfahne und schwarz-weißen Ponchos sollte der geliebte SCRA, vorgepeitscht durch die unermüdlichen Gesänge der Anhängerschaft, zwei Mal in Führung gehen. Doch der LASK kam beide Male zurück und schaffte es, nach dem Zwischenstand von 2:2 in der regulären Spielzeit dieses spektakuläre ÖfB-Cup-Finale mit zwei Toren in der Verlängerung auf seine Seite zu ziehen. Im Fansektor herrschte eine wilde Abwechslung aus euphorischem Jubel über die eigenen Treffer, Ernüchterung über die Tore des Gegners, Bangen während der VAR-Checks, eine optisch eindrucksvolle Pyrotechnik-Show und dazwischen ein nahezu durchgehender Support mit Gesängen und Applaus, der eines Finales durchaus würdig war.

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Pyroshow im Altacher-Block: Fan-Sicht… Holzer
Seit die Tränen getrocknet sind, überwiegt der Stolz
versus Fotografen-Sicht. Steurer

Sobald die Tränen getrocknet waren, machte sich allmählich der Stolz über die eigene Leistung breit. Nach all den Jahren der Tristesse im Abstiegssumpf der Bundesliga bot man der wahrscheinlich formstärksten Mannschaft Österreichs im ersten Endspiel der Vereinsgeschichte die Stirn und verkaufte sich sowohl fußballerisch als auch fantechnisch teuer. Man darf als SCRA-Anhänger mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die 120 Minuten im Wörtherseestadion zurückblicken und dieses Gefühl auch in die letzten Spiele dieser und jene der nächsten Saison mittragen. Wer weiß, was die auf der Achterbahnfahrt des Fußballfan-Daseins in Altach so alles bereithalten werden.

Tobias Holzer ist NEUE-Lokalredakteur und privat leidenschaftlicher Fan des SCR Altach.