Sport

Bodensee Cup wieder da: Wie groß ist die Freude?

13.06.2026 • 08:00 Uhr
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Für Cheftrainer Toni Schrott (l.) und seine Jungs geht es heute beim Bodensee Cup gegen das Box Team Süd aus Deutschland. Jochen Dedeleit (3)

Die sechste Auflage des Bodensee Cups der Boxer findet heuer statt – nachdem die letzte Auflage 2023 äußerst unrühmlich zu Ende ging. Kontrahent heute ab 19 Uhr der rot-weiß-roten Auswahl West in der Schorenhalle ist das deutsche Box Team Süd vornehmlich aus Kauf­beuren. Der BC Dornbirn schickt acht eigene Boxer in den Ring.

Er ist wieder da: Der Bodensee Cup der Boxer geht in seine sechste Runde. Was exakt vor zehn Jahren als hervorragende Idee zur Förderung des Boxsports in der Bodenseeregion begann, verkam in den letzten Auflagen vor seiner zweijährigen Pause zur Farce. Nun wird also wieder unter dem vielsagenden Titel „Bodensee Cup“ geboxt, das Box Team Langenargen, Sieger der ersten Auflage, wollte sich das Chaos nicht mehr antun, stattdessen wird Deutschland vom BC Kaufbeuren vertreten, eine Stadt im bayerischen Allgäu rund 100 Kilometer vom Bodensee entfernt.

Noch nicht einmal im Lager des BC Dornbirn war man einer Meinung, was die erneute Teilnahme am von den Eidgenossen initiierten Cup angeht – die Vorteile jedoch liegen freilich auf der Hand, wie alle Verantwortlichen der rot-weiß-roten Staffel bestätigen und auch von den Schweizern gepriesen wird: Das Ziel, den Boxsport im Bodenseeraum zu fördern, kann verfolgt werden, indem auf engstem Raum auf internationaler Ebene geboxt werden kann.

Wertungschaos

Wir erinnern uns: 2023 ging eine rühmliche Idee unrühmlich zu Ende, wie die NEUE damals titelte. Die Serie des Bodensee Cups wurde damals so beendet, wie sie sich in den letzten Jahren präsentiert hat: Als undurchsichtiges Gebilde, bei dem selbst die Verantwortlichen Tage später noch nicht wussten, wer eigentlich den Kampfabend und somit die Gesamtwertung der fünften Auflage gewonnen hat. Die Langenargener hatten an besagter Auflage schon gar nicht mehr teilgenommen.

Dornbirns Cheftrainer Toni Schrott hatte ein 9:8 für die Seinen errechnet, was wie 2017 den Gesamtsieg bedeutet hätte, doch der Zwei-Sterne-IBA-Coach wurde von den Schweizern eines Besseren belehrt und auf Platz zwei gesetzt. Der Dornbirner fühlte sich über den Tisch gezogen („Sie haben ihre eigene Rechnung aufgemacht.“) und hat dies nicht vergessen. Das für die Zuschauer wahrscheinlich Wichtigste: Die Kämpfe waren zumeist recht unterhaltsam und teilweise auch hochklassig. Der Wermutstropfen auch hier: Es wurde nicht einmal klar publiziert, welche Kämpfe in die Wertung gelangen sollten. Auch diesmal gilt: Bei dem Teamwettbewerb werden pro Kampftag sechs Wertungskämpfe ausgetragen. Der Großteil des Nachwuchses der jeweiligen Gastgeber tritt im Rahmenprogramm an.

Auf was in der Vergangenheit ebenfalls nicht geachtet wurde: Dass ein Boxer zuerst für Österreich und in der nächsten Begegnung für Deutschland antrat. ­Dies alles machte den Wettbewerb nur unglaubwürdig – auch wenn viele Boxfans schlichtweg guten Boxsport sehen wollen. Dies, und auch die Stimmung in der Schorenhalle, scheint beim ersten Blick auf die heutige Fightcard fast garantiert.

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So sieht Motivation aus: Die Boxer vom BC Dornbirn sind bereit für den heutigen Bodensee Cup.

Prämie ja oder nein?

Acht heimische Faustkämpfer – Stanislav Moshenets (bis 46 kg), Jamale Kitole (bis 70 kg), Dragan Mikulovic (bis 52 kg), Srdjan Barjamovic (bis 65 kg), Isa Nadaev (bis 80 kg), Mohammad Sadiq Hekmat (bis 60 kg), Bedirhan Sariay (bis 80 kg) und Alu Abubakarow (bis 75 kg) – werden ab 19 Uhr in den Ring klettern, zum Abschluss des Kampf­abends werden die mit Abstand erfahrensten Boxer ihr Können zeigen: neben Lokalmatador Abuba­karow der Bruder des zuletzt in der Schorenhalle triumphierenden Profiboxers Edin, Esad Avdic, sowie Aliev Shinasi (beide BC Innsbruck). Freilich wieder ein Verdienst von Suleyman Kubat, dem Sportdirektor des Boxclub Steinadler (vormals BC Unterberger), der seit Jahren bei der Erstellung der Fightcard eng mit Toni Schrott zusammenarbeitet.

„München war der große Macher damals, mal haben ihre Boxer für den, mal für den anderen geboxt. Ich hätte den Cup nicht wieder aufgerollt. Aber natürlich ist die IBK (Internationale Bodensee-Konferenz; Anm.) völkerverbindend, alle Boxer aus Österreich, die im Nationalkader sind oder waren, haben Bodensee Cup geboxt. Ich weiß aber nicht, ob es wie bei der ersten Auflage eine Prämie für die teilnehmenden Vereine gibt“, sagt Toni Schrott, der weiß: „Die Reputation einer Veranstaltung liegt an den Boxern, die daran teilnehmen.“ Und fügt hinzu: „Ich gehöre der Generation an, die die kritisieren, die zwei Generationen nach ihr kommen. Viele Eltern von heute lassen ihre Kinder keinen Baum mehr raufklettern, dann ist klar, wie die Kinder reagieren, wenn es schief geht. Und natürlich ist der Ausländeranteil bei uns hoch, der Anteil ist in den Schulen groß, wieso sollte er es dann nicht bei uns sein?“

Verantwortung

Bei den zuletzt durchgeführten nationalen Nachwuchsmeisterschaften in Wels holten die Brüder Dragan und Ljubisa Mikulovic zwei Mal Silber für den BC Dornbirn, „wir hätten freilich wieder zehn Boxer schicken können, aber warum soll ich jemanden mitnehmen, der an drei von zehn Trainingseinheiten teilnimmt? Das sehe ich als Affront gegen den Trainer“, wird das Trainerurgestein gewohnt deutlich („Ich habe gegenüber den Boxern auch eine gewisse Verantwortung.“). Toni Schrott wird deshalb auch immer wieder vom nationalen Boxverband, der sich nun auch World Boxing angeschlossen hat (um die Chance auf Olympia 2028 zu erhalten), mit dem Nationalteam und seinem Chefcoach Roberto Ibanez Chavez auf Reisen geschickt, so zuletzt zum größten Amateurturnier der Welt nach Sofia oder auch zum Schlagabtausch in Debrecen, wo sich das Quintett mit Emin Yildiz, Arsen Chabyan, Lucky Aimufua, Ahmed Hagag sowie dem WM-Dritten, Michael Fares Derouiche, achtbar schlug.

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Endlich viel mehr Platz: Jürgen König in den neuen Räumlichkeiten für den BC Dornbirn in der Mittelschule Haselstauden.

Viel mehr Platz

Dass sich der Dornbirner Nachwuchs einmal auf diesen Weg begeben kann oder zumindest der Boxhochburg Wien Paroli wird bieten können, dafür sollen heuer endlich die neuen Räumlichkeiten in der Mittelschule Haselstauden sorgen. Dort, wo die Blasmusik Haselstauden ihre Heimat hatte, sollen noch dieses Jahr zwei Bodenringe und im besten Fall Duschen installiert werden. „Wir haben dann insgesamt etwa drei Mal so viel Platz, die mündliche Zusage der Stadt Dornbirn haben wir“, sagt Vorarlbergs Box­legende und BC-Dornbirn-Obmann Jürgen König. Noch sei kein Vertrag unterschrieben, noch müsse der Umbau vonstattengehen, der Liechtensteiner Skiverband hat sich dennoch schon für ein ­Training zur Vorbereitung auf die neue Skisaison angemeldet. Oder auch die VHS Hohenems mit einem Kurs für das Frauenboxen.

Jürgen König, der im Vorfeld darauf bestand, dass Salzburg und Tirol seinem Verein mit Aktiven aushelfen dürfen, sieht den Bodensee Cup positiv, das Oberhaupt des Vereins denkt dabei freilich auch an die Finanzen: „Durch den Cup haben wir zwei Heim- und zwei Auswärtskämpfe garantiert und machen den Boxsport in unseren drei Ländern wieder aktiver. Die Kosten für einen Kampfabend sind hoch, und sie sind noch höher, wenn wir eine Mannschaft aus Italien oder Tschechien kommen lassen.“

Von Jochen Dedeleit