Bei den Ulmers auf die Schaufel geschaut

Hintergrund. Vom 20. bis 24. Juli haben Stefan und Martin Ulmer im Eissportzentrum Oberthurgau in Romanshorn erneut ihr Ulmers Skills Camp für Kinder der Jahrgänge 2013 bis 2018 durchgeführt. Ein Lokalaugenschein.
Donnerstag, 23. Juli, 9.35 Uhr. Gerade eben haben die 24 Kinder, die beim Ulmers Skills Camp im Eissportzentrum Oberthurgau in Romanshorn teilnehmen, unter Anleitung von Stefan und Martin Ulmer sowie Martin Mairitsch die morgendliche Aufwärmeinheit beendet. Jetzt gilt es für die Kids, sich für das anstehende Eistraining umzuziehen. Ein paar Meter weiter in der Trainerkabine gönnen sich die Trainer noch schnell einen Kaffee, was Martin Mairitsch möglich gemacht hat: Als Hausherr, er ist der Headcoach der Pikes EHC Oberthurgau, hat er den Zugang zur Heimtrainer-Kabine organisiert. Bevor sich auch die drei Trainer bereit fürs Eistraining machen, erklärt Stefan Ulmer an der Taktiktafel nochmals im Detail die Übungen, die gleich umgesetzt werden: Heute steht am Vormittag das Stickhandling auf dem Plan.
Zehn Stunden am Eis
Die Kinder werden je nach Können in drei Gruppen aufgeteilt, damit orientieren sich die Übungen nicht nur an den Voraussetzungen der Kinder, die Trainer haben aufgrund der überschaubaren Gruppengrößen auch die Möglichkeit, individuell auf die Kinder einzugehen. „Eigentlich wäre das Stickhandling ein so wichtiges und komplexes Thema, dass wir diesem Trainingsschwerpunkt allein eine ganze Woche oder noch mehr widmen könnten“, betont Camp-Initiator Stefan Ulmer, „aber es ist uns wichtig, dass wir das Camp in kompakter Form abwickeln, damit die Kosten überschaubar bleiben.“ 399 Euro kostet die Teilnahme am fünftägigen Camp mit je neun Eistrainingseinheiten und neun Off-Ice-Trainingsblocks.
In Summe stehen die Kinder über zehn Stunden am Eis, für das Off-Ice-Training sind rund sieben Stunden eingeplant. Zudem ist das Mittagessen inkludiert. Das Camp, das mit Ausnahme des Abschlusstags in Vormittags- und Nachmittagseinheiten gegliedert ist, richtet sich an Kinder der Jahrgänge 2013 bis 2018, die bereits in Vereinen spielen. „Es darf Niveauunterschiede zwischen den Kindern geben, darum stehen bei jeder Trainingseinheit mehrere Trainer auf dem Eis. Aber die Basics müssen die Kinder bereits können, weil das ja kein Anfängerlehrgang ist“, erklärt Stefan Ulmer weiter.


Schwerpunkte
Neben den beiden Ulmer-Brüdern und Martin Mairitsch gehört auch Goalietrainer Philipp Hollenstein zum Trainerteam beim Skills Camp der Ulmers. Jeder der fünf Camptage hat einen Schwerpunkt.
Ganz viel Wert wird auf das Eislaufen gelegt, wie Martin Ulmer erklärt: „Die Schweizer Eishockeynationalmannschaft macht es uns seit vielen Jahren vor, wie wichtig das Eislaufen ist. Die Nati gehört schon lange eisläuferisch zur Weltspitze, jetzt, wo sie immer noch mehr individuelle Qualität dazubekommen, sind sie auf Augenhöhe mit den großen Eishockeynationen – und teilweise sogar schon einen halben Schritt voraus. In Österreich wird viel zu spät und auch dann viel zu wenig Wert auf das Eislaufen gelegt.“ Sein Bruder Stefan nickt, dann fügt Martin an: „Wir sind der Meinung, dass du gar nicht zu früh mit der Eislaufschule beginnen kannst. Denn wenn die Kinder eine falsche Eislauftechnik lernen, dann kannst du das später fast nicht mehr korrigieren.“


Spaß haben
Martin Ulmer wohnt eigentlich längst in Salzburg, kehrt aber für das Camp immer eine Woche in seine Vorarlberger Heimat. Dass Martin Mairitsch dieses Mal auch dabei ist, ist nicht nur menschlich eine Verstärkung, sondern auch fachmännisch. Als jahrelanger Profi, mit Salzburg und Linz wurde er in Summe drei Mal Meister und nunmehriger Head Coach, der im Nachwuchs seine Trainerlaufbahn begonnen hat, weiß Mairitsch genau, worauf es ankommt: „In einem Sommercamp wie diesem ist es wichtig, die Kinder zu fordern, damit sie Spaß haben und sie merken, dass sie was dazulernen. Aber du darfst die Kinder nicht überfordern und das Training mit Inhalten überladen.“
Stefan Ulmer unterstreicht mit einem „genau so ist es“ die Aussagen von Mairitsch, der übrigens gleich die jüngsten Campteilnehmer anleiten wird. Martin Ulmer erklärt, während er die Schnürsenkel seiner Schlittschuhe schnürt: „Wir müssen in Österreich dahin kommen, dass im Nachwuchs echte Top-Trainer arbeiten. Im Moment ist es speziell in den unteren Jahrgängen so, dass diejenigen Trainer sind, die es für ganz wenig Geld machen. So wirst du nie eine Breite im Nachwuchs bekommen.“
Kurventechnik
Jetzt ist es 9.50 Uhr. Zeit für die drei Trainer, aufs Eis zu gehen. Zu Beginn erklärt Stefan Ulmer, welche Übungen anstehen, dann umkurven die Kids zum Beispiel Hindernisse und schließen den Sprint mit einem Torschuss ab, damit auch die Goalies involviert sind. Als ein Junge über die Stränge schlägt und mehrere Pucks absichtlich auf die Bank schlenzt, greift Stefan Ulmer ein und verdonnert den übermütigen Crack dazu, zehn Mal vom Eis über die Bande zu klettern und anschließend alle Pucks auf der Bank einzusammeln. Der Junge hat seine Lektion gelernt und entschuldigt sich für seinen Schabernack. „Das war keine gute Idee“, sagt er und kehrt zurück aufs Eis, wo die Kinder sichtlich Spaß am Training haben. Nicht alle Kinder sind die gesamte Woche über bei dem Camp dabei, die Tage sind bei Bedarf auch einzeln buchbar. Viele Kinder stammen aus den Kadern des grenzüberschreitenden Nachwuchsprojekts Rheintal Future, wo Stefan Ulmer der Headcoach der U14 ist.
Das Sommercamp findet auch deshalb ganz bewusst nicht in Dornbirn statt: „Mal ganz abgesehen von der Verfügbarkeit von Eiszeiten in Vorarlberg ist es auch wichtig, dass die Kinder bei einem Sommercamp in einer anderen Umgebung als im Trainingsalltag bei ihrem Verein sind. Das steigert die Neugier und bringt Abwechslung“, verdeutlicht Stefan Ulmer nach der 75-minütigen Eiseinheit und erklärt, dass das Ulmers Skills Camp kein Projekt von Rheintal Future ist: „Es sind auch mehrere Kinder von anderen Vereinen dabei.“


Ausblick
Das Sommercamp soll auch nächstes Jahr stattfinden, weiter wachsen soll es nicht, wie Initiator Stefan Ulmer verdeutlicht: „Wir brauchen eine Gruppengröße wie in diesem Jahr, um die Kosten abzudecken, bei mehr Kindern würden uns zwar ein paar Euro übrig bleiben, aber dann leidet die Trainingsqualität. Für uns ist das Camp eine Herzensangelegenheit. Wir wollen dem Eishockeysport, dem wir so viel verdanken, was zurückgeben und nicht unser Urlaubsgeld aufbessern.“ Urlaub ist in zweierlei Hinsicht ein gutes Stichwort, wie Martin Ulmer anmerkt: „Viele Sommercamps finden als Trainingslager im Ausland statt, das heißt, die Kinder sind teils mehrere Wochen von zu Hause weg. Das kostet den Eltern nicht nur viel Geld, sondern überfordert gerade die jüngeren Kinder noch sehr. Wir meinen, dass das mit den langen Auswärtsreisen noch früh genug kommt.“
Und warum ist Urlaub noch in zweiter Hinsicht ein gutes Stichwort? „Weil ich während des Camps wieder Mamas Küche genießen kann“, fügt er lachend an. Die Mama bleibt eben die Mama und so ein bisschen Kind steckt hoffentlich noch in vielen von uns, das hilft gerade auch bei der Förderung der Hoffnungen von morgen.