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Wie wir 2040 unser Zuhause heizen werden

03.03.2021 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Wie wir 2040 unser Zuhause heizen werden

Österreich plant Ausstieg aus fossilen Energieträgern.

Lässt sich jedes Gebäude auf eine nachhaltigere Heizung umbauen?
Einige Pilotprojekte und Modellrechnungen von Experten zeigen, dass es für jeden Standort und jede Art von Gebäude eine gangbare technische Lösung gibt, auf eine umweltfreundlichere Heizung umzustellen. „Die Herausforderung wird sein, für jeden Haushalt die beste Lösung zu finden“, sagt Klaus Wolfinger vom Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft.

Auf welche Arten von Heizungen kann man umstellen?
„Es gibt keine Patentlösung, die zu jedem Gebäude und jedem Wohnort passt“, sagt Wolfinger. Fernwärme sei im städtischen Raum und an der Peripherie eine gute Möglichkeit. Der flächendeckende Ausbau in ländlichen Gebieten sei allerdings weder wirtschaftlich noch möglich. Dort sei aber ein guter Einsatzort für Pelletsheizungen, da die Lieferung des Brennstoffs besser möglich ist als in der dicht besiedelten Stadt. Auch die Verwendung anderer Biomasse zur Energiegewinnung sei ein Thema, wie es schon einige Nahwärmeanbieter aufgreifen. „Die größte Hoffnung ruht allerdings auf Wärmepumpen, die bei der Effizienz in den letzten Jahren immer besser geworden sind“, sagt Wolfinger.

Was sind die Vorteile von Wärmepumpenheizungen?
Sie nutzen die thermische Energie in Luft, Erde oder Wasser, um das Haus zu beheizen, insofern sind die laufenden Kosten niedrig. Da es keinen Verbrennungsvorgang gibt, ist der Betrieb bis auf den Strom zum Betreiben der Pumpe CO2-neutral. Je nach Art des Systems, kann es die Räume nicht nur im Winter heizen, sondern auch im Sommer kühlen. Dem gegenüber stehen höhere Anschaffungskosten und möglicherweise zusätzliche Dämmungsmaßnahmen wegen der Geräuschentwicklung der Wärmepumpe.

Auf diese Heizsysteme wird umgerüstet

Laut Energieagentur gibt es in Österreich rund 3,9 Millionen Heizungen. Davon entfallen rund 29 Prozent auf Fernwärme, etwa 19 auf Biomasse und circa 8 Prozent auf Solarthermie und Wärmepumpen.
Fern- und Nahwärme. In Heiz- oder Blockheizkraftwerken wird Energie erzeugt, mit der Wasser erwärmt wird, das über Leitungen in die Haushalte gelangt. Kleinere Anlagen arbeiten auch mit Sonnenenergie, Biomasse oder Erdwärme.
Biomasseheizungen. Diese Systeme werden mit regenerativen Brennstoffen betrieben. Zum Beispiel Pellets, Hackschnitzel, organische Bioabfallprodukte (Pferdemist, Kuhdung) oder landwirtschaftliche Nebenprodukte wie Erntereste.
Wärmepumpen. Diese Systeme entziehen der Umwelt (Luft, Wasser oder Erde) Wärme und heben sie mittels Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau an, um damit Gebäude oder das Wasser aufzuheizen. Manche Wärmepumpen können im Sommer auch als Klimaanlage das Haus kühlen.

Kann man auch Altbestand auf Systeme mit Wärmepumpe umrüsten?
„Es ist nicht für jedes Gebäude die ideale Lösung, aber prinzipiell ist das Nachrüsten auch in älteren Häusern möglich“, sagt Wolfinger. Auch ließen sich nicht nur Einfamilienhäuser auf Systeme mit Wärmepumpen umrüsten, sondern sogar Mehrparteienhäuser aus der Gründerzeit mit zehn bis 20 Wohnungen. In Wien gibt es dafür bereits beispielhafte Projekte, auch Wärmepumpen in Verbindung mit Erdsonden wurden bereits realisiert.

Was kostet die Umrüstung auf eine neue Heizung?
Diese Frage kann man genauso wenig pauschal beantworten wie die nach dem besten Heizungssystem. Aber es gibt Richtwerte: „Ist die Fernwärme in einem städtischen Mehrparteienhaus schon direkt vor der Haustüre, kommt man auf Kosten von rund 70 Euro pro m2. Das entspricht etwa 5000 Euro pro Wohnung“, rechnet Peter Holzer vom Institute of Building Research and Innovation vor. Die Heizkörper können in diesem Fall weiterverwendet werden, zusätzliche Kosten könnten anfallen, weil längere Leitungen zu Buche schlagen. Beim Wechsel auf eine zentrale Wärmepumpe beginnen die Tarife bei 90 Euro pro m2.

Öl- und Gasheizungen

In Österreichs Haushalten sind derzeit 626.109 Ölheizungen in Betrieb, davon 101.659 in der Steiermark und 62.511 in Kärnten.
Der Plan für den verpflichtenden Austausch der Ölheizungen von Seiten der Bundesregierung sieht vor, dass seit vergangenem Jahr keine in Neubauten mehr installiert und ab heuer bei einem Heizungswechsel nicht mehr auf diese Technologie umgestiegen werden darf. Ab 2025 müssen Ölkessel, die älter als 25 Jahre sind, ausgetauscht werden, ab 2035 alle in ganz Österreich. Allerdings ist dieser Fahrplan in den Gesetzgebungen der Bundesländer noch nicht umgesetzt.
In 913.451 Liegenschaften wird noch mit Gas geheizt – 47.359 in der Steiermark und 7492 in Kärnten. Für den verpflichtenden Austausch der Gasheizungen gibt es noch keinen verbindlichen Zeitplan.
Mit dem staatlichen „Raus aus Öl und Gas“-Bonus gibt es für Private 2021 und 2022 bis zu 5000 Euro Förderung für den Tausch des Heizsystems. Zusätzlich können noch Förderungen der Bundesländer beantragt werden. www.umweltfoerderung.at

Gibt es für den Umstieg Förderungen?
Derzeit wird ein Fördertopf in der Höhe von 400 Millionen Euro vom Bund für den Tausch von Öl- und Gasheizungen zur Verfügung gestellt. Zudem gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten. Es ist also weder einheitlich noch einfach: „Gefragt wäre die Einrichtung von One-Stop-Shops, wo Förderungen zentral eingereicht und abgewickelt werden können“, sagt Wolfinger.

Was passiert, wenn sich ein Wohnungseigentümer in einem Mehrparteienhaus bei der Umrüstung querlegt?
Darin ortet Wolfinger ein Problem, denn nach geltender Rechtslage ist es möglich, dass Parteien im Haus nicht mitziehen. „Es wäre schildbürgerlich, deshalb mehrere Heizsysteme im Haus zu haben, und auch die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts wird gefährdet. Da muss der Staat rechtzeitig die rechtlichen Weichen stellen.“