Zum Tod von Rudi Spring

Abschied von einem für die Musik brennenden Menschen
Komponist, Pianist und Pädagoge Rudi Spring, der am 17. März 1962 in Lindau zur Welt kam, ist kurz nach Weihnachten am 28. Dezember in München an einem Herzinfarkt verstorben. Die Familie mit seiner Frau Ursula und den beiden Söhnen Ferdinand und Sebastian, viele Musikerinnen und Musiker, die mit ihm über Jahrzehnte eng verbunden waren oder denen er als Honorarprofessor an der Münchner Musikhochschule Augen und Ohren für die Welt des Liedgesangs öffnete, müssen Abschied nehmen von einem unverwechselbaren und außergewöhnlichen Menschen.
Vorarlberger Landeskonservatorium
In einem kleinen Reihenhaus in Lindau-Aeschach ist Rudi Spring aufgewachsen, der erste Klavierunterricht bei Elisabeth Mayer und der Musikunterricht durch Alfred Kuppelmayer am Bodenseegymnasium setzten früh Impulse. Als in den 1970er Jahren das Vorarlberger Landeskonservatorium gegründet wurde, pendelte er regelmäßig nach Bregenz, kam durch Günther Fetz zur Orgel und zur Kunst der Improvisation und musizierte bereits als Schüler mit dem Meistercellisten Heinrich Schiff. Studiert hat Rudi Spring dann an der Musikhochschule in München, der er seit 1999 als Lehrbeauftragter in der Fachgruppe Liedgestaltung verbunden blieb.
Unvergesslich
Unvergessen für die Lindauer Musikfreundinnen und Musikfreunde sind seine Kammermusik- und Soloabende, in denen er gemeinsam mit dem Wiener Geiger Erich Höbarth, seinem Trio „Così fan Tango“ oder vor wenigen Jahren mit dem Tenor Julian Prégardien auftrat. In Solorecitals und auch in CD-Aufnahmen tauchte er tief ein in die Werke von Johann Sebastian Bach und seinem Sohn Carl Philipp Emanuel und nahm die Hörenden mit in den ungeheuren Kosmos von Schuberts Musik. Unvergessen auch deshalb, weil Rudi Spring in seinen Programmen Zusammenhänge schuf, die immer wieder verblüfften und die er mit der ihm so eigenen übersprudelnden Art zu vermitteln wusste. Entdeckerfreude, Akribie in der Recherche und im Umgang mit den eigenen Werken, die er oft mehrfach überarbeitete, Begeisterungsfähigkeit und die Kunst, diese vermittelnd weiterzutragen, gehörten zu Rudi Springs Wesen. Dazu die Liebe zum Text, zur Lyrik, die in wunderbar durchkomponierten Liedprogrammen und natürlich in zahlreichen eigenen Liedvertonungen zum Ausdruck kam.
Kulturpreis der Stadt Lindau
Rudi Spring erhielt 2012 als erster den Kulturpreis der Stadt Lindau – das ist nur eine von zahlreichen Auszeichnungen. Er hinterlässt ein umfangreiches und facettenreiches Gesamtwerk für verschiedenste Orchester- und Kammermusikbesetzungen, Vokalmusik und Bearbeitungen. Zum 60. Geburtstag vor knapp vier Jahren erschien ein Buch, das sein Wirken als Komponist, Pianist und Pädagoge beleuchtet und würdigt. Wolfgang Steger, einer der Herausgeber und lebenslanger Freund des Verstorbenen, schreibt: „Rudi Spring hat auf die großen Fragen der Musikgeschichte der vergangenen 120 Jahre nach dem Ende der tonalen Epoche eigenständige und faszinierende Antworten gefunden. Seine Musik braucht offene, aufmerksame Hörer, um all ihren Facettenreichtum zu erschließen, lässt sich aber gleichzeitig sehr unmittelbar erleben.“ Und die Münchner Musikhochschule würdigt ihn mit den Worten: „Wir verlieren mit Prof. Rudi Spring einen vielseitigen, unbeirrbaren Künstler und engagierten Pädagogen, der vielen als leidenschaftlicher Klangmensch, höchstgebildeter Pianist, empathischer Liedbegleiter und Finnland-Kenner in Erinnerung bleiben wird.“
Katharina von Glasenapp