Er leistet vollen Einsatz für eine schneefreie Autobahn

Benjamin Wanger und seine Kollegen der Asfinag sorgen für die Schneeräumung auf der A14. Die NEUE am Sonntag fuhr beim Winterdienst mit.
Sobald Schnee fällt, muss es schnell gehen. Wenn Benjamin Wangers Telefon klingelt und Verstärkung beim Winterdienst gefragt ist, macht er sich direkt auf den Weg. Wo manch ein Berufstätiger mit einem Bürojob vielleicht aufstöhnen würde, freut sich der 27-Jährige: „Die Spontanität in meinem Job gefällt mir.“ Er ist Vorarbeiter beim Autobahn- und Schnellstraßenbetreiber Asfinag und Teil des Teams, das im Winter die A14 und die S16 von Schnee und Eis befreit. Rund um die Uhr tragen Wanger und seine Kollegen dazu bei, dass alle Fahrzeuglenker auch bei dichtem Schneefall sicher an ihr Ziel kommen. Die NEUE am Sonntag begleitete ihn bei einer Fahrt im Winterdienst.
Passion für schwere Fahrzeuge
Die Leidenschaft für tonnenschwere Fahrzeuge wurde dem 27-Jährigen quasi in die Wiege gelegt. „Ich bin in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Mein Papa hat mich praktisch von Tag Null an auf dem Traktor mitgenommen“, erzählt Wanger während der Fahrt mit einem rund 20 Tonnen schweren Räum- und Streufahrzeug. Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Wenn ich nicht mitfahren durfte, war ich das böseste Kind auf der ganzen Welt. Aber wenn es morgens beim Frühstück hieß, dass mich der Papa mitnimmt, habe ich die Arbeitskleidung schon in der Schule getragen. Traktoren und Lkw – das ist mein Leben.“

Nach Abschluss der Landwirtschaftsschule in Hohenems und einer Lehre zum Tischler arbeitete Wanger ein Jahr lang im Betrieb der Familie, ehe er über eine Kundschaft im Oktober 2020 zur Asfinag kam. Seit Mitte des letzten Jahres ist der gebürtige Schlinser in seiner jetzigen Position am Asfinag-Stützpunkt in Bludesch-Gais tätig. Dort fällt neben Mäharbeiten, Baustelleneinrichtung oder Unfallstellensicherung in der Wintersaison auch der Räum- und Streudienst an.
Eigener Wetterbericht
Wanger fährt nicht nur selbst mit Schneepflug und Streumaschine, sondern wirkt auch in der Planung der Winterdienste mit. „Wir haben einen eigenen Asfinag-Wetterbericht, der uns sagt, mit wie viel Schnee wir zu rechnen haben. Entsprechend teilen wir die Fahrt- und die Bereitschaftsdienste ein“, führt er aus. Letztere sorgen dafür, dass die Autobahn auch dann geräumt wird, wenn Mitarbeiter spontan ausfallen oder wenn mehr Schnee fällt, als in den Prognosen vorhergesagt wurde. So können spontane Anrufe – wie eingangs geschildert – zustande kommen. „Wenn es stark schneit, fahren wir in möglichst dichten Intervallen – so schnell wie möglich, so viel wie möglich. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um die Autobahn samt den Auf- und Abfahrten zu räumen und zu streuen“, erklärt Wanger. Bei der Fahrt mit der NEUE am Sonntag ist die Lage weniger stressig: Die Sonne scheint, die Fahrbahn ist vom Schnee befreit. Darum kann der Vorarbeiter dieses Mal den Pannenstreifen streuen. Im von ihm beschriebenen Ernstfall konzentrieren sich die Asfinag-Mitarbeiter auf die Räumung der Hauptfahrbahn.

Der Vorarlberger Teil der Asfinag mit der Autobahnmeisterei Hohenems und dem Stützpunkt in Bludesch ist für die ganze Länge der A14 zuständig. Um die S16 kümmert sich der Stützpunkt in Langen am Arlberg, der einer Tiroler Autobahnmeisterei untersteht. Wenn Not am Mann ist, helfen sich die Mitarbeiter der einzelnen Standorte gegenseitig
Unimog springt ein
Insgesamt vier Fahrzeuge kommen im Winterdienst auf der A14 zum Einsatz: Zwei Lkw mit reinem Frontpflug sowie zwei Lkw mit Front- und Seitenpflug. Alle sind mit einer zusätzlichen Vorrichtung zum Salzstreuen ausgestattet. Darüber hinaus stehen dem Winterdienst noch Unimog-Fahrzeuge als Reserve zur Verfügung. „Kürzlich ist beim Seitenpflug des Lkw, mit dem wir jetzt gerade unterwegs sind, ein Hydraulikschlauch gerissen. Dank des Unimog konnten wir trotzdem weiterfahren. Tagsüber haben wir das Problem behoben, um nachts wieder startklar zu sein“, schildert Benjamin Wanger, als er auf den Ambergtunnel zufährt.

Beim Tunnelportal wendet er auf der ausschließlich dem Straßendienst und Einsatzfahrzeugen zugänglichen Rampe. In der Steigung merkt der 27-Jährige, dass der Lkw leicht ins Rutschen gerät. „Der Boden hier ist über Nacht ganz schön angefroren. Wenn hier in der Steigung der Lkw wegrutscht, geht einem ganz schön die Pumpe“, gibt er zu. Per Knopfdruck erhöht Wanger an der besonders vereisten Stelle die Dosierung des Salzes. „Grundsätzlich arbeiten wir nach dem Prinzip: So wenig Salz wie möglich, so viel Salz wie nötig. Die Sicherheit geht aber in jedem Fall vor.“
Unfreundliche Autofahrer
Auf der Rückfahrt beantwortet Benjamin Wanger die Frage, wie Autofahrer auf ihn und seine Kollegen reagieren, wenn sie im Winter-Einsatz sind. „Ich verstehe die Autofahrer. Wir sind – je nachdem, wie viel Schnee auf der Fahrbahn liegt – mit 40 bis 50 km/h und zwei Räumfahrzeugen parallel auf der Autobahn unterwegs. Aber die Autofahrer müssen uns auch verstehen – wir räumen, damit sie sicher unterwegs sind. Es gibt Verkehrsteilnehmer, die alles versuchen, um an unseren Räumfahrzeugen vorbeizukommen. Das ist gefährlich, denn vor uns ist ja meistens Schneefahrbahn. Mein Appell wäre einfach: Nehmt Rücksicht!“

Es gebe unterschiedliche Rückmeldungen: „Wenn wir am Ende der Schneeräumung zu Seite fahren, kriegen wir von manchen den Stinkefinger gezeigt. Es gibt aber auch liebe Autofahrer, die den Warnblinker einschalten und sich bedanken.“ Wanger lässt sich von unfreundlichen Verkehrsteilnehmern nicht beirren. Seinen Job übt er gerne aus: „Es gibt nichts Schöneres als den Winterdienst. Wir sehen die Autofahrer als unsere Kundschaft und geben 120 Prozent für sie.“