„Klar haben wir uns das anders vorgestellt“

Schwarz-Weiß Bregenz steht vor einem wegweisenden Frühjahr in der 2. Liga. Sportdirektor Predrag Zivanovic im Interview.
Herr Zivanovic, wie lange haben Sie eigentlich das Amt des Sportdirektors bei SW Bregenz inne?
Predrag Zivanovic: Erst war ich im Vorstand tätig und um den Dreh 2020/21 bin ich Sportdirektor geworden. Im Verein selbst bin ich seit etwa 25 Jahren – mit kurzen Unterbrechungen.
In 25 Jahren passiert natürlich sehr viel. Wie geht es Ihnen derzeit in diesen doch recht herausfordernden Zeiten? Gibt es schlaflose Nächte?
Zivanovic: Ja natürlich. Speziell wegen der sportlichen Situation. Im letzten Frühjahr, wie alle wissen, hat für uns eine Negativserie begonnen, die sich dann auch leider über den Sommer hingezogen hat. Klar haben wir uns das anders vorgestellt. Wir waren der Meinung, dass wir mit den Sommerzugängen den sportlichen Negativlauf beenden können. Das war nicht der Fall. Wir mussten uns dann im September leider von Trainer Regi van Acker trennen, weil es so nicht weitergehen konnte. Dann haben wir mit Andreas Heraf einen alten Bekannten verpflichtet und es war schon in den ersten Spielen eine Veränderung zu sehen. Wir haben manche Partien unglücklich verloren, waren dem Gegner aber zumindest ebenbürtig. Das war, wenn man so will, sehr beruhigend. Und am Ende des Jahres konnten wir mit den Siegen gegen St. Pölten und die Vienna zwei Ausrufezeichen setzen.
Also steht für Sie die Mission Klassenerhalt unter einem guten Stern?
Zivanovic: Wir versuchen, mit minimalen Verstärkungen und im Rahmen unserer Möglichkeiten, das Beste herauszuholen. Und der ganze Verein, der Staff und ich sind davon überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden. Wir sind guter Dinge, dass sich alles Schritt für Schritt in die Richtung entwickelt, die wir uns vorstellen.

Ist der Spielbetrieb bei SW Bregenz auch wirtschaftlich abgesichert? Es gab viele Gerüchte in letzter Zeit, und die Finanzen sind ja ein wiederkehrendes Thema.
Zivanovic: Ja, und ich glaube dazu habe ich schon genug Stellung bezogen. Ich glaube, da muss nicht SW Bregenz eine Titelseite bekommen. Ich glaube, dass in der zweiten Liga die meisten Vereine die Überschrift tragen, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Nicht wenn man über den aktuellen Monat spricht, sondern wenn man über längere Zeit planen will. Wenn man weiß, dass der ÖFB die Schiedsrichterkosten in der Saison 2026/27 nicht mehr übernimmt, wenn man sieht, wie die Beiträge im Spitzensport schrumpfen, wenn du während der Budgetplanung informiert wirst, dass 50 Prozent der Förderungen wegfallen – das sind einschneidende Faktoren. Der ein oder andere will das vielleicht nicht wahrnehmen, aber der Apparat der 2. Liga muss sich ernsthafte Gedanken machen. Es geht generell um den Verbleib des Profifußballs in der 2. Liga. Aber wir bei SW Bregenz können und werden alle Anforderungen erfüllen. Auch der sportliche Aspekt hat selbstverständlich höchste Priorität. Es nutzt alles nichts, wenn wir es sportlich nicht schaffen.
Stripfing ist aus der Liga ausgeschieden, die größten Vereine der Welt verschulden sich massiv. Was bedeutet es Ihrer Meinung nach, heutzutage einen Profiverein zu führen?
Zivanovic: Im oberen Bereich hat das alles Dimensionen angenommen, die wir uns nicht vorstellen können. Real Madrid macht zum Beispiel ein Angebot von 500 Millionen und will Erling Haaland holen. Aber wenn wir in Österreich bleiben – es gibt schon den ein oder anderen Widerspruch. Irgendwann einmal war die 2. Liga ein Semi-Profibetrieb mit Schülern, Studenten und so weiter. Da hat sich der Fußball einfach weiterentwickelt. Dann haben sich Bestimmungen in der Zulassung, in der Lizenzierung geändert. Es gibt Vorgaben die besagen, das du 20 Nicht-Amateure im Kader haben musst. Das bedeutet wiederum, sie müssen voll angestellt sein, bekommen durch den Mindestkollektivvertrag 1800 Euro brutto. Das ist vorgegeben. Wenn man jetzt einen 20-, 21-Jährigen hernimmt – mit diesem Geld ist es in der Berufswelt kaum möglich zu überleben. Und wenn du als Verein in der 2. Liga von Sponsorengeldern und Förderungen abhängig bist – diese Rechnung geht nicht auf. Aber man merkt an der Bundesliga, dass an Lösungen gearbeitet wird. Daher wäre es fatal, wenn ich versuchen würde, Lösungsansätze vorzuschlagen. Weil die Bundesliga ja selbst kämpft und versucht herauszufinden, was das Beste wäre. Macht man eine Ligareform, eine Zwölfer- oder Zehnerliga, splitten wir alles. Da gibt es unzählige Vorschläge. Wo man da konkret ansetzten müsste, ist extrem schwer zu sagen. Fakt ist: Die zweite Liga ist eine Profiliga und man muss schauen, wie man das bewerkstelligen kann. Es ist schwer, für die meisten Vereine.
Fehlt es also generell an Unterstützung für die Vereine?
Zivanovic: Das ist eine schwierige Frage. Wenn man die aktuelle wirtschaftliche Situation in Österreich betrachtet – man sieht es ja in den Schlagzeilen – viele gestandene Unternehmen gehen in Konkurs. Ein Fußballverein ist im Prinzip ja auch nichts anderes als eine Firma, nur leben wir nicht von Aufträgen, sondern von Sponsoren und Zuschauerzahlen. Sponsoren hängen mit Unternehmen zusammen und wenn diese Kürzungen vornehmen müssen, ist es einfach schwierig. Ein positives Beispiel ist der SCR Altach, der sich in 13 Jahren etwas aufgebaut hat, ein eigenes Stadion und Eigenkapital hat. Aber zu sagen, man kriegt keine Unterstützung, wäre falsch. An den drastischen Kürzungen zum Beispiel hängt ja nicht nur der Profifußball. Da geht es um den Nachwuchs und vieles mehr. Und das Ganze betrifft ja nicht nur den Fußball. Die meisten Sportarten sind davon betroffen und es ist für viele Vereine nicht einfach zu überleben. Da muss man ganz ehrlich sein.

Das klingt alles sehr mühsam. Haben Sie schon einmal überlegt hinzuschmeißen?
Zivanovic: Nun ja, es gibt schon diese Tage, als Vorstand vor allem. Die meisten machen das ehrenamtlich und gehen einem Beruf nach. Man muss Gelder aufstellen, haftet für den Verein. Natürlich kommt ab und zu der Gedanke, wo man sich selber fragt, ob das wirklich sein muss, ob es nicht einfacher auch geht. Ob es vielleicht jemand anders besser machen könnte, neue Ideen mitbringt. Und dann kommt das Fußballherz ins Spiel und man versucht, das Bestmögliche daraus zu machen. Aber ja, die Wochenenden sind verplant, das ist mit einer Familie nicht einfach. Dann sollte man ständig erreichbar sein und muss dann auch klarstellen, dass man noch Mensch ist und ein Privatleben hat. Man kann nicht 24/7 Vorstand und Sportdirektor sein. Und da, gerade für uns als kleiner Verein, wirkt sich die Verpflichtung von Andreas Heraf abermals positiv aus. Er ist sehr gut vernetzt, kennt Berater und Spieler und hat uns dahingehend schon oft unterstützt. Wir arbeiten gut zusammen und versuchen, gemeinsam die bestmöglichen Lösungen zu finden.
„Ob es jemand anders besser machen könnte“. Es soll bezüglich Ihrer Person Überlegungen in diese Richtung geben. Stimmt das?
Zivanovic: Nein. Ich bin in den Vorstand gewählt, ich bin mit einem anderen Kollegen Vizeobmann und in der GmbH einer von drei Geschäftsführern. Ich müsste mich wenn dann selbst rausschmeißen. Ich gebe solchen Gerüchten keinen Raum. Und wenn etwas daran sein sollte, wird das schlussendlich der Vorstand beziehungsweise ich selbst entscheiden und niemand anders.
Zum Abschluss: Wie sieht die Situation mit dem Kader für das Frühjahr aus? Laufen die Planungen zufriedenstellend und gibt es Neuigkeiten?
Zivanovic: Nun, drei Spielern, darunter Sebastian Dirnberger und Yannick Cotter, wurde nahegelegt, sich anderweitig zu orientieren. Das wissen sie und auch ihre Berater. Neuzugänge betreffend gibt es noch einen Spieler für die Innenverteidigerposition, bei dem wir auf die finale Zusage vom LASK warten. Wir haben ein Agreement, dass der Name erst veröffentlicht wird, wenn alles unter Dach und Fach ist. Dann kommen noch ein Offensivspieler und noch ein Verteidiger. Das ist derzeit der Status quo und unabhängig von den Vertragsauflösungen. Das ist der Plan. Eventuell könnte dann noch ein Spieler den Verein verlassen, aber das ist noch völlig offen.