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“Das habe ich noch nie erlebt” – Angebliche Vergewaltigung wirft viele Fragen auf

HEUTE • 15:03 Uhr
"Das habe ich noch nie erlebt" – Angebliche Vergewaltigung wirft viele Fragen auf
Die Angeklagte konnte die Tränen zwischenzeitlich nicht zurückhalten. NEUE/Frick

Eine 20-Jährige behauptet, sie sei letzten Frühling vergewaltigt worden. Nun muss sie sich dem Vorwurf der Falschaussage und Verleumdung stellen.

„Sie sehen selbst, dass das in sich nicht schlüssig ist“, sagt Richter Dietmar Nußbaumer zwischendurch zur Angeklagten.

Die Verhandlung gleicht einem zähen Ringen. Monate nach einer angeblichen Vergewaltigung zeigte die Geschädigte diese an. Dennoch galt laut einem Chatverlauf die große Sorge nach der Tat, warum der mutmaßliche Vergewaltiger sie geblockt habe.

Sie holte die “Pille danach” – bei der Polizei heißt es in Lienz, vor Gericht dann in Wien. Und die neue Freundin des mutmaßlichen Täters warnte sie laut Aussage vor ihm, dies wiederum vor der Anzeige. “Es entsteht der Eindruck, dass Sie eifersüchtig auf die neue Freundin sind”, bemerkt der Richter.

Immer wieder entstehen Pausen. Nachfragen wiederholen sich. Eine Zeugin wird einvernommen, die ebenfalls an der Geschichte der Angeklagten zweifelt.

Wohnung für Tat bereitgestellt

Laut der Angeklagten sei sie in der angeblichen Tatnacht mit Freunden unterwegs gewesen. Sie übernachtete bei einer anderen Frau. Als diese die Wohnung verließ, kam ein Freund in die Wohnung und soll die Angeklagte vergewaltigt haben. Minuten später kehrte die andere Frau zurück.

Tags darauf habe die Angeklagte die “Pille danach” besorgt. Sie habe Angst gehabt, auch vor der Polizei. Zu Hause hätte es ein Drama gegeben. Die Antwort: Sie schwieg.

Erst als sie von einer weiteren Freundin des mutmaßlichen Täters ähnliche Erlebnisse gehört habe, habe sie sich für eine Anzeige entschieden. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen – sie sei bereits mehrfach in ihrem Leben vergewaltigt worden – wollte sie dies anderen Frauen ersparen. Dass mit der Anzeige auch eine Untersuchung gegen die Bewohnerin der entsprechenden Wohnung einhergehe, hätte sie nicht gedacht.

Zeugin zweifelt

Einer Freundin erzählte sie im Februar 2025 von den früheren Vergewaltigungen. Doch diese zweifelte: Details klangen laut ihr unrealistisch. Daher konnte sie es nicht glauben, als die Angeklagte die angebliche Tat anzeigte.

Die Verteidigung beantragt eine Einvernahme weiterer entschuldigter Zeugen. Den Vernehmungsprotokollen entsprechend weisen diese mehrere Aussagen der Angeklagten zurück. Die Verhandlung wird auf unbestimmte Zeit vertagt.

(NEUE Vorarlbeger Tageszeitung)