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Telefonseelsorge hat einen neuen Leiter

07.02.2026 • 13:00 Uhr
Telefonseelsorge hat einen neuen Leiter
Symbolisch: Sepp Gröfler übergibt Raphael Latzer den Telefonhörer.Hartinger

Führungswechsel bei der Telefonseelsorge Vorarlberg: Nach 26 prägenden Jahren übergibt Sepp Gröfler an Raphael Latzer. Ein Nachfolger mit Erfahrung, klaren Werten und Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement, das die TS trägt.

Mit 2. Februar 2026 übernahm Raphael Latzer die Leitung der Telefonseelsorge Vorarlberg. Er folgt damit auf Sepp Gröfler, der die Organisation 26 Jahre lang geleitet und nachhaltig geprägt hat. Der Übergang ist bewusst gestaltet: Gröfler arbeitet seinen Nachfolger noch bis Ende Februar ein, bevor er endgültig den wohlverdienten Ruhestand antritt.

Telefonseelsorge hat einen neuen Leiter
Raphael Latzer und Sepp Gröfler im Gespräch mit der NEUE am Sonntag. Hartinger

Bauchgefühl

Für Latzer ist es kein Sprung ins kalte Wasser, sondern ein Schritt mit längerer Vorgeschichte. „Vor acht Jahren habe ich meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Telefonseelsorge begonnen und hatte genügend Zeit, mich mit der Arbeit vertraut zu machen“, sagt er. Damals war er auf der Suche nach einem ehrenamtlichen Engagement, das zu ihm passt. „Für mich kamen das Kriseninterventionsteam und die Telefonseelsorge in Frage. Beide Aufgaben waren sehr reizvoll und schlussendlich war es ein Bauchgefühl, auf das ich gehört habe.“

Telefonseelsorge hat einen neuen Leiter

Viel Erfahrung

Der neue Leiter ist ausgebildeter Sozialpädagoge und Supervisor und bringt mehr als 15 Jahre Berufs- und Leitungserfahrung in der Jugend- und Familienbegleitung mit. Die Telefonseelsorge habe er von Beginn an als „sehr speziellen Ort“ erlebt. „Hier kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen und leisten gemeinsam einen unglaublich wertvollen Dienst.“ Dass diese Arbeit über Jahrzehnte hinweg so stabil möglich war, ist für Latzer eng mit seinem Vorgänger und seiner Stellvertreterin verbunden. „Dass das über so viele Jahre möglich war, liegt auch an der tollen Arbeit von Barbara Moser-Natter und Sepp Gröfler. Diese Stabilität auch in Zukunft zu wahren, ist ein großes Ziel für mich.“

Telefonseelsorge hat einen neuen Leiter

Nachfolge gut geregelt

Sepp Gröfler selbst blickt mit Dankbarkeit auf seine Zeit zurück. „Natürlich schwingt ein wenig Wehmut mit, aber in der Gewissheit, eine gute Nachfolge geregelt zu haben, ist es ein gutes Gefühl.“ Alles habe seine Zeit. „Das Leben reift vor sich hin. Und für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, loszulassen.“ Was bleibt, ist große Dankbarkeit: „Mit diesem Team eine so schöne Aufgabe mitgetragen zu haben und die Gewissheit, einen sehr großen Teil meines Lebens sehr sinnvoll verbracht zu haben. Schöner kann es nicht sein.“
Besonders beeindruckt zeigen sich Gröfler und Latzer immer wieder vom Engagement der Ehrenamtlichen. „Wir sind in der glücklichen Lage, viele engagierte Mitarbeitende zu haben. Sie schenken der Bevölkerung jeweils rund 200 Stunden im Jahr – das ist enorm“, sagen beide unisono. Aktuell sind 94 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz, zehn davon zusätzlich in der Onlineberatung.

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Wertschätzung

Gröfler beschreibt die Telefonseelsorge als Ort persönlicher Entwicklung. „Wie sehr diese Mitarbeit die eigene Entwicklung fördert und wie nebensächlich persönliche Eitelkeiten dabei werden, hat mich immer wieder berührt.“ Oft brauche es wenig, um Menschen in Not Halt zu geben. „Nach manchen Gesprächen bleibt das Gefühl zurück: Es ist gut, dass ich da war.“ Diese Haltung teilt auch Raphael Latzer. Werte wie Ressourcenorientierung, Wertschätzung und Vertrauen seien für ihn zentral. „Das sind ganz grundlegende Werte für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter. Und auf Leitungsebene ist es für mich selbstverständlich, dass diese Werte auch mein Handeln prägen.“

Telefonseelsorge Vorarlberg

Unter dem Motto „Sorgen kann man teilen“ richtet sich das Angebot der Telefonseelsorge Vorarlberg an Menschen jeden Alters. Ratsuchende erfahren dort Wertschätzung, Entlastung und volle Aufmerksamkeit. Die TS steht Menschen anonym, kostenlos und das ganze Jahr über rund um die Uhr zur Verfügung – telefonisch unter der Nummer 142 sowie per E-Mail, Chat und Messenger. Getragen wird die TS von 94 Ehrenamtlichen. Durchschnittlich gehen im Jahr rund 17.000 Anrufe ein.

Kontakt mit Menschen

Beruflich kommt der 36-Jährige ursprünglich aus einer ganz anderen Richtung: Er lernte Maschinenbautechnik. „Nach dem Zivildienst war ich noch ein Jahr als Maschinenbautechniker tätig, habe aber rasch gespürt, dass mich der Kontakt mit Menschen mehr reizt als das Bedienen von Maschinen.“ Seine ersten Arbeitsstellen führten ihn in die Kleinkindbetreuung. „Eine Arbeit, die mir große Freude bereitet hat.“ Die Erfahrung aus der siebenjährigen Familienarbeit bei „synergie“ hilft ihm heute auch in der Telefonseelsorge. „Die vielen unterschiedlichen familiären Situationen haben zu einer gewissen Gelassenheit – nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit – geführt und geben mir Sicherheit in herausfordernden Gesprächen.“ Die Anonymität am Telefon sieht er als Chance. „Sie ändert wenig an der Problematik der Betroffenen, ermöglicht uns aber, unvoreingenommen auf jeden einzelnen Menschen einzugehen.“
Parallelen zur systemischen Beratung seien klar erkennbar. „Es geht darum, die Wirklichkeit des Gegenübers anzuerkennen, ohne sie oder ihn von einer eigenen Idee überzeugen zu wollen.“ Genau diese Begegnung auf Augenhöhe hatte auch Sepp Gröfler immer beeindruckt: „Die Gespräche am Telefon und in der Onlineberatung schaffen einen Lernprozess für beide Seiten.“

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Sepp Gröfler, Barbara Moser-Natter und Raphael Latzer.Klaus Hartinger

Menschlichkeit

Gemeinsam mit Stellvertreterin Barbara Moser-Natter, die seit zehn Jahren bei der TS tätig ist, leitet Latzer künftig ein Team von 94 Ehrenamtlichen. In der Führung setzt er bewusst auf Menschlichkeit. „Offenheit, Leichtigkeit und Humor sind im Team sehr wichtig“, sagt er und ergänzt schmunzelnd: „Ein guter Kaffee, genügend Kekse und regelmäßige Supervision erhöhen die Mitarbeiterzufriedenheit und damit auch die Qualität unserer Telefonate.“ Ebenso zentral sei neben der Ausbildung und den Supervision eine offene persönliche Fehlerkultur. „Wir wissen, dass wir nicht immer alles richtig machen. Wichtig ist, das anzusprechen und daraus zu lernen.“

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Der neue TS-Leiter Raphael Latzer. Hartinger

TS noch sichtbarer machen

Ein weiteres Anliegen ist ihm die Sichtbarkeit der Telefonseelsorge. „Wenn wir in Zeitungen, TV, Radio und auf Social Media präsent sind, steigt der Wiedererkennungswert und damit die Wahrscheinlichkeit, dass sich Menschen in schwierigen Situationen an uns erinnern.“ Auch neue Beratungsformen gewinnen an Bedeutung. „Die Mail- und Chatberatungen sowie der Messengerdienst steigen Jahr für Jahr. Das spricht für die Qualität des Angebots.“ Für ihn ist auch klar: „Schlussendlich geht es in der Beratung immer um den Menschen am anderen Ende der Leitung.“

Zur Person

Name: Raphael Latzer
Geboren: 20. Juni 1989
Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Leiter Telefonseelsorge Vorarlberg
Vorheriger Beruf: Elternberater bei „synergie“
Ausbildung: Maschinenbautechnik, Studium Sozialpädagogik
Hobbys: Drechseln, Computerspiele


Privat ist Raphael Latzer verheiratet und Vater von zwei Kindern. Für den persönlichen Ausgleich zieht er sich gerne zum Drechseln in die Werkstatt zurück oder nimmt sich etwas Zeit zum Computerspielen. Vor allem aber genießt er die Zeit mit seiner Familie.

Stabiltät sichern

Für die Zukunft der Telefonseelsorge Vorarlberg wünscht sich Latzer „Stabilität in jeglicher Hinsicht“. Der Leitungswechsel soll gut gelingen, die Zusammenarbeit mit der Diözese Feldkirch, dem Land Vorarlberg sowie der evangelischen Kirche und den vielen Spendern weitergetragen werden. Der Wert des ehrenamtlichen Engagements soll vermittelt und Menschen für ein Ehrenamt motiviert werden. Und: „Die Arbeit bei der TS ist herausfordernd. Wir werden alle Ehrenamtlichen weiterhin bestmöglich auf die Aufgaben vorbereiten – mit guter Aus- und Weiterbildung.“
Die abschließenden Worte gehören dem langjährigen Gesicht der TS Vorarlberg, Sepp Gröfler: „Ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen. Das wünsche ich Raphael auch.“