Waldbestattung Vorarlberg: Öffentlich, privat oder katholisch?

Die letzte Ruhestätte unter Bäumen: Naturbestattungen gewinnen in Vorarlberg nicht nur zunehmend an Bedeutung, sondern auch an unterschiedlichen Anbietern.
Vor knapp drei Jahren wurde die „österreichische Bestattungskultur“ als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Grund dafür ist die außerordentliche Vielfalt der Bestattungsformen, welche hierzulande angeboten wird. Ob kirchlich, muslimisch oder traditionell buddhistisch: Die lokalen Bestatter gestalten individuelle Abschiedszeremonien nach den Wünschen der Angehörigen.
Unter den Bäumen
Eine der neueren Bestattungsformen ist die sogenannte Waldbestattung. Sie wurde 2008 erstmals in moderner Form in Wien angeboten und ist seit fast zwei Jahren auch in Vorarlberg zugänglich. Seit Frühjahr 2024 betreibt die Klosterwald GmbH aus Wien den Klosterwald in Bludesch. Mit Dezember kam noch zusätzlich der vom Krematorium Hohenems verwaltete „Wald des Friedens – Naturbestattung Vorarlberg“ in Feldkirch-Tosters dazu.
Zwischenbilanz
Rund 150 Bestattungen fanden seit der Eröffnung im Klosterwald statt. Das entspricht etwa einer Beisetzung alle vier Tage, Tendenz laut eigenen Angaben steigend. Besonders gefragt ist derzeit die Möglichkeit, sich eine Ruhestätte zu Lebzeiten zu reservieren. Momentan haben im Klosterwald rund 350 Personen bereits einen Baum ausgewählt, unter dem sie später bestattet werden möchten.

„Besonders in Vorarlberg wurde das Angebot der Baumbestattung sehr schnell angenommen. In anderen Bundesländern brauchte es etwas mehr Anlaufzeit“, sagt Lukas Wurzinger, Betriebsleiter des Klosterwaldes, gegenüber der NEUE. Der gebürtige Lustenauer, welcher inzwischen in Wien lebt, ergänzt: „Allein im ersten Jahr nach der Eröffnung in Bludesch kamen rund 1000 Besucher zu den Führungen durch den Wald. Das Interesse der Bevölkerung ist groß.“ Deswegen führe man auch bereits Gespräche mit weiteren Vorarlberger Gemeinden, um zusätzliche Standorte zu realisieren.
Wald des Friedens
Auch der vom Krematorium Hohenems verwaltete „Wald des Friedens – Naturbestattung Vorarlberg“ steht vor einer Erweiterung. Erst Mitte Dezember, vor nicht einmal ganz zwei Monaten eröffnete der erste Standort in Vorarlberg. In Feldkrich-Tosters finden sich rund 800 potenzielle Bestattungsplätze auf ungefähr 1000 Quadratmetern in der Nähe der St. Wolfgang Kapelle. Bisher wurden rund sieben bis acht biologisch abbaubare Urnen dort begraben. Wobei seitens des Klosterwaldes die gute Akzeptanz des Konzepts in der Bevölkerung sehr geschätzt wird.

Nun soll bereits in ein bis zwei Monaten soll ein zweiter „Wald des Friedens“ am Gebhardsberg in Bregenz folgen, sogar ein dritter Standort ist in Planung. Claus Kergel, Geschäftsführer des Krematorium Hohenems, betont: „Uns ist ein würdevoller Abschied in Zusammenarbeit mit lokalen Bestattern wichtig.“
Zudem lege er Wert darauf, dass die Verwaltung der Friedhöfe in öffentlicher Hand bleibt und „nicht an Privatunternehmen wie den Klosterwald geht“. Er wolle ausschließen, dass Förster oder Gemeindearbeiter Bestattungen übernehmen. Lukas Wurzinger vom Klosterwald kann diese Befürchtung nicht nachvollziehen. Man arbeite bei jeder Beerdigung mit lokalen Bestattern zusammen, so auch in Vorarlberg.

Öffentlich, katholisch oder privat?
Kergels Forderung nach einer starken, öffentlichen Hand im Friedhofswesen wirft Fragen auf. Der „Wald des Friedens“ wird vom Krematorium Hohenems geführt, hinter welcher wiederum die „E & U Krematoriumsgesellschaft mbH“ steht. Laut Firmenbuch ABC hält Kergel 90 Prozent der Anteile dieser Firma als Gesellschafter selbst. Die übrigen zehn Prozent liegt in der Hand des Gemeindeverbands Vorarlbergs.
Die Klosterwald GmbH wurde 2019 gegründet und war bis vor zwei Jahren im vollen Besitz des Erzbistums Wien sowie den Stiften Heiligenkreuz und Klosterneuburg. Inzwischen gehört die Klosterwald GmbH mehrheitlich dem Bestattungsinstitut „Benu“ aus Westösterreich, rund 24 Prozent des Klosterwalds befinden sich jedoch weiterhin in katholischer Hand.
Bei beiden Anbietern sind seit Beginn Bestattungen für alle Konfessionen und Kulturen zugelassen.