Weniger Geld, mehr Unsicherheit: Feldkircher Kulturvereine reagieren

Nach der Johanniterkirche melden sich weitere Vereine zu Wort und berichten von den Folgen der Einschnitte.
Die kulturpolitischen Verwerfungen in Feldkirch weiten sich aus. Nach der angekündigten Einstellung der Ausstellungstätigkeit in der Johanniterkirche (die NEUE berichtete am 25. März) sprechen nun auch weitere Vereine von den Folgen der Förderkürzung.
Hintergrund
Seit den 1970er-Jahren fördert die Stadt Feldkirch ausgewählte Kulturvereine nicht nur finanziell, sondern auch durch die Übernahme administrativer Aufgaben wie Mitgliederverwaltung und die Bewerbung von Veranstaltungen. Konkret kamen diese Mittel zuletzt den Vereinen Rheticus-Gesellschaft, Ausstellungsprojekte Johanniterkirche, Kunst Palais Liechtenstein, sowie Musik in der Pforte und der Gesellschaft der Musikfreunde zugute. Damit ist laut Stadt ein Personalaufwand von jährlich 80.000 Euro verbunden. Genau dieses Gefüge wird nun aufgelöst beziehungsweise reformiert. Die Stadt argumentiert ihre Entscheidung als notwendiger Schritt zur Gleichbehandlung gesellschaftlicher Akteure. Aus Kulturkreisen ist außerdem zu vernehmen, dass eine der für die Vereine zuständige Mitarbeiterin in Pension gehe und keine Neuanstellung geplant sei.
Sonderprogramm abgesagt
Der Verein „Musik in der Pforte“ bespielt das Pförtnerhaus seit 1999 mit klassischen Konzerten. Co-Leiterin Claudia Christa beklagt: „Da wird eine über viele Jahrzehnte gewachsene Struktur zerstört. Ich habe den Eindruck, die Stadt möchte uns rauszahlen und dann nichts mehr damit zutun haben. Aber auch wenn wir seit November um Gespräche bemüht sind, ist noch alles offen.“
Diese „Offenheit“ wirkt sich jetzt direkt auf den Konzertkalender aus: „Da das Risiko für uns ohne Verträge und Verbindlichkeiten zu groß ist, mussten wir das für Silvester geplante Sonderprogramm mit Bethovens 9. Symphonie absagen.“ Laut Christa konnte der Verein im letzten Jahr einen Zuwachs von 400 auf 460 Abonnenten verzeichnen. Dieser Umstand verdeutlicht das steigende Interesse am Angebot. Diesem Wachstum stehen eine hohe Inflation, sinkende Förderungen und mangelnde Mehrjahresverträge gegenüber.

Rücklagen
Ähnlich äußert sich Johannes Hämmerle, Obmann der Gesellschaft der Musikfreunde Feldkirch. Laut dem Organisten reduzierte die Stadt ihre direkte finanzielle Zuwendung um ein Drittel. Für das laufende Jahr könne man dank Rücklagen noch reagieren, danach müsse das Angebot reduziert werden. „Wir ziehen das Programm heuer durch und müssen dann schauen, wie es weitergeht“, berichtet Hämmerle. Der Verein profitiert aber weiterhin von der kostenlosen Nutzung des Rittersaals in der Schattenburg, den er von Anfang Juli bis Ende August bespielen wird.
Von Seiten der Rheticus-Gesellschaft heißt es, man warte eine öffentliche Stellungnahme bis frühestens Montag ab.
SAV