Planetoid nach Vorarlberger benannt

Der Astronom und Geistliche Johann Georg Hagen wurde mit der Benennung eines Himmelskörpers geehrt.
Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat einen Kleinplaneten nach dem Vorarlberger Jesuiten Johann Georg Hagen (1847-1930) benannte, wie der ORF Vorarlberg berichtet. Der in Bregenz geborene Hagen besuchte zunächst das Jesuitengymnasium Stella Matutina in Feldkirch, wo er bereits mit 16 Jahren in die Gesellschaft Jesu eintrat, und studierte anschließend in Münster und Bonn Theologie und Astronomie.
Aus Deutschland vertrieben
1872 musste er Deutschland verlassen, nachdem Otto von Bismarck den Jesuitenorden im Rahmen des sogenannten Kulturkampfes mit der katholischen Kirche verbieten ließ. Hagen floh nach England und wurde dort zum Priester geweiht. Hagens Vater Martin war Hauptschullehrer in Bregenz gewesen. Alle seine drei Söhne wurden zu Priestern geweiht. Während Johann sich außerdem für die Mathematik und Astronomie entschied, wurde Theodor Hagen Lehrer in Brixen, während Martin Hagen junior Dogmatik am Jesuitencollegium in Ditton-Hall in England unterrichtete.
Zeit seines Lebens war Johann Georg Hagen als Mathematiker und Astronom international tätig. 1880 ging er in die USA, lehrte zunächst an einem katholischen College in Wisconsin und wurde in der Folge eingebürgert. An der Universität von Georgetown in Washington D. C. , wo er ab 1888 als Direktor der Sternwarte tätig war, brachte er sein Werk „Synopsis der höheren Mathematik“ heraus. Später folgte ein „Atlas der veränderlichen Sterne“, der in der Wissenschaft ebenfalls auf positive Resonanz stieß. Im Jahr 1906 wurde er zum Leiter der Sternwarte des päpstlichen Sommersitzes Castell Gandolfo berufen, die er anschließend reorganisierte.
Anerkannter Astronom
Johann Georg Hagen entwickelte unter anderem mit einer sich drehenden Torsionswage einen weiteren Beweis für die Achsendrehung der Erde und stellte wichtige Beobachtungen zur Helligkeitsschwankung von Sternen an. Hagen postulierte auch, dass augenscheinlich leere Himmelsregionen sehr wohl Himmelskörper und Nebel beheimaten.
Bis kurz vor seinem Tod am 5. September 1930 leitete er die vatikanische Sternwarte. Der nun von der IAU nach ihm benannte Planetoid „Johannhagen“ ist einer von 30 Himmelskörpern, die kürzlich zu Ehren jesuitischer Astronomen benannt wurden. Nach Hagen ist bereits ein Mondkrater mit 55 Kilometer Durchmesser benannt. Die Jesuiten, die traditionell neben dem Theologiestudium eine zweite Ausbildung absolvieren, betreiben auch heute noch die Sternwarte des Vatikans.