Vorarlberg

MS Austria steht auf dem Trockenen

10.10.2023 • 23:00 Uhr
Am Fußacher Seeufer sitzt das Flaggschiff der Vorarlberg Lines auf dem Trockenen. <br><span class="copyright">Stiplovsek Dietmar </span>
Am Fußacher Seeufer sitzt das Flaggschiff der Vorarlberg Lines auf dem Trockenen.
Stiplovsek Dietmar 

Das Schiff MS Austria steht für die nächsten Wochen an Land. Doch die Zeit drängt: Es soll bis zu den Sonderfahrten zu Weihnachten fertig saniert sein.

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Was im ersten Moment ungewollt klingt, ist gestern gezielt herbeigeführt worden: Am Fußacher Seeufer sitzt das Flaggschiff der Vorarlberg Lines auf dem Trockenen. In der Schiffswerft Fußach wurden gestern am Vormittag die etwa 450 Tonnen aus dem Bodensee gezogen. Außerhalb des Wassers wirkt das Motorschiff noch größer als sonst. Denn so ist auch das Unterwasserschiff samt Unterwasserhaut zu sehen, die teilweise saniert werden soll. Beim Auswassern ist am Dienstag alles nach Plan verlaufen, wie Betriebsleiter der Vorarlberg Lines Johann Wüstner erzählt. Herausfordernd war dabei, dass das Schiff richtig aufliegt und unbeschädigt auf den Schienen aus dem Wasser aufsteigt. Dafür setzten zwei Taucher unter Wasser schon gezielt Keile, damit das Schiff beim Herausziehen nicht umkippt.

Letzte Etappe

An dem 84-jährigen Passagierschiff werden in den kommenden fünf Wochen, wenn alles nach Plan läuft, der letzte Abschnitt an Sanierungsarbeiten durchgeführt. Danach soll es wieder für die nächsten zehn bis 15 Jahren Fahrgäste über den Bodensee transportieren, bevor womöglich wieder neue Arbeiten anfallen könnten.

Kapitän Robert Gorschek (r.) hat die MS Austria gestern von Bregenz nach Fußach gesteuert. Heute geht der normale Betrieb weiter und er steht bei der MS Vorarlberg am Steuer. <span class="copyright">Laura Schwärzler</span>
Kapitän Robert Gorschek (r.) hat die MS Austria gestern von Bregenz nach Fußach gesteuert. Heute geht der normale Betrieb weiter und er steht bei der MS Vorarlberg am Steuer. Laura Schwärzler

Schon zuvor wurden immer wieder in kurzen Zeitabschnitten Sanierungsarbeiten durchgeführt, denn lange am Stück kann das Passagierschiff im Fahrbetrieb nicht fehlen. Schließlich ist es in der Hauptsaison von März bis Oktober täglich auf dem See unterwegs und von Ende November bis Ende Dezember drei Mal in der Woche für Sonderfahrten zu Weihnachten und dem Jahreswechsel. In den Jahren 1992 und 1993 wurde das 60 Meter lange Schiff bereits generalsaniert.

Auch dieses Mal tickt dabei die Uhr. „Die große Herausforderung ist, dass wir es in einem bestimmten Zeitabschnitt erbringen, weil die Zeit drückt. Wir sollten am 17. November spätestens wieder im Wasser sein um unsere bewährten Winterfahrten durchführen zu können“, erzählt Wüstner. Darüber hinaus hat der 60-Jährige den Wasserpegel des Sees im Hinterkopf. Wenn dieser in den nächsten Wochen unter die Grenze von 3,15 Meter sinken würde, kann das Schiff nicht wieder zurück ins Wasser gelassen werden.

In der Schiffswerft Fußach wird die kommenden Wochen fleißig gewerkelt. <span class="copyright">Laura Schwärzler</span>
In der Schiffswerft Fußach wird die kommenden Wochen fleißig gewerkelt. Laura Schwärzler

Deswegen ist Wüstner „so früh wie möglich“ am liebsten, dass das Schiff wieder zurück von Land im See ist. Ziel bis dahin ist laut Wüstner, dass „die Unterwasserhaut wieder im perfekten Zustand ist“.

Team aus Linz angereist

Um die Teile der Unterwasserhaut, also die Außenwand, die sich unter Wasser befindet, bis dahin rechtzeitig austauschen zu können, sind extra sieben Schiffbauer, Schlosser und Schweißer der Linzer Schiffbaufirma Öswag nach Vorarlberg angereist. „Wir arbeiten immer dort, wo das Wasser ist“, erzählt Schiffbauer Franz Opolzer. So waren sie etwa auch schon am Mondsee, am Wolfgangsee, am Zürichsee und am Bielersee. Auf das aktuelle Projekt am Bodensee blickt er folgend: „Es ist viel zu tauschen in kurzer Zeit.“ Die Schiffbauer werden in den kommenden fünf Wochen die Blechteile, die dünner als der vorgeschriebene Toleranzwert sind und auch rostende Teile ersetzen. Um diese Stellen zu identifizieren, wurde gestern das Schiff aus dem Wasser geholt. Dann waren in der Schiffswerft die Geräusche von Hochdruckreiniger zu hören. Denn bevor eine Sichtkontrolle der Außenwände möglich ist, entfernen die Schiffbauer Muscheln und Algen.

Erst wird die Schiffshaut mit Hochdruck gereinigt, Muscheln und Algen entfernt. Nur so können die rostigen Teile identifiziert werden. <br><span class="copyright">Laura Schwärzler</span>
Erst wird die Schiffshaut mit Hochdruck gereinigt, Muscheln und Algen entfernt. Nur so können die rostigen Teile identifiziert werden.
Laura Schwärzler

Dann geht es an die Sichtprobe und das Anzeichnen der betroffenen Stellen, schließlich könnte das Schiff auch mal durch ein Treibholz beschädigt worden sein oder Ähnliches.

Ab heute gehen die Arbeiten dann richtig los: dann werden voraussichtlich die ersten gro­ßen Teile der Unterwasserhaut herausgeschnitten. Diese Öffnungen nutzt das Linzer Team dann dafür, um die Teile für neue Abwassertanks in das Schiffsinnere zu bringen und ein­zuschweißen. Diese zwei neuen Tanks fassen zusammen 7,5 Kubikmeter Flüssigkeit. Auch Wasserleitungen werden erneuert werden.

Für fünf Wochen sind die Schiffbauer, Schlosser und Schweißer der Linzer Firma Öswag in Vorarlberg, um an der MS Austria Arbeiten durchzuführen. <span class="copyright">Laura Schwärzler</span>
Für fünf Wochen sind die Schiffbauer, Schlosser und Schweißer der Linzer Firma Öswag in Vorarlberg, um an der MS Austria Arbeiten durchzuführen. Laura Schwärzler

Kontrolle geplant

Danach soll das Schiff wieder für mehrere Jahre im Wasser bleiben. Dann wird auch wieder Kapitän Robert Gorschek am Steuer stehen, der gestern am Morgen die MS Austria von Bregenz nach Fußach gefahren hat. Derartige Fahrten sind für ihn Alltag. In seinen 32 Jahren als Kapitän kann er auf viele Geschichten zurückblicken, wie Gewitterstürme oder Nebel. Ihm gefällt vor allem die Vielfalt und dass ein Tag am Bodensee durch die schnellen Wetterwechsel nicht planbar ist.

In sechs bis acht Jahren darf das Schiff nochmal einen Ausflug ans Land machen. Dann muss aus Sicherheitsgründen nochmals die Dicke der Bleche vorschriftsgemäß kontrolliert werden, erzählt Wüstner.