Vorarlberg

Abruptes Ende für Alges „Aufstand der Xi“?

04.04.2024 • 19:22 Uhr
Abruptes Ende für Alges „Aufstand der Xi“?
Chris Alge sieht sich im Recht. Klaus Hartinger

Der gebürtige Lustenauer Polit-Rebell Chris Alge wurde von Anwälten des ORF und Markus Klement aufgefordert, den Verkauf seines Buches zu stoppen – Alge zeigt sich gelassen.

von Günther Bitschnau/ wpa

Das vor ein paar Wochen neu erschienene Buch des Bregenzerwälder Outdoor-Unternehmers Chris Alge mit dem Titel „Aufstand der Xi“ wird derzeit vom Verlag nicht weiter verteilt und in den Buchhandlungen auch nicht weiter verkauft. Grund dafür ist eine Intervention der Wiener Rechtsanwaltskanzlei Korn Rechtsanwälte OG im Auftrag des ORF und von ORF-Vorarlberg-Landesdirektor Markus Klement. Das haben wpa-Recherchen ergeben.

Künstlerische Freiheit

Erschienen ist das Buch „Aufstand der Xi“ im Bucher Verlag in Hohenems. Dort erklärte Miteigentümer Günter Bucher auf wpa-Anfrage, dass man am Dienstag nach Ostern von der Anwaltskanzlei des ORF schriftlich dazu aufgefordert wurde, Verteilung und Verkauf des Buches sofort zu stoppen. Die Kanzlei habe sich in ihrer Begründung für diese Aufforderung auf eine längere juristische Vorgeschichte zwischen Chris Alge und Markus Klement berufen. „Wir nehmen solche Aufforderungen sehr ernst. Deshalb haben wir nach Rücksprache mit unserer Rechtsvertretung die Verteilung des Buches gestoppt und auch die Buchhandlungen darüber informiert, dass das Buch bis auf Weiteres nicht mehr verkauft werden darf.“

ABD0070_20210916 – WIEN – …STERREICH: ++ HANDOUT ++ ORF-Stiftungsrat: Landesdirektorinnen und Landesdirektoren bestellt: “Markus Klement”, Der ORF-Stiftungsrat, unter dem Vorsitz von Dr. Norbert Steger, bestellte in seiner Plenarsitzung am Donnerstag, dem 16. September 2021, die vom designierten ORF-Generaldirektor Mag. Roland Wei§mann vorgeschlagenen Landesdirektorinnen bzw. Landesdirektoren. Wiederbestellt wurden: Werner Herics (Burgenland), Karin Bernhard (KŠrnten), Markus Klement […]
Markus Klement und Chris Alge werden wohl keine Freunde mehr: Der ORF-Landesdirektor hat den Verkaufsstopp erwirkt. ORF/MAURICE SHOUROT

Bucher betonte, dass man als Verlag nicht immer automatisch die Meinung einer Autorin oder eines Autors teile. „Es geht hier um die künstlerische Freiheit.“ Und es komme immer wieder vor, dass Bücher zumindest vorübergehend aus dem Verkauf genommen werden müssen. „Was wir nicht veröffentlichen, sind Bücher mit extremen politischen oder religiösen Ansichten. Und das ist unserer Ansicht nach beim Buch von Chris Alge nicht der Fall. Die konkrete Vorgeschichte mit allen Details zwischen Chris Alge und dem ORF-Landesdirektor kennen wir aber nicht“, so Bucher. Seinen Informationen nach befinde sich das Problem in den im Buch per QR-Code Verlinkten Videos.

Buchautor Chris Alge sagte auf wpa-Anfrage, dass er es „natürlich“ verstehe, dass das Buch Klement und dem ORF nicht passe. „Ich bin zuversichtlich, dass es bald wieder im Buchhandel verfügbar sein wird.“

Vorwürfe

Die Wiener Rechtsanwältin Alexandra Thurner von der Kanzlei Korn teilte stellvertretend für Markus Klement und den ORF mit: „Wir haben den Bucher-Verlag darauf hingewiesen, dass Chris Alge in dem Druckwerk, insbesondere im Rahmen von Videos, die mittels QR-Codes, die Links auf die jeweiligen Videos enthalten, in das Druckwerk integriert wurden, unrichtige ehrenrührige beziehungsweise kreditschädigende und persönlichkeitsrechtsverletzende Behauptungen gegenüber unseren Mandanten, dem ORF und Landesdirektor Markus Klement, wiederholt hat, hinsichtlich derer er bereits wiederholt rechtskräftig verurteilt wurde.“

Anlass waren keine neuen Äußerungen

Konkret sei insbesondere auch mehrfach gegen bestehende Unterlassungsexekutionstitel verstoßen worden, weshalb man namens der Mandanten exekutive Schritte gegen Chris Alge eingeleitet habe. „Wir haben dem Bucher-Verlag die entsprechenden Gerichtsentscheidungen zur Verfügung gestellt, um dies zu belegen. Daher haben wir den Bucher-Verlag aufgefordert, das Buch nicht mehr mit den entsprechenden Stellen zu verkaufen/zu vertreiben beziehungsweise diese unkenntlich zu machen. Der Verlag hat uns dazu mitgeteilt, dass er das Buch vor diesem Hintergrund nicht mehr vertreiben wird.“ Anlass für das Aufforderungsschreiben seien also nicht neue Äußerungen von Chris Alge im Buch gewesen – deren Prüfung sich die Mandanten gesondert vorbehalten würden – sondern die Wiederholung bereits rechtskräftig von Gerichten als rechtswidrig erkannter Äußerungen, so Rechtsanwältin Alexandra Thurner. Verleger Günter Bucher sagt, dass die erste Auflage bereits vollständig verkauft worden sei – es gebe ein „riesiges Interesse“, das Buch sei ein „voller Erfolg“ für den Bucher Verlag.