Vorarlberg

Silvester-Raketen und Panik im Nachthimmel

29.12.2025 • 17:21 Uhr
Silvester-Raketen und Panik im Nachthimmel
Katharina Feurstein von der Wildtierhilfe Vorarlberg. Canva, Hofmeister, Hartinger

Viele Vögel fliehen in der Silvesternacht unkontrolliert in den Himmel. Sie verlieren die Orientierung und prallen später gegen Glasfassaden.

Wenn in der Silvesternacht Raketen den Himmel erleuchten, beginnt für viele Wildtiere eine Ausnahmesituation. Besonders Vögel reagieren sensibel auf den plötzlichen Lärm, die Lichtblitze und die Erschütterungen. „Rund um Silvester bekommen wir deutlich mehr Anflugmeldungen“, sagt Katharina Feurstein, Obfrau der Wildtierhilfe Vorarlberg. Gemeint sind verletzte Vögel, die nach Kollisionen mit Fenstern, Hauswänden oder anderen Hindernissen gefunden werden – oft völlig entkräftet oder schwer verletzt.

Wildtierhilfe
Besonders Vögel leiden stark unter den Feuerwerken. Hofmeister


Der Grund dafür liegt in der massiven Panikreaktion, die Feuerwerk bei Vögeln auslöst. Eigentlich verbringen sie die Nacht geschützt an ihren Schlafplätzen. In der Silvesternacht jedoch werden sie jäh aufgeschreckt und fliehen unkontrolliert. Studien zeigen, dass Vögel dabei in Höhen aufsteigen, die für ihre Art völlig untypisch sind. Statt wenigen Dutzend Metern fliegen sie bis zu mehreren hundert, teils sogar bis zu tausend Meter hoch. „Das ist extrem belastend“, erklärt Feurstein. Die Tiere verlieren die Orientierung, fliegen bis zur völligen Erschöpfung und stürzen beim Abstieg nicht selten ab.

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Viele Vögel sterben an den Folgen der Silvesternacht. Hofmeister


Besonders häufig endet diese Flucht im Siedlungsraum. Desorientierte Vögel prallen gegen Glasflächen oder beleuchtete Fassaden. Viele schaffen es aus eigener Kraft nicht mehr weiter und müssen eingesammelt werden. Wie viele Tiere tatsächlich sterben, bleibt unklar. „Die meisten werden gar nicht gefunden“, sagt Feurstein. Sichtbar wird nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Auswirkungen.

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Katharina Feurstein kümmert sich um verletzte Tiere. Hofmeister

Auch Wasservögel betroffen.

Internationale Erhebungen zeigen, dass Tiere, die nachts auf Gewässern rasten, durch das Feuerwerk vertrieben werden und teils hunderte Kilometer weit fliehen. Die Rückkehr zu ihren angestammten Schlafplätzen bleibt oft aus. Der daraus resultierende Stress wirkt noch Tage später nach: Die Tiere verlieren an Gewicht, sind anfälliger für Krankheiten und haben schlechtere Chancen im Revier- oder Nahrungskampf.
Für die Wildtierhilfe sind die Tage rund um den Jahreswechsel daher besonders arbeitsintensiv. Neben Vögeln werden auch Fledermäuse versorgt, die durch Lärm und Licht aus ihren Ruheplätzen gescheucht werden. Feurstein wünscht sich ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass Feuerwerk nicht nur den Himmel erhellt, sondern für viele Tiere lebensgefährlich ist.

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Vögel fliegen in der Silvesternacht teils untypisch hoch – mit fatalen Folgen. Hofmeister


Das Feuerwerk zum Jahreswechsel trifft Vögel dabei in einer Phase, in der viele Arten ohnehin unter starkem Druck stehen. Laut Greenpeace zählen Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz und der Rückgang von Insekten zu den größten Bedrohungen für Vogelpopulationen. Zusätzliche Stressfaktoren wie Silvesterfeuerwerk würden diese Situation weiter verschärfen – mit langfristigen Folgen für ganze Bestände.