Vorarlberg

Sie arbeitet dort, wo andere Urlaub machen

02.01.2026 • 15:26 Uhr
Sie arbeitet dort, wo andere Urlaub machen
Die 43-Jährige findet man im Winter auf den Pisten am Arlberg. dietmar stiplovsek (7)

Dominique Zerlauth ist Skilehrerin aus ­Leidenschaft. Seit 23 Jahren bringt sie am Arlberg Kindern und Erwachsenen das Skifahren bei.

Von Christine Moosmann-Hämmerle

Wenn Dominique Zerlauth morgens ihre Skier anschnallt, beginnt für sie kein Urlaubstag, sondern ihre Arbeit in einem Beruf, den sie seit über zwei Jahrzehnten mit großer Leidenschaft ausübt. Die gebürtige Nenzingerin ist Skilehrerin am Arlberg, genauer gesagt in einer Skischule in Stuben. Seither ist sie jeden Winter im Einsatz und wenn es nach ihr geht, soll es noch viele Jahre so bleiben. „Mir gefällt der Job einfach gut, das Skifahren und das Unterrichten sind mir so wichtig, dass ich meinen Sommerjob so gewählt habe, dass ich den ganzen Winter auf der Piste sein kann.“ Früher arbeitete sie abseits der Skisaison als Elektroinstallateurin im Betrieb ihres Vaters, seit der Geburt ihrer Tochter ist sie als Frühstückskellnerin in einem Hotel in Braz tätig, wo sie auch wohnt, denn diese Arbeit lässt sich besser mit der Saisonarbeit als Skilehrerin verbinden.

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Ihren Sommmerjob hat die Oberländerin so gewählt, dass sie im Winter auf der Piste stehen kann.

Wie viele Skilehrerinnen begann auch sie ihre Laufbahn mit Kursen für Kindergruppen. Damals übernahmen in der Skischule die jüngeren Skilehrer die Kinderkurse, während die erfahreneren Kollegen Erwachsene unterrichteten. Heute gibt die 43-Jährige hauptsächlich Privatunterricht für ein oder zwei Personen, die von ein paar Stunden bis zu einer Woche bleiben. „Der Technikunterricht ist der Hauptteil meiner Arbeit“, erzählt sie. Viele Gäste kämen mit dem Anliegen, sicherer auf den Skiern zu werden oder ihre Technik zu verbessern. Die Bandbreite ihrer Schüler reicht von Anfängern, die noch nie auf Skiern standen, bis hin zu guten Skifahrerinnen. Am Privatunterricht schätzt die Skilehrerin das Persönliche: „Da entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis zu den Gästen, das ist immer sehr nett.“

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Das persönliche Verhältnis, das sich beim Privatskikurs entwickelt, schätzt die 43-Jährige besonders.

Eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre ist die unsichere Schneesituation. Gerade Anfänger und ungeübte Skifahrer sind mit eisigen Pisten schnell überfordert. „Bei wenig Schnee oder vereisten Pisten ist das nicht immer leicht“, erklärt die Skilehrerin. Besonders bei ängstlicheren Personen ist durchaus auch psychologisches Gespür gefragt, um ihnen die Ängste zu nehmen und sie trotzdem herauszufordern. Vertrauen aufzubauen ist dabei ein zentraler Aspekt: „Als Skilehrerin ist es wichtig, dass du ein gutes Gespür für die Leute hast und dass sie dir vertrauen. Dann fahren sie auch mal eine Piste hinunter, die sie sich alleine nicht zutrauen würden.“

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Als Skilehrerin ist es wichtig, dass man Vertrauen zu seinen Schützlingen aufbaut, weiß Zerlauth.

Die Skilehrerin ist mit ihren Gruppen auch abseits der Piste unterwegs. Dabei ist ihr speziell bei Kindern und Jugendlichen wichtig, dass sie frühzeitig über richtiges Verhalten im freien Gelände aufgeklärt werden und dabei von klein auf lernen, welche Sicherheitsvorschriften zu beachten sind. Dazu gehören gewisse Regeln und die richtige technische Ausrüstung, wie etwa ein Lawinenpiepser. Auch Pistenregeln bringt sie ihren Schülerinnen bei. „Es ist mir wichtig, dass sie nicht nur gut, sondern auch sicher Skifahren lernen und dass sie aufmerksam sind“, erklärt Zerlauth. Viele Unfälle passieren ihrer Meinung nach dadurch, dass die Leute überfordert und so auf sich konzentriert sind, dass sie ihre Umgebung nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit wahrnehmen können. Zudem sei der Arlberg ein anspruchsvolles Skigebiet und nicht jede Piste ist für jedes Können geeignet.

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„Es ist mir wichtig, dass sie nicht nur gut, sondern auch sicher Skifahren lernen und dass sie aufmerksam sind“, beschreibt die Skilehrerin das Ziel für ihre Schüler.

Skilehrerinnen und Skilehrer müssen alle vier Jahre verpflichtend Fortbildungen absolvieren, die auch Erste Hilfe bei Skiunfällen umfassen. Denn bei Unfällen auf der Piste sind sie verpflichtet zu helfen. Dies komme mindestens einmal pro Saison vor, erzählt Zerlauth. Auch Stürze von Skischülern ließen sich trotz aller Vorsicht nicht gänzlich vermeiden. „Da mache ich mir schon Gedanken und fühle mich verantwortlich“, sagt sie, auch wenn die Gäste verstünden, dass sportliche Aktivitäten ein gewisses Risiko bergen.

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Fortbildungen gehören zum Skilehrerberuf dazu.

Trotz der Verantwortung überwiegt für die Mutter einer Tochter die Freude am Beruf: „Es ist ein schöner Job. Man lernt viele unterschiedliche Leute kennen, niemand steht unter Stress, jeder möchte etwas lernen.“ Besonders erfüllend sei das Gefühl, jemandem etwas beizubringen und etwas weiterzugeben. Dafür bekomme sie auch viel zurück – sei es die Freude von Kindern und Erwachsenen oder der Stolz der Eltern, wenn ihre Kinder zum ersten Mal selbständig die Piste herunterfahren. Kindergruppen bringen ihre ganz eigene Dynamik mit sich. „Das ist weniger entspannt, da gibt es viel Action und man muss alle im Zaum halten. Manchmal ist man auch ein bisschen Entertainer oder Nanny“, berichtet sie schmunzelnd. Insgesamt mache ihr das Unterrichten von Kindern viel Spaß und sei oftmals eine „richtige Gaudi“. Jeden Samstag leitet die Skilehrerin zudem ein Skitraining für einheimische Kinder in Stuben.

„Das ist weniger entspannt, da gibt es viel Action und man muss alle im Zaum halten. Manchmal ist man auch ein bisschen Entertainer oder Nanny.“

Dominique Zerlauth über Skikurse mit Kindergruppen.

Die Brazerin ist davon überzeugt, dass jeder das Skifahren lernen kann – unabhängig von Alter oder Sportlichkeit. „Skifahren macht einfach Spaß. Man ist in der Sonne und an der frischen Luft, wie viel Zeit man dabei auf der Piste verbringt, ist nicht so wichtig“, ist sie sich sicher. Ihr Vorbild ist ein älterer Kollege, der bis ins Alter von 83 Jahren noch unterrichtete. „So lange möchte ich das auch machen. Oder zumindest bis ich 80 bin“, erzählt Zerlauth lachend – und angesichts ihrer Begeisterung kann man sich das sehr gut vorstellen.

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Zumindest, bis sie 80 Jahre alt ist, würde Dominique Zerlauth ihren Beruf auf der Piste gerne ausüben.

zur person

Dominique Zerlauth (43) stammt aus Nenzing und arbeitet seit 23 Jahren als Skilehrerin am Arlberg, aktuell in einer Skischule in Stuben. Vorwiegend unterrichtet sie im Privatbereich Kinder und Erwachsene. Neben ihrer Tätigkeit im Winter arbeitet sie den Sommer über als Frühstückskellnerin in einem Hotel in Braz, wo sie auch wohnhaft ist. Zerlauth ist Mutter einer Tochter.