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„Ich fühlte mich von Anfang an willkommen“

05.05.2022 • 18:37 Uhr
Seit 2014 ist die Syrerin Khadija Shek Rashid mit ihrer Familie in Vorarl­berg.<br><span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Seit 2014 ist die Syrerin Khadija Shek Rashid mit ihrer Familie in Vorarl­berg.
Klaus Hartinger

Noch bis Ende Mai läuft die Bewerbungsphase für die diesjährigen „Start“-Stipendien.

Tel Abyad ist eine syrische Kleinstadt an der Grenze zur Türkei. Aus diesem Ort kam die heute 19-jährige Khadija Shek Rashid vor rund siebeneinhalb Jahren mit ihrer Familie nach Vorarlberg, nachdem sie vor den Gräueln des Bürgerkriegs geflüchtet waren. Ihr Vater war schon ein Jahr zuvor vorausgegangen und letztlich im Flüchtlingsheim in Sulzberg gelandet. Khadija, ihre Mutter und ihre sieben Geschwister – die heute zwischen 10 und 23 Jahre alt sind – folgten Ende des Jahres 2014.
Die kurdische Familie war dann kurz in Sulzberg, bevor sie eine Unterkunft in Doren fand, wo sie auch heute noch lebt. „Es ist wirklich schön dort, wir haben sehr nette Nachbarn, fühlen uns wohl, und die Natur ist auch sehr schön“, zeigt sich Khadija glücklich mit ihrer neuen Heimat. Die 19-Jährige besucht die Handelsakademie (HAK) in Bregenz, ist Klassensprecherin und auch Sprecherin der derzeitigen Start-Stipendiaten und -Stipendiatinnen.

Schnell gelernt

Ganz einfach war der Weg bis dahin aber nicht. Es war zunächst schon schwierig, in ein Land zu kommen, in dem man die Sprache nicht versteht, erzählt die junge Syrerin. „Da hat man sich fremd gefühlt.“ Deutsch sprechen hat sie in der Mittelschule in Doren und im dortigen Umfeld dann aber recht schnell gelernt – heute spricht die 19-Jährige die Sprache nahezu perfekt und Dialekt verstehe sie

Ganz einfach war der Weg bis dahin aber nicht. Es war zunächst schon schwierig, in ein Land zu kommen, in dem man die Sprache nicht versteht, erzählt die junge Syrerin. „Da hat man sich fremd gefühlt.“ Deutsch sprechen hat sie in der Mittelschule in Doren und im dortigen Umfeld dann aber recht schnell gelernt – heute spricht die 19-Jährige die Sprache nahezu perfekt und Dialekt verstehe sie auch, sagt sie mit einem Grinsen.
Ein grober Irrtum führte dazu, dass sie nach der Mittelschule zunächst ein Jahr lang die dreijährige Fachschule für wirtschaftliche Berufe Marienberg in Bregenz besuchte. Von einer Flüchtlingsbetreuerin war ihr nämlich gesagt worden, dass sie die Matura nicht schaffen werden – aber „ich wollte unbedingt die Matura“. Kurz vor Beginn des darauffolgenden Schuljahres wechselte Khadija dann an die HAK, wo auch schon ihre ältere Schwester war – und hat seither jedes Jahr einen ausgezeichneten Erfolg, wie die sympathische Schülerin erzählt.

„Ich möchte noch viel lernen und wissen und Menschen helfen, weil ich den Umgang mit Menschen liebe.“

Khadija Shek Rashid, Schülerin

„Tolle Gelegenheit“

Neben der Schule greift die 19-Jährige gern zu Bleistift und Acrylfarben, um zu zeichnen. Tanzen, Joggen, Sport und Lesen – „um die Sprache zu verbessern“ – sind weitere Tätigkeiten, mit denen sie sich beschäftigt. Im „Start“-Programm ist Khadija seit vergangenem September und es ist „eine tolle Gelegenheit“, sagt sie dazu. Für die finanzielle Unterstützung, Laptop und Drucker von „Start“ ist sie dankbar und an den Workshops beteiligt sie sich gern. Dort könne man sich einerseits gegenseitig unterstützen, und „wir machen da schöne Sachen“, erzählt die Schülerin.
In Syrien waren Khadija und ihre Familie seit ihrer Flucht nicht mehr. Die Großeltern der 19-Jährigen leben noch dort, mit denen die Familie telefonisch in Kontakt ist. Gesehen haben sie sich seit mittlerweile vielen Jahren nicht mehr. Schon vor ihrer Flucht nach Europa war die Familie innerhalb des Landes mehrmals geflüchtet, um den Kämpfen zu entgehen.

Unterstützung

Auch für die Zeit nach einem Studium hat die 19-Jährige Pläne. „Dann möchte ich im LKH Feldkirch arbeiten“ und „definitiv in Österreich bleiben“. Eine Zukunft in

Auch für die Zeit nach einem Studium hat die 19-Jährige Pläne. „Dann möchte ich im LKH Feldkirch arbeiten“ und „definitiv in Österreich bleiben“. Eine Zukunft in Syrien kann sie sich derzeit nicht vorstellen. Von ihren Eltern bekommt Khadija Unterstützung für ihre beruflichen Pläne: „Die finden das toll.“ Ihr Vater habe zu ihr gesagt: „Wenn du ein Ziel hast, schaffst du es auch.“
In Vorarlberg fühlt sie sich wohl, und „ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass wir willkommen waren“.v