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Mariä Lichtmess: Ab heute werden die Tage spürbar länger

02.02.2025 • 14:00 Uhr
US-NATURE-SUNRISE
Ab heute dürfen wir uns wieder auf längere Tage freuen. AFP

Der heutige Sonntag ist der Beginn des Bauernjahres.
Ab heute werden die Tage spürbar länger. Die meisten
Menschen sehnen sich nach dem Licht der Sonne und
beobachten ihren Lauf genau.

Von Robert Seeberger
neue-redaktion@neue.at

Mitte Jänner ergab sich in einem gemütlichen Wirtshaus ein überraschendes Gespräch: „Jetzt pass auf, in wenigen Minuten verschwindet die Sonne hinter dem Berg.“ Tatsächlich war es so und der Gesprächspartner versicherte, dass schon zwei Wochen später die Sonne über dem Berg bleibt. Viele Menschen beobachten die Sonnenläufe von ihrem Zuhause und sogar von ihrem Stammtisch aus genau. In manchen Gebirgstälern gibt es im Hochwinter Tage, an denen die Sonne nie über die Bergkuppen kommt. Ein guter Bekannter hat mir vor Jahren erklärt, dass in schneereichen Wintern die Sonne später zu sehen ist. Eine kleine Rechnung bestätigt diese Behauptung. Wenn man einen halben Kilometer von einem Berg entfernt wohnt, entspricht ein Sonnendurchmesser von einem halben Grad etwas über vier Meter. Das bedeutet bei vier Metern Schnee bleibt die Sonne unsichtbar und während sie in einem schneearmen Winter am selben Tag des Jahres gerade über dem Bergkamm herunterblinzelt.

Sonnenhöhe und Tageslänge

Astronomisch sind der jahreszeitlich wechselnde Sonnenstand und die schwankende Tageslänge leicht zu erklären. Die Erdumlaufbahn um die Sonne definiert eine Ebene, die Ekliptik. Würde die Erdachse senkrecht zur Ekliptik stehen, so würde die Sonne immer senkrecht über dem Äquator stehen und für Beobachter an den Polen genau am Horizont. Über Vorarlberg würde sie das ganze Jahr über 43 Grad hoch stehen. Nun ist aber die Drehachse der Erde um 23,5 Grad gegenüber der Senkrechten zur Ekliptik geneigt. Das ändert das Szenario grundlegend. Deshalb entstehen die Jahreszeiten. Von Vorarlberg aus gesehen steht die Mittagssonne hoch am Himmel und ein halbes Jahr später kommt sie gerade 19 Grad über den Horizont. Zu Frühlings- und Herbstbeginn steht die Sonne senkrecht über dem Äquator, am 21. Dezember senkrecht über dem nördlichen Wendekreis von 23,5 Grad und am 21. Juni senkrecht über allen Orten, die entlang des südlichen Wendekreises liegen.

Kinderschaukel

Betrachten wir die scheinbare Sonnenbewegung von außen, so schwingt die Sonne innerhalb eines Jahres wie eine Kinderschaukel zwischen plus und minus 23,5 Grad geografischer Bereite hin und her. Und ähnlich wie bei der Schaukel vermindert sich die Geschwindigkeit entlang der Bewegung und bleibt an den Umkehrpunkten stehen. Das bedeutet, dass sich zu Winter- und Sommerbeginn die Tageslänge nur um wenige Sekunden ändert. Nur 8,5 Stunden lagen zu Weihnachten zwischen Sonnenaufgang und -untergang. Richtig spürbar wird die Zunahme der Tageslänge jetzt, weil die himmlische Kinderschaukel Fahrt aufgenommen hat. Heute zu Mariä Lichtmess ist die Sonne schon neun Stunden 40 Minuten und 37 Sekunden zu sehen. Morgen wird der Tag um etwas mehr als zwei Minuten länger sein als heute. Das ist tatsächlich wahrnehmbar. Der Volksmund beschreibt die Zunahme der Tageslänge ab dem kürzesten Tage treffend: zu Neujahr um einen Hahnsprung, zu Dreikönig um einen Hirschsprung und zu Lichtmess gleich um eine ganze Stunde. Winter- und Sommerbeginn werden sinnigerweise auch Sonnenwenden genannt, denn die Sonnenbahn dreht ihre Bewegung an den Wendekreisen um. Klarerweise muss die Sonne bei ihrer Wende kurz stehenbleiben. Die Fachbegriffe für Winter- und Sommersonnenwende heißen Solstitien, was übersetzt bedeutet, dass die Sonne stehen bleibt.

Mariä Lichtmess

Der 2. Februar ist traditionell der Beginn des Bauernjahres und das Ende der Weihnachtszeit. In manchen Kirchen und Häusern bleiben daher die Christbäume und Krippen bis zum 2. Februar stehen. Die Kirche feiert den Festtag mit Lichterprozessionen. Schon vor Mariä Lichtmess gab es an diesem Tag ein heidnisches Fest. Man glaubte, dass die Sonne einen Sprung mache. Jedenfalls dürfen wir uns ab sofort auf längere ­Tage freuen.