“Bei uns ist jede und jeder willkommen”

In Dornbirn, dem ersten Standort in Vorarlberg, bietet die Hobby Lobby seit Herbst 2025 einen geschützten Raum für junge Menschen, um in ihrer Freizeit Interessen zu entwickeln und Gemeinschaft zu erleben. Der Start ist gelungen.
In Dornbirn ist seit Herbst 2025 ein neuer Ort für Kinder und Jugendliche entstanden – ein Ort, an dem Talente entdeckt, Freundschaften geknüpft und Selbstvertrauen gestärkt wird. Die Hobby Lobby, eine Sozialorganisation für kostenlose und chancengerechte Freizeitangebote, hat hier ihren ersten Standort in Vorarlberg eröffnet. Bereits die Zahlen aus der Pilotphase zeigen den großen Bedarf: Rund 80 Kinder nutzten das Angebot, mehr als 120 Kursplätze wurden vergeben.

Dornbirn idealer Standort
„Wir haben uns in Vorarlberg genau angeschaut, wo viele Kinder und Jugendliche leben und wo es viele Schulen gibt“, erklärt Vera Matzak, Geschäftsführerin der Hobby Lobby für Tirol und Vorarlberg. „Dabei hat sich Dornbirn als idealer Standort herauskristallisiert.“ Ausschlaggebend seien nicht nur die zentrale Lage und die gute Erreichbarkeit gewesen, sondern auch starke Partner vor Ort. „Ein weiterer wichtiger Punkt waren unsere Kooperationspartner wie der WirkRaum der Caritas oder die aha Jugendinfo Vorarlberg. Außerdem liegt der Standort nahe am Bahnhof. Unser Ziel ist es, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Chance zu geben, ein neues Hobby zu entdecken und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten.“
Hobby Lobby
Die Hobby Lobby ist eine Sozialorganisation, die Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund kostenlose Freizeitangebote bietet. In mehr als 100 Interessensbereichen – von Sport über Kunst und Tanz bis hin zu Programmieren – können junge Menschen ihre Talente entdecken und weiterentwickeln. Ziel ist es, in einer geschützten Umgebung den Zugang zu informeller Bildung zu ermöglichen und einen zusätzlichen Bildungsraum zu schaffen, der Sinn stiftet und Perspektiven eröffnet.
Der Bedarf ist groß: In Österreich gilt jedes fünfte Kind als armutsgefährdet, viele Familien können kostenpflichtige Freizeitangebote nicht finanzieren. Gleichzeitig findet ein Großteil des Lernens außerhalb formaler Bildungsinstitutionen statt. Genau hier setzt die Hobby Lobby mit kostenlosen, niederschwelligen Kursen an, die zentrale Kompetenzen wie Sprachfähigkeit, Eigeninitiative, Problemlösungs- und Teamfähigkeit fördern – Fähigkeiten, die sowohl für den Arbeitsmarkt als auch für gesellschaftliche Teilhabe entscheidend sind.
Das mehrfach ausgezeichnete Konzept wurde 2019 in Wien gegründet. Die Gründerin und heutige Geschäftsführerin Rosa Bergmann erkannte als Lehrerin, dass viele Kinder kaum Zugang zu sinnvoller Freizeitgestaltung hatten. Seit Herbst 2025 ist die Bildungsinitiative an 15 Standorten in Österreich, Deutschland und Rumänien aktiv. Rund 27 Mitarbeitende und mehr als 600 ehrenamtliche Kursleiterinnen und Kursleiter tragen das Projekt.
Breit gefächertes Kursangebot
Das Kursangebot in Dornbirn ist breit gefächert: Comics und Manga, Basketball, Tanzen, Töpfern, Textil- und Schmuckwerkstatt, Nachhilfe oder Sprachkurse. Alles kostenlos, alles offen – unabhängig vom sozialen Hintergrund der Eltern. „Bei uns ist jede und jeder willkommen – ohne Voraussetzungen“, betont die 30-jährige Geschäftsführerin. Besonders wichtig ist ihr dabei der soziale Aspekt. „Unser Schwerpunkt liegt klar auf der Förderung von Sozialkompetenzen. Wir sprechen von Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein und Partizipation“, sagt Matzak. „Die Hobby Lobby ist keine reine Betreuungsdienstleistung. Wir wollen Kinder stärken und sie auf ihrem Weg zu selbstständigen jungen Erwachsenen begleiten.“

Dass dieses Konzept aufgeht, erlebt Semanur Mizrak, Leiterin des Standorts Dornbirn, täglich in ihrer Arbeit. Die gebürtige Hohenemserin war zuvor für die Hobby Lobby in Innsbruck tätig und ist nun in ihre Heimat zurückgekehrt. „In Innsbruck habe ich erlebt, wie wertvoll die Hobby Lobby für Kinder und Jugendliche ist. Jetzt freue ich mich, dieses Projekt hier in Vorarlberg weiterzuführen und selbst etwas zu bewegen“, sagt die 25-jährige studierte Sozialmanagerin.

“Unglaublich dankbar”
Der Weg zur Hobby Lobby war für Mizrak beinahe ein Zufall – oder vielleicht genau das richtige Timing. „Ich hatte ursprünglich die Idee, irgendwann selbst etwas für Kinder und Jugendliche zu gründen“, erzählt sie. „Dann kam Vera Matzak als Gastvortragende an meine Hochschule und stellte die Hobby Lobby vor. Meine Kolleginnen meinten sofort: Das passt perfekt zu dir.“ Als später eine Stelle frei wurde, bewarb sie sich – mit Erfolg. „Ich bin unglaublich dankbar für die Erfahrungen, die ich in Innsbruck sammeln durfte, und dafür, dass ich dieses Projekt nun in Vorarlberg aufbauen darf.“

Erfolgreicher Auftakt
Gestartet wurde in der Messestadt im Juli 2025, am 13. Oktober begann die erste Kursphase, die bis 19. Dezember dauerte. „Natürlich war eine gewisse Nervosität da“, so Mizrak. „Aber wir wissen aus mittlerweile 14 anderen Standorten, dass das Angebot sehr gut angenommen wird.“ Die Rückmeldungen bestätigten das rasch. „Wir haben rund 80 Kinder erreicht und über 120 Kursplätze vergeben – und das Interesse ist ungebrochen.“ Besonders berühren die Hohenemserin die Veränderungen, die sie bei den Kindern beobachtet. „In Vorarlberg ist etwas sehr Schönes entstanden – ein Safe Space“, sagt sie. „Viele Kinder waren anfangs schüchtern und zurückhaltend. Am Ende der Kursphase sind sie richtig aufgeblüht und zeigen stolz, was sie gelernt haben.“

Sie berichtet im Gespräch mit der NEUE von Teamspielen im Basketball, die plötzlich funktionieren, und von selbst gestalteten Stücken aus der Textilwerkstatt. „Manche Kinder bringen zum Abschluss sogar kleine Geschenke mit oder sagen einfach Danke. Das zeigt mir jedes Mal, wie wichtig dieses Angebot ist.“ Auch die Rückmeldungen der Eltern seien positiv. „Viele schreiben uns, dass sie es schätzen, wenn wir nachfragen, warum ein Kind einmal nicht zum Kurs kommt, und dass sie merken, wie ernst wir das Wohl der Kinder nehmen.“

Gute Kooperationen
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sind die Kooperationen mit örtlichen Schulen und sozialen Einrichtungen. „Eine sehr große“, sagt Matzak auf die Frage nach deren Bedeutung. „Wir verstehen uns als ergänzendes Angebot. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu sinnvoller Freizeitgestaltung haben.“ Mizrak unterstreicht das aus der Praxis: „Ohne unsere Kooperationspartner wäre der Start in Vorarlberg so nicht möglich gewesen. Die Räumlichkeiten im WirkRaum sind ideal, das aha ist ganz in der Nähe – diese unkomplizierte und professionelle Zusammenarbeit hat enorm geholfen.“

Nächste Kursphase
Am 9. März startet die nächste Kursphase, sie läuft bis Mitte Juni. Geplant ist eine Ausweitung des Angebots. „Wir werden auf jeden Fall mehr Kurse anbieten – je nachdem, wie viele Kursleiterinnen und Kursleiter sich melden“, so Mizrak. Gesucht werden ehrenamtliche Erwachsene ab 18 Jahren, die Freude daran haben, ihr Hobby weiterzugeben. „In einem neuen Bundesland kennt man uns noch nicht so gut“, weiß Matzak. „Deshalb freuen wir uns sehr, wenn sich noch mehr Menschen aus Vorarlberg bei uns engagieren möchten.“
Gesellschaftlicher Nutzen
Neben Bildungsgerechtigkeit in der Freizeit und der Bekämpfung der Folgen von Armutsgefährdung setzt die Hobby Lobby auch auf die Förderung der körperlichen und mentalen Gesundheit. Die Angebote wirken präventiv gegen Bewegungsmangel, Einsamkeit und psychische Belastungen und schaffen zugleich sinnstiftende Räume, die Jugendkriminalität vorbeugen und soziale Teilhabe ermöglichen. Die Wirkung wird jährlich nach dem Social Reporting Standard erhoben und extern evaluiert. Eine Studie der WU Wien zeigt einen hohen gesellschaftlichen Nutzen: Jeder investierte Euro erzeugt mehr als das 21-Fache an gesellschaftlichem Mehrwert. Ergänzend dazu bietet ein Leadership-Programm ehemaligen Teilnehmenden die Möglichkeit, als Co-Kursleiterinnen und -leiter Verantwortung zu übernehmen und ihre Kompetenzen weiterzugeben. Seit 2021 haben 252 Jugendliche dieses Programm abgeschlossen.
Die Voraussetzungen sind niederschwellig, dafür gibt es aber Begleitung, Schulungen und klare Kinderschutzstandards. „Niemand arbeitet allein mit einer Gruppe, es ist immer eine pädagogische Unterstützung dabei – das dient dem Schutz der Kinder und auch der Kursleiter. Das ist für uns ein ganz zentraler Punkt.“ Finanziell ist der Standort Dornbirn mittelfristig noch auf Unterstützung angewiesen. „Die Hobby Lobby als Organisation erhält Mittel aus öffentlichen Förderungen, von Stiftungen, Unternehmen und durch Spenden“, erklärt Matzak. „Und wir freuen uns über jede weitere Form der Hilfe und Unterstützung.“

Klare Ziele
Der Wunsch für die kommenden Jahre ist klar formuliert: „Ganz viele Kinder und Jugendliche, viele engagierte Kursleiterinnen und Kursleiter – und dass die Hobby Lobby ein fixer Bestandteil der Freizeitgestaltung in Dornbirn wird“, sagen Vera Matzak und Semanur Mizrak unisono.
Weitere Informationen zur Hobby Lobby gibt es unter www.hobbylobby.co.at.