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Abo-Falle am Handy: Wie ein scheinbar harmloser Klick zur Kostenfalle wird

16.01.2026 • 19:00 Uhr
Abo-Falle am Handy: Wie ein scheinbar harmloser Klick zur Kostenfalle wird
NEUE-Redakteurin Marion Huber wurde selbst Opfer der Abzocke-Masche „Clickjacking“. Privat; AK Vorarlberg

Kostenpflichtige Abos, die ohne bewusste Zustimmung abgeschlossen werden, beschäftigen den Konsumentenschutz der AK Vorarlberg seit Jahren. „Clickjacking“ zählt zu den häufigsten Ursachen solcher Fälle. Ein aktueller Erfahrungsbericht zeigt, wie schnell man selbst davon betroffen sein kann.

Ein Klick genügt, und plötzlich läuft ein kostenpflichtiges Abo. Viele bringen solche Abo-Fallen instinktiv mit Kindern in Verbindung, die beim Spielen am Smartphone unbedacht auf etwas tippen. Erwachsene hingegen traut man das weniger zu, vor allem dann, wenn sie sich für aufmerksam halten oder im Umgang mit Smartphone und Internet erfahren sind. Doch dieses Bild täuscht. Hinter der Masche steckt eine Betrugsform namens „Clickjacking“, die jeden treffen kann und oft lange unbemerkt bleibt.

Unbewusster Klick mit teuren Folgen

Mir selbst ist genau das passiert. Nicht, weil ich etwas Ungewöhnliches getan hätte oder besonders unachtsam gewesen wäre, sondern weil ich etwas tat, das für viele längst zum Alltag gehört. Ich spielte auf meinem Smartphone ein kostenloses Spiel, ein paar Minuten Zeitvertreib zwischendurch. Wie so oft erschien Werbung, dann öffnete sich ein Popup-Fenster. Ich klickte auf das kleine X, um es zu schließen. Ein unbewusster, routinierter Klick mit Folgen, die zunächst völlig unbemerkt blieben.

Abo-Falle am Handy: Wie ein scheinbar harmloser Klick zur Kostenfalle wird
Das Pop-Up der Werbung wegklicken, und schon hat man unbewusst ein Abo abgeschlossen. Privat

Versteckte Hinweise im Spam-Ordner

Erst Wochen später wurde mir klar, dass es bereits einen Hinweis gegeben hatte. Die entsprechende E-Mail war genau zu jenem Zeitpunkt eingelangt, als ich auf das Popup geklickt hatte, war aber im Junk-Mail-Ordner gelandet. Als ich sie schließlich entdeckte, stand darin, dass ich ein Abo abgeschlossen hätte. Kostenpunkt 3,99 Euro. Ich war irritiert. Ich hatte nichts bewusst bestellt, keinen Kauf bestätigt und keinen Vertrag abgeschlossen. Also loggte ich mich in die Kundenzone meines Mobilfunkanbieters ein. Dort zeigte sich, dass es nicht bei diesem einen Abo geblieben war. Mehrere kostenpflichtige Dienste waren aktiv, mit unterschiedlichen Beträgen, jeweils niedrig und genau deshalb leicht zu übersehen. In der Gesamtschau ergab sich dann ein klares Bild. Die Abbuchungen erfolgten regelmäßig und gesammelt über die Handyrechnung. Auffällig war auch, wie versteckt diese Abos verwaltet werden. Der entsprechende Bereich auf der Website trägt den harmlos klingenden Namen „Partnerdienste“ und ist nicht auf den ersten Blick auffindbar. Erst nach längerem Suchen fand ich dort die laufenden Abonnements. Der gemeinsame Auslöser war immer derselbe. Ein Klick, der im Alltag keinerlei Bedeutung zu haben scheint.

Abo-Falle am Handy: Wie ein scheinbar harmloser Klick zur Kostenfalle wird
In der Rubrik ‚Partnerdienste‘ tauchen oft unbemerkt kostenpflichtige Abos auf – gut versteckt im Kundenbereich des Mobilfunkanbieters. Privat

Der Trick hinter dem Betrug

Was dahintersteckt, nennt sich „Clickjacking“. „Popup-Fenster auf Websites oder in Apps sind lästig und deshalb klicken viele Menschen diese schnell über das X weg“, erklärt Franz Valandro vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Vorarlberg. „Beim ,Clickjacking‘ legen Betrüger jedoch eine Art unsichtbare Schicht über scheinbar harmlose Bedienelemente. Klickt man darauf, wird im Hintergrund ein anderer Button aktiviert, zum Beispiel zum Kauf eines Abos.“
Gerade diese Unsichtbarkeit macht die Masche so gefährlich. Es gibt keinen klaren Hinweis auf Kosten oder eine bewusste Bestätigung. „Clickjacking“ funktioniert auf allen internetfähigen Geräten, vom Smartphone bis zum Laptop und tritt besonders häufig über Werbeanzeigen auf Webseiten oder auf Social-Media-Plattformen auf. „Je unseriöser der Inhalt und der Betreiber der Webseite, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, zum Opfer von ,Clickjacking‘ zu werden“, sagt Valandro.

Abo-Falle am Handy: Wie ein scheinbar harmloser Klick zur Kostenfalle wird

„Beim ,Clickjacking‘ merkt man oft gar nicht, dass man gerade ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen hat.“

Franz Valandro, Konsumentenschutz der AK Vorarlberg

Zahlen und Forderungen der AK

Auch bei der Arbeiterkammer Vorarlberg ist das Thema seit Jahren präsent. „Pro Jahr verzeichnen wir im Schnitt rund 100 Fälle allein in Vorarlberg“, sagt Franz Valandro vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Vorarlberg. „Das sind jedoch nur jene, die tatsächlich an uns herangetragen werden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.“ Zugleich spricht sich Valandro für ein grundsätzliches Umdenken aus. „Seit Jahren fordern wir, dass Drittanbieterdienste bei Mobilfunkverträgen standardmäßig gesperrt sind“, sagt er. Wer solche Angebote nutzen möchte, sollte sie bewusst freischalten, etwa über die Kundenzone des jeweiligen Anbieters. „Ein Opt-In-Modell würde unerwünschte Kosten verhindern und das Geschäftsmodell des „Clickjacking“ weitgehend unattraktiv machen.“
Wer einen solchen Verdacht hat, sollte rasch handeln. Einsprüche gegen Handyrechnungen sind grundsätzlich nur innerhalb von drei Monaten möglich. „Man sollte sich umgehend an den Mobilfunkbetreiber wenden und den Anschluss für sogenannte Drittanbieterdienste sperren lassen“, rät Valandro. „Rückerstattungen gelingen in der Praxis sehr häufig, da die aus dem ,Clickjacking‘ resultierenden Abonnements keine rechtsgültigen Verträge darstellen.“

Drei Fragen an Franz Valandro

Woran erkennt man, dass man Opfer von „Clickjacking“ geworden ist?
Valandro: Meist fällt „Clickjacking“ nicht sofort auf. Die Betroffenen stoßen entweder auf eine E-Mail, die auf ein abgeschlossenes Abo hinweist, oder entdecken auf ihrer Handyrechnung Abbuchungen, die sie sich nicht erklären können. Weil die Beträge oft niedrig sind, bleiben sie leicht und vor allem lange unbemerkt. Wer in seiner Rechnung oder in der Kundenzone Dienste findet, die er nicht bestellt hat, sollte hellhörig werden.

Was sollten die Konsumenten im Ernstfall als Erstes tun?
Valandro: Wichtig ist, möglichst rasch zu reagieren. Betroffene sollten sich umgehend an ihren Mobilfunkanbieter wenden, diese Dienste sperren lassen und das Abo kündigen. Einsprüche gegen Handyrechnungen sind grundsätzlich nur innerhalb von drei Monaten möglich. Je früher man aktiv wird, desto besser stehen die Chancen auf eine Rückerstattung.

Wie kann man sich künftig besser vor der Abzocke schützen?
Valandro: Ein wirksamer Schutz ist die Sperre von Drittanbieterdiensten. Diese kann meist direkt über die Kundenzone des Mobilfunkanbieters eingerichtet werden. Außerdem empfehlen wir, Handyrechnungen regelmäßig zu kontrollieren und bei kostenlosen Spielen, Apps oder unseriös wirkenden Webseiten besonders vorsichtig zu sein. Ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit kann spätere Kosten verhindern.