Kommentar

Dem trotzigen Kind die Stirn bieten, des Friedens willen

HEUTE • 10:53 Uhr
Dem trotzigen Kind die Stirn bieten, des Friedens willen
Wie weit geht Donald Trump? AFP

Was braucht es noch, um aufzuwachen und den Machtphantasien eines offenkundigen Agitators entschieden Einhalt zu gebieten? Ein Kommentar.

Vermummte Schutztruppen bekommen den Auftrag, im eigenen Land aufzuräumen.  Das Land muss zur alten Stärke finden. Es gilt, sich von Schwachen und Andersdenkenden zu befreien. Notfalls mit Gewalt. Nur das eigene Volk zählt. Der Zweck heiligt die Mittel. Man ist von Gott eingesetzt. Das legitimiert auch das kurzzeitige Entkräften des Rechtsstaats. Um die alte Ordnung wiederherzustellen. Eine starke Hand, die das Land zu alten Stärken führt. Um den Frieden wiederherzustellen. Weltweit bedarf es dieser starken Hand. Alte Bündnisse werden über Bord geworfen. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.

Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor? Schreckliche Bilder aus längst vergangenen Tagen flackern auf, wenn man diese Zeilen liest. Was einst für undenkbar galt, ist längst wieder zur bitteren Realität geworden. US-Präsident Donald Trump ist drauf und dran, die einst so stolze und gern als fortschrittlichste der Welt bezeichnete Demokratie aus den Angeln zu heben und ein neues System einzuführen. Ohne “Checks and Balances”, notfalls mit ICE-Gewalt. Die Zeit drängt, die Midterms im November müssen gewonnen werden.

Noch sieht die Welt zu, aus einer Schockstarre heraus. Weder immer stärker aufflammende Proteste innerhalb der eigenen Grenzen, noch ein völkerrechtswidriger Putsch in Venezuela inklusive Machtübernahme durch den „Befreier“, ohne Mandat der Vereinten Nationen oder nun ein Bruch mit dem bisher für unantastbar geltenden, nordatlantischen Militärbündnis. Das Rennen um die letzten Rohstoffe und Bodenschätze ist eröffnet, nach Venezuela will man Grönland. Einhergehend mit Aussagen, die man höchstens von einem wütenden Kleinkind erwarten würde, das es nicht besser weiß.

„Aber wissen Sie, nur weil dort vor 500 Jahren ein Boot anlegte,
heißt das nicht, dass ihnen das Land gehört.“

Ob Präsident Trump diesen Ausspruch auch den amerikanischen Gründervätern auf der Mayflower nahelegen würde? Aber keine Angst, es kommt noch besser:

„Lieber Jonas, da Ihr Land mir den Friedensnobelpreis für die Beendigung von über acht Kriegen verweigert hat, sehe ich mich nicht länger verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken, obwohl dieser immer im Vordergrund stehen wird.“

Worte eines offenbar zutiefst gekränkten und sich missverstanden fühlenden Narzissten, dessen eigenes Weltbild die Grundfesten der internationalen Gemeinschaft erschüttert. Zumindest den ihm vorenthaltenen Friedensnobelpreis, oder besser gesagt die dazugehörige Medaille, hat er ja inzwischen von der amtierenden Preisträgerin Maria Machado geschenkt bekommen. Was ihn wohl nur noch mehr in seinem Tun bestätigen wird.

Was aber jedem mit Vernunft gesegneten Menschen, der es nur ansatzweise mit den demokratischen Grundsätzen hält, endgültig vor Augen führen muss, dass man einem Kleinkind, auch wenn es aus noch so gutem Hause stammt, seine Grenzen aufzeigen muss. Vielleicht beim Weltwirtschaftsforum, als ein geeintes Europa dem trotzigen Kind die Stirn bieten ­– als das Gebot der Stunde. Mit freundlichen Grüßen aus der Alten Welt. Quasi vom greisen Gründervater zum pubertierenden “MAGA-Teenager”.

Übrigens gab es schon einmal jemanden, der einen Nobelpreis aus zweiter Hand entgegennahm. Es handelt sich um Joseph Goebbels, der die Medaille im Jahre 1943 vom norwegischen Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun zugeschickt bekam.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)