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Wenn Tracht verbindet: Tanz und Tradition

24.01.2026 • 13:00 Uhr
Wenn Tracht verbindet: Tanz und Tradition
Martin, Ida und Hanspeter Bischof tragen die erneuerte Satteinser Tracht als ein Symbol für ihre Heimat. Stiplovsek

Die Satteinser Tracht verkörpert Heimatgefühl, Gemeinschaft und Lebensfreude und steht für gelebtes Brauchtum, das seit Generationen gepflegt und weitergegeben wird.

Seit bald sieben Jahrzehnten trägt die Trachtengruppe Satteins zum Erhalt von Brauchtum, Volkstanz und der Satteinser Trachten bei. Gegründet wurde der Verein 1958, heute sind acht Tanzpaare in der Gruppe aktiv, die Jüngsten treffen sich in einer Kindergruppe. Seit 2017 leitet Martin Bischof die Trachtengruppe.

Tradition

Für den gebürtigen Satteinser ist die Tracht ein Zeichen der Heimatverbundenheit, die den mittlerweile in Dornbirn Lebenden an seine Herkunft erinnert: „Egal wohin ich gehe, bin ich stolz, dass ich eine Satteinser Tracht tragen darf. Die Tracht zu tragen, ist etwas Besonderes.“ Er wuchs durch seine Eltern Ida und Hanspeter Bischof von Kindesbeinen an in die Trachtengruppe hinein. Ida und Hanspeter Bischof, beide aus Satteins, lernten sich einst bei der Trachtengruppe kennen. Alle drei verbindet ihre Liebe zur Tracht und dem Volkstanz. Die Satteinser Tracht ist reich an Details und handwerklicher Kunst. Sie wird überwiegend noch in Vorarlberg gefertigt. Eine Trachtenschneiderin aus Schnifis näht die Trachten. Bisher wurden auch die Männertrachten noch von einer Schneiderin in Vorarlberg hergestellt. Die Stickereien fertigt eine Stickerin aus dem Walsertal.

Wenn Tracht verbindet: Tanz und Tradition
Ida und Hanspeter Bitschnau lernten sich einst bei der Trachtengruppe kennen.

Historisch

Die erneuerte Satteinser Tracht wurde in den frühen 1950er Jahren entworfen, ursprünglich um die Musikkapelle einzukleiden. Das letzte verbliebene Exemplar der historischen Tracht wurde bei einem Hausbrand zerstört, erinnert sich Hanspeter Bischof. Fotos und Gemälde des historischen Kleidungsstücks dienten als Vorlage für die erneuerte Tracht der Region Jagdberg. Die Frauentracht besteht aus Juppe, Bluse und Schürze. Ein bestickter Brustlatz mit Goldborte verleiht der Tracht einen edlen Charakter. Mieder und Schürze sind in gedeckten Farben gehalten. Eine Besonderheit der Satteinser Frauentracht ist der sogenannte Goller. Dabei handelt es sich um einen Kragen, der über der Bluse um den Hals gelegt wird. Der aus schwarzem Tuch oder Loden gefertigte Goller wird nur zu besonderen Anlässen getragen. Die Ecken des Gollers sind mit gestickten Motiven verziert, den vorderen Abschluss bildet eine zarte schwarze Spitze. Gollerkette und Silberbrosche ergänzen die Frauentracht. Als Kopfbedeckung tragen junge Mädchen ein Krönchen aus Silberbouillon. Anstelle der bestickten Bodenhaube der erwachsenen Frauen wird heutzutage zunehmend der schlichtere Vorarlberghut getragen.

Wenn Tracht verbindet: Tanz und Tradition
Die Männertracht ist einfach und verzichtet auf Stickereien.

Die Männertracht ist einfacher gehalten und verzichtet auf Stickereien – über einer roten Weste trägt Mann eine blaue Lodenjacke zu schwarzen Kniebundhosen. Abgerundet wird das Ensemble von Kniestrümpfen, Schnallenschuhen und Hut. Hanspeter Bischof besitzt seit seinen Jugendtagen eine eigene Tracht: „Ich fand das auf Anhieb ein tolles Kleidungsstück. Egal zu welchem Anlass, in der Tracht ist man einfach gut angezogen.“
Wissen vermitteln. Um das Wissen um die Tracht weiterzugeben, organisiert der Verein Kurse, etwa zum Blusennähen. Dies ist wertvoll für den Erhalt der Tracht, da es zunehmend schwieriger wird, Trachtenschneiderinnen zu finden. Die Kunst der Stickerei ist weiter verbreitet und auch einige junge Frauen zeigen Interesse an der Stickerei. Abseits des Trachtenvereins gibt es noch einige Personen, hauptsächlich Frauen, die die Tracht zu besonderen Anlässen tragen. Ida Bischof ist davon überzeugt, dass sich der Bezug zur Tracht ändert, wenn man sieht, wie viel Arbeit und Kunstfertigkeit in den Details steckt. Es stecke viel Idealismus in einer Tracht, denn wenn man jede Arbeitsminute bezahlen müsste, wäre eine Tracht wohl unbezahlbar. Für sie persönlich hat die Tracht einen besonderen Stellenwert: „Ich trage die Tracht einfach gerne. Es freuen sich auch viele Leute, wenn sie jemanden in Tracht sehen, denn es ist einfach Besonderes.“
Während der Trachtenverein in früheren Jahren vor allem Heimatabende für Touristen veranstaltete, stehen nun andere Aktivitäten im Vordergrund. Dazu zählen die wöchentliche Tanzprobe, gemeinsame Unternehmungen und Ausrückungen in Tracht. Ein großes Anliegen des Vereins ist die Pflege und der Erhalt der Tracht auch in Zukunft. So wurden vergangenes Jahr neue Trachten für die Kindergruppe angeschafft. „Die Kinder haben eine riesige Freude mit ihrer Tracht und sind stolz, wenn sie sie anziehen dürfen“, erklärt Ida Bischof, selbst dreifache Mutter. Sie wünscht sich, dass einige Kinder dem Verein auch im Jugend- und Erwachsenenalter treu bleiben.

Wenn Tracht verbindet: Tanz und Tradition
Der fein bestickte und mit schwarzer Spitze versehene Goller wird nur zu besonderen Anlässen getragen.

Ein jährliches Highlight ist das offene Volkstanzen, das der Verein mittlerweile seit 40 Jahren jedes Frühjahr organisiert. Ob mit oder ohne Tracht, ob privat oder als Verein – jeder ist herzlich willkommen daran teilzunehmen. Die Wahl einfacher Volkstänze ermöglicht es allen Teilnehmenden, mitzumachen. Dem Tanzen gilt Hanspeter Bischofs Liebe bereits seit 48 Jahren, als er mit 16 Jahren zum ersten Mal an einem Tanzkurs teilnahm. Dabei macht ihm das offene Volkstanzen die größte Freude. „Das, was in mir brennt, ist erhalten geblieben“, sagt er schmunzelnd. Im Hinblick auf das diesjährige Event wünscht sich Familie Bischof zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Sie alle sind sich einig: „Tanzen ist einfach schön, und es verbindet.“

infos

Offenes Volkstanzfest der Trachtengruppe Satteins
Wann: Samstag, 25. April, 20 Uhr
Wo: Mehrzwecksaal der Mittelschule Satteins.
Mit Bewirtung – alle sind herzlich willkommen.