_Homepage

Evangeliumskommentar: Nachfolge und Umkehr

24.01.2026 • 10:00 Uhr
Evangeliumskommentar: Nachfolge und Umkehr
Jesus beruft die ersten Jünger am See von Galiläa. Shutterstock

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Norman Buschauer, Vikar in Bregenz.

Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder – Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas. Sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder – Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes. Sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. Matthäus 4,12–23

Zwei Höhepunkte leuchten aus diesem Evangelium besonders hervor: Zum einen die hoffnungsvolle Botschaft „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“, zum anderen der Ruf zur Nachfolge. Beide sind untrennbar miteinander verbunden.

Umkehr ist notwendig, wenn der eingeschlagene Weg nicht mehr – oder nur mit großer Mühe – zum gewünschten Ziel führt. Jeder Bergsteiger kennt solche Situationen: Man muss manchmal umkehren oder einen anderen Pfad wählen, um sicher ans Ziel zu gelangen. Umkehr ist dabei kein Zeichen von Scheitern, sondern Ausdruck von Neuorientierung und oft ein Gewinn. Sie erfordert aber Mut und die Bereitschaft, den eigenen Weg kritisch zu überdenken – und gegebenenfalls auch die persönliche Lebensplanung zu korrigieren. Ein stures „Weiter so“ kann – nicht nur am Berg – gefährlich enden. Nachfolge, um im Bild zu bleiben, heißt auch, auf die Erfahrung anderer zu vertrauen, in ihren Spuren zu gehen. Interessant: Die Wörter „glauben“ und „vertrauen“ stammen aus derselben Sprachwurzel.

Der Aufruf zur Nachfolge im Evangelium richtet sich an ganz „gewöhnliche“ Menschen – Männer, die am See Genesareth ihrer täglichen Arbeit nachgingen. (Dass im Evangelium nur Männer berufen wurden, spiegelt wohl die gesellschaftlichen Bedingungen jener Zeit wider. Dass dieses Argument heute noch immer als Begründung dient, nur Männer seien zur Nachfolge geeignet, ist bedauerlich und überholt. Die wenigen Frauen in kirchlichen Leitungspositionen ändern nichts an diesem grundlegenden Ungleichgewicht.) Kehrt um – dieser Ruf gilt heute jedem und jeder von uns.

(Eine persönliche Anmerkung zum Schluss: Wenn vom Priestermangel die Rede ist und viele Priester über ihre Belastungsgrenze hinaus mehrere Pfarren betreuen müssen – ist es nicht längst an der Zeit, die kirchenrechtlichen Voraussetzungen für die Nachfolge zu überdenken? Ich persönlich kenne etliche Frauen und Männer, die hervorragende priesterliche Seelsorgerinnen und Seelsorger wären – auch wenn sie den aktuellen Kriterien nicht entsprechen. Aber zum Glauben gehört ja auch immer eine große Portion Hoffnung. Oder?)

WG: Foto PR Heiliges Land - Pfr. Buschauer
Norman Buschauer, Vikar in Bregenz.