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Handelskrieg trifft Kanadas Autobranche

14.02.2026 • 11:00 Uhr
Handelskrieg trifft Kanadas Autobranche
AFP

Kanadas Automobilindustrie befindet sich derzeit in einer Phase tiefgreifender Transformation.

Die US-Regierung unter Präsident Trump hält weiterhin an 25-prozentigen Zöllen auf kanadische Fahrzeuge und Fahrzeugkomponenten fest – ein Einschnitt mit erheblichen Folgen für die Branche im Land. Denn rund 90 Prozent der in Kanada produzierten Fahrzeuge gehen in den Export in die USA und sind damit unmittelbar betroffen. Als Reaktion auf den Handelskonflikt führte Kanada ebenfalls 25-prozentige Zusatzzölle auf US-Personenkraftwagen ein. Außerdem wird seither die Suche nach neuen internationalen Partnerschaften, unter anderem mit China und Südkorea, parallel dazu verfolgt die Regierung eine umfassende Zukunftsstrategie, die insbesondere die Produktion emissionsfreier Fahrzeuge weiter stärkt.

Die kanadische Automobilindustrie ist geprägt durch eine Mischung aus internationalen Konzernen, starken einheimischen Zulieferern und einigen spezialisierten inländischen Herstellern. Zu den bedeutendsten Produzenten zählen globale Akteure wie Toyota, Ford, General Motors, Stellantis (Chrysler) und Honda, die vor allem in Ontario große Fertigungsstätten betreiben. Ergänzt wird diese Struktur durch eine leistungsfähige Zulieferindustrie mit fast 700 Unternehmen – darunter Magna International, Linamar und Martinrea. Sie beliefern sowohl die heimische Produktion als auch Märkte weltweit mit Komponenten, Leichtbautechnologien und Antriebssystemen. 2024 trug die Automobilindustrie rund 16,8 Milliarden Kanadische Dollar (CAD) zum Bruttoinlandsprodukt bei und gehört damit zu den größten Industriesparten des Landes.

Kanada setzt sich ambitionierte Ziele im Bereich Elektromobilität: Bis 2035 soll der E-Anteil bei rund 75 Prozent liegen, bis 2040 bei etwa 90 Prozent – und das ganz ohne gesetzliche Verkaufsquote. Die bisherige Pflichtquote wurde abgeschafft. Stattdessen setzt die Regierung auf strengere Treibhausgasstandards für die Modelljahre 2027 bis 2032. Hersteller können damit selbst entscheiden, mit welchem Antriebsmix sie die Vorgaben erreichen. Das erhöht die Flexibilität und unterstützt zugleich den Ausbau der emissionsfreien Fahrzeugproduktion. Ergänzend stellt die Regierung über 2,3 Milliarden CAD für ein mehrjähriges Förderprogramm bereit sowie weitere 1,5 Milliarden CAD für den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Zusätzlich könnte der Aufbau einer eigenen Batterieindustrie die Abhängigkeit vom US-Markt verringern.

Christoph Flatz
Christoph Flatz ist Veranlagungsspezialist in der Sparkasse.