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35.000 Euro für “Olympiaparty”: Rüscher verteidigt Netzwerkabend der Wirtschaft in Cortina

17.02.2026 • 17:19 Uhr
35.000 Euro für "Olympiaparty": Rüscher verteidigt Netzwerkabend der Wirtschaft in Cortina
Die Landesregierung fördert den “Vorarlberg Abend” in Cortina d’Ampezzo mit 35.000 Euro. canva, APA/AFP/STEFANO RELLANDINI, klaus hartinger

„Partyförderung“ von 35.000 Euro für Netzwerktreffen im Austria House. Sportlandesrätin sieht „indirekte Effekte“ für Kinder und Jugendliche. „Vorarlberg Abend“ ist Teil einer dreitägigen Reise für Vertreter der Wirtschaft.

Am Dienstag hat sich ein Reisetrupp auf Einladung des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) und der Wirtschaftskammer Vorarlberg nach Cortina d’Ampezzo auf den Weg gemacht. Im Rahmen der Olympischen Winterspiele steht eine dreitägige „Netzwerkreise“ auf dem Programm, die sich laut Einladung an „Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Sportvereinen und sportnahen Organisationen“ richtet. Ziel der Reise sei die „gemeinsame Präsenz Vorarlbergs im Umfeld der Olympischen Winterspiele“ und die „Stärkung der Vernetzung zwischen Wirtschaft und Sport in einem internationalen Rahmen.“

35.000 Euro für “Vorarlberg Abend”

Teil dieser Reise ist auch ein „Vorarlberg Abend“ im Austria House in Cortina, wo laut Einladung „Begegnung und Austausch mit Vorarlberger Unternehmen, Sportvereinen, Verbänden und Sportler:innen“ auf dem Plan steht. Die Kosten für diesen Abend betragen 84.000 Euro, wovon das Land Vorarlberg 35.000 Euro beisteuert. Diese „Partyförderung“, wie Medien und Opposition sie titulierten, sorgte nach ihrem Beschluss in der Regierungssitzung am 20. Jänner für Kopfschütteln.

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Die SPÖ brachte tags darauf eine Anfrage an Sportlandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) ein, in der Klubobmann Mario Leiter und Sportsprecher Reinhold Einwallner die Förderung in Kontext mit Kürzungen in anderen Sportbereichen stellten. „Die Förderung einer Wirtschaftskammerveranstaltung unter dem Deckmantel einer sportlichen Leistungsschau scheint in diesem Zusammenhang regelrecht zynisch“, echauffieren sich die Sozialdemokraten. Nun erfolgte die Beantwortung durch die Landesrätin.

35.000 Euro für "Olympiaparty": Rüscher verteidigt Netzwerkabend der Wirtschaft in Cortina
Die beiden SPÖ-Abgeordneten Reinhold Einwallner und Mario Leiter brachten Ende Jänner eine Landtagsanfrage zur “Partyförderung” ein. paulitsch

Aus dieser ist zu entnehmen, dass der Beschluss in der Regierungssitzung einstimmig erfolgte. Argumente für den „Vorarlberg Abend“ sind laut Rüschers Beantwortung unter anderem, dass „mit 13 Athleten eine beeindruckend hohe Zahl von Vorarlberger Athleten teilnimmt“, „in den kommenden Jahren Olympische Spiele nicht mehr so nahe an Vorarlberg stattfinden werden“ und die Tatsache, dass „eine Umschichtung innerhalb des Veranstaltungsbudgets durch Reduktionen bei anderen Veranstaltungsformaten ermöglicht werden konnte.“

“Indirekte Effekte” für Kinder und Jugendliche

Auf die Frage der SPÖ-Abgeordneten, in welcher Form die Veranstaltung konkret Kindern und Jugendlichen im Sportbereich zugutekommt, erklärt Rüscher, dass die Veranstaltung sich nicht an Kinder und Jugendliche richte. „Für diese Zielgruppe erwarten wir indirekte Effekte durch Vernetzung von Wirtschaft, Tourismus und Sport sowie Sportorganisationen untereinander. Inhaltlich transportiert werden unter anderem Wertschätzung für Vorarlberger Spitzensport-Athleten, die generelle Vorbildfunktion von Spitzensport, die Sensibilisierung der Wirtschaft für Ausbildungskooperationen wie Spitzensport & Lehre sowie für Sportsponsoring für Vereine und Athleten“, heißt es.

35.000 Euro für "Olympiaparty": Rüscher verteidigt Netzwerkabend der Wirtschaft in Cortina
Landesrätin Rüscher erwartet indirekte Effekte für Kinder und Jugendliche durch die Vernetzung von Wirtschaft, Tourismus und Sport. stiplovsek

Kritische Nachfragen der SPÖ, ob es die Landesregierung aus sportpolitischer Sicht für vertretbar halte, Repräsentations- und Eventformate höher zu dotieren als strukturelle Maßnahmen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen im Sport, weist Rüscher jedoch klar zurück: „Diese Aussagen sind falsch. Im Nachwuchs- und Breitensport erfolgten keine Kürzungen. Repräsentations- und Eventformate sind wesentlich niedriger dotiert als strukturelle Maßnahmen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen im Sport, wie im Budgetvoranschlag leicht ersichtlich ist.“ Dazu führt sie an, dass im Landesbudget 2026 rund 4,3 Millionen Euro Fördergeld für den Kinder- und Nachwuchssport vorgesehen sind. Aber: „Im Bereich der Mannschaftsspitzensportförderung (Profisport) wurden in den Jahren 2024/2025 (minus 497.541 Euro) sowie 2025/2026 (minus 203.209 Euro) Reduktionen vorgenommen.“

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Doch nochmals zurück zum eingangs erwähnten Netzwerkabend: In der Anfragebeantwortung kündigte die Sportlandesrätin ihr Kommen für den gestrigen „Vorarlberg Abend“ an. „Es entstehen dem Land keine weiteren Kosten, die Kosten (für An-/Abreise, Unterkunft) werden privat bezahlt“, betont Rüscher in der Anfragebeantwortung.

Weiteres Netzwerktreffen und Besuch beim Damen-Slalom

Die Netzwerkreise erstreckt sich im Übrigen auch noch auf den heutigen Mittwoch: Für die Teilnehmer ist erst ein Besuch des olympischen Damen-Slaloms und danach ein weiteres Netzwerktreffen geplant, dieses Mal mit sogar österreichweiter Beteiligung, ehe am morgigen Donnerstag die Rückfahrt im Reisebus nach Vorarlberg ansteht. An diesen Programmpunkten wird Landesrätin Rüscher aber „aus terminlichen Gründen“ nicht teilnehmen, wie ihre Referentin auf NEUE-Nachfrage bestätigt.

Programm der Olympia-Netzwerkreise

Dienstag, 17. Februar:

  • Gemeinsame Anreise im Reisebus ab Vorarlberg
  • Vorarlberg Abend im Austria Haus: Begegnung und Austausch mit Vorarlberger Unternehmen, Sportvereinen, Verbänden und Sportlern

Mittwoch, 18. Februar:

  • Besuch des Damen-Slaloms bei den Olympischen Winterspielen
  • Abendveranstaltung im Austria Haus: Österreichweites Netzwerktreffen mit Teilnehmern aus Wirtschaft, Sport und öffentlichen Institutionen

Donnerstag, 19. Februar:

  • Rückreise im Reisebus nach Vorarlberg

Kosten inkl. Shuttlebus, zwei Übernachtungen mit Frühstück, Ticket für den Damen-Slalom, Einladung zum Vorarlberg Abend und Abendessen im Austria Haus, Transfers vor Ort:

  • Einzelzimmer: 1500 Euro p.P.
  • Doppelzimmer: 1200 Euro p.P.

Die Kosten für all jene, die an der gesamten Reise teilnehmen, sind nicht schmal: Für das dreitägige Gesamtpaket werden 1500 Euro fällig, wenn man ein Einzelzimmer bucht, 1200 Euro pro Person bezahlt man für ein Doppelzimmer. Diese Summen sind aber selbst zu erbringen und nicht Teil der Förderung.
„Trotz der hohen Privatleistungen für Anreise, Hotels und evtl. Tickets wurde rasch eine hohe Zahl an Interessenten aus Sport und Wirtschaft gefunden“, liest man in der Anfragebeantwortung. Das bestätigt sich auch in der Einladung: Dort heißt es, dass die Netzwerkreise „ausgebucht“ ist.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)