Tradition und Handwerk

Elmar Stüttler, bekannt als Obmann von „Tischlein deck dich“, pflegt in Vandans die Tradition des Rätschen-Bauens.
Warum bauen Sie Rätschen?
Elmar Stüttler: Ich selbst baue seit über 50 Jahren Rätschen, seit 1968. Schon mein Großvater Anton hat in den 30er- und 40er-Jahren Rätschen gebaut. Später hat mein Vater Hubert es weitergeführt und das mit großer Leidenschaft gemacht. Diese Tradition möchte ich erhalten. Insgesamt habe ich bisher etwa 100 selbst gefertigt. Früher war es mehr ein Hobby, aber mittlerweile ist es mir auch wichtig, diesen schönen Brauch zu erhalten. Seit 2015 gehört diese Tradition auch zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Wofür sind Rätschen da?
Stüttler: Früher wurden sie noch Glocken genannt, weil sie in der Karwoche zum Einsatz kommen, wenn die Kirchenglocken nach Rom „fliegen“ und die Kirchenorgel schweigt. In dieser Zeit springen die Rätschen sozusagen ein und ersetzen das Geläute der Kirchenglocken.

Wie wird so eine Rätsche gebaut?
Stüttler: Es gibt viele verschiedene Arten von Rätschen. Unsere, mit Kurbel, sind etwas aufwändiger in der Herstellung. Ich baue immer etwa 15 bis 20 Stück auf einmal. Gefertigt werden sie aus Buchenholz, weil das Material stark beansprucht wird und sich das harte Holz sehr gut dafür eignet. Für diese rund 20 Stück brauche ich etwa 300 Stunden. Aktuell habe ich etwa 50 Rätschen bei mir auf Lager. Viele von den älteren habe ich mittlerweile hergegeben. Die Älteste, die ich momentan noch habe, ist aus dem Jahr 1950. Die Rätschen werden auch beschriftet, damit man sie nicht klaut – immerhin sind wir im Montafon (lacht).

Wer nimmt an dieser jährlichen Tradition teil?
Stüttler: Zum Großteil sind es Kinder ab acht Jahren, insgesamt etwa 40 bis 50 junge Leute. Ab Montag wird geprobt. Wir rätschen im Takt eins, zwei, drei-vier-fünf. Nach dem Rätschen am Karfreitag um 6 Uhr morgens wird etwa eine halbe Stunde lang ein Rundgang von Haus zu Haus gemacht, damit alle es hören. Die Kinder dürfen dabei auch Spenden sammeln, um ihr Taschengeld etwas aufzubessern.

Wann endet das Rätschen?
Stüttler: Das Rätschen dauert über die ruhigen Tage an, in denen der Herrgott im Grab liegt. Mit der Auferstehung an Ostern kommen auch die Glocken wieder zurück. Das Ostergeläut markiert jährlich das Ende der Tage, in denen die Rätschen zum Einsatz kommen.