Palmsonntag – gegen Kriegstreiberei

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Erich Baldauf, Pfarrer in Hard und Bibelreferent der Diözese.
Sonntagsevangelium
Als sie sich Jerusalem näherten und nach Betfage am Ölberg kamen, schickte Jesus zwei Jünger aus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa. Mt 21,1-11
Gedanken
„Als Jesus in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser?“ (Mt 21,10), so beschreibt der Evangelist Matthäus die Folgen des Einzugs Jesu in Jerusalem.Die Stadt bebte. Man kann nur ahnen, welche Diskussionen, Erwartungen, Forderungen und Hoffnungen bei den Menschen mit diesem Beben verbunden waren. Jerusalem hatte in der Vergangenheit schon viele Einzüge von Eroberern und Herrschern erlebt. Viele zogen schwer bewaffnet und Soldaten im Gefolge ein. Sie kamen, plünderten und nahmen viel mit. Zurück ließen sie oft Ruinen, Tote, Not und Elend. Die Menschen erleben erneut einen Einzug und fragen: Was hat das zu bedeuten? Die Art und Weise, wie Jesus in die Stadt kommt, erinnert Bibelkundige von damals an den Propheten Sacharja. Er kündet am Ende der Zeiten einen Friedensfürsten an, der nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel reitend einzieht, Frieden mitbringt, für Recht und Gerechtigkeit sorgen wird (vgl. Sach 9,9). Ist diese Zeit gekommen? Es gibt viele, die ihm zurufen: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“ Hosanna ist der Hilferuf von Ohnmächtigen schlechthin und heißt übersetzt: „Hilf uns, Herr!“
Es ist nicht davon auszugehen, dass es dieselben sind, die dann wenige Tage später rufen: „Ans Kreuz mit ihm!“ (vgl. Mt 27,22f), wie es vermutlich nicht dieselben sind, die einmal gegen und dann für das Mullah-Regime im Iran demonstrieren. Jene, die Hosanna rufen, setzen ihre Hoffnungen auf den, der gewaltlos seinen Weg geht, das Recht und die Würde der Menschen achtet. Sie erleben wenige Tage später seine Hinrichtung am Kreuz. Haben sie auf den Falschen gesetzt?Wir feiern am Palmsonntag erneut den einziehenden Friedensfürsten. Es will sagen: Mit ihm ist zu rechnen – auch 2026! Sein Weg ist nicht das Recht des Stärkeren, das Drohen, Verunglimpfen oder Ausbeuten. Er hört den Schrei jener, die in ihrer Ohnmacht nach Hilfe rufen. Dieser Ruf ging ihm so nahe, dass er alles riskierte, sein Leben. Es ist die Frage: wie sehr wird der Schrei gehört? Der Schrei kriegsgeplagter Völker oder der Schrei der Schöpfung?Manche Schreie verlieren sich in den Diskussionen über Spritpreise, Verzicht auf Kurztrips oder Preise in den Regalen.
